Abendrot oder Morgenröte?

Region Thun

Die FDP Oberhofen darbt. Es gibt zu wenig Bürger, die sich engagieren wollen. Nun geht die Partei in die Offensive und hofft auf einen Schub. Bleibt er aus, droht der Rückzug.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch bei der FDP Oberhofen. Seit einiger Zeit schwächelt die Partei, findet kaum mehr Leute, die sich engagieren wollen. Wegzüge und Rücktritte haben die Lage verschlimmert. Aktuell besteht der Vorstand nur noch aus Beisitzer Edgar Spinnler und Kassier Simon Brunner. Die Situation ist derart alarmierend, dass die FDP einen Hilferuf abgesetzt hat. «Wenn wir keine neuen Leute finden, hat es keinen Sinn mehr, weiterzumachen», sagt Brunner. Es brauche mindestens vier, fünf Bürger, die am Karren zögen. Dorfparteien seien auf einige einsatzwillige Bürger angewiesen, um überleben zu können. Leider sei es der FDP in den letzten Jahren nicht gelungen, genügend dieser Bürger aufzutreiben.

«Ganz oder gar nicht!»

Für die zwei verbliebenen Vorstandsmitglieder Spinnler und Brunner stehen zwei Szenarien im Raum: Entweder schafft es die FDP, den Vorstand an der Hauptversammlung vom 7. Mai aufzurüsten und dann gestärkt in die Wahlen 2020 zu steigen, oder sie zieht sich zurück. Die Partei befinde sich an einem Scheidepunkt, sagt Simon Brunner: «Es gibt nur: ganz oder gar nicht!» Eines stillen Todes zu sterben, sei keine Option. Ob es gelingen werde, die Mitglieder aufzurütteln, weiss Brunner nicht. «Wir wollten einfach nichts unversucht lassen.» Sollten er und Kollege Spinnler nicht erfolgreich sein, dann sei es an der HV möglich, einen geordneten Rückzug zu organisieren. «Das ist besser, als wenn wir einfach irgendwann hinschmeissen», sagt Brunner.

Ein Rückzug wäre aber nicht das Ende aller Tage. Vielleicht brauche es bei der FDP Oberhofen einfach mal eine Denkpause, bevor es wieder weitergehe, sagt Brunner.

Kein Einzelfall

Die FDP Oberhofen befindet sich auf stürmischer See. Sie ist aber bei weitem kein Einzelfall. So trat beispielsweise die SP Oberhofen bei den Wahlen 2012 gar nicht an, weil sich niemand finden liess, der in den Gemeinderat wollte. Nach einer Pause von einer Legislatur waren die Sozialdemokraten bei den Wahlen 2016 mit vier Kandidierenden wieder mit von der Partie. «Wir haben die Kurve gekriegt», sagte die damalige Parteipräsidentin Petra Maurer Stalder, die gemeinsam mit Priska Bühler den Sprung in den Rat schaffte. Ihre Arbeit führte der neue Parteichef Daniel Haldi weiter. «Es braucht vier, fünf Leute, die am Karren ziehen», sagt er.

Dabei benötige es zweierlei Charaktere: jene, die an der Front, sprich in einer Kommission oder einem Amt, anpackten, und jene, welche im Hintergrund die Arbeit leisteten. «Sie zu finden, ist ein Knochenjob», sagt Haldi. Es bedürfe eines feinen Gespürs für Menschen und dann auch des persönlichen Kontakts. «Steter Tropfen höhlt den Stein», sagt Haldi dazu. Er hat die Erfahrung gemacht, dass sich unter Bürgern, die keine Parteimitglieder sind, nur ganz selten neue Kräfte gewinnen lassen. Ein Reservoir würden dagegen Neuzuzüger darstellen. «Aber auch sie muss man aktiv angehen», sagt der Oberhofner SP-Präsident.

Durststrecke in Sigriswil

Daniel Haldi weiss, wovon er spricht. Er hat vor einigen Jahren die SP Sigriswil mitgegründet und damit in der Gemeinde eine längere Durststrecke be­endet. Lange Zeit hatten die ­Sigriswiler nur eine sehr beschränkte Auswahl. 2004 erfolgte die Wahl still, 2008 buhlten nur die SVP und die Parteilosen Bürger Sigriswil (PBS) um die Gunst der Bürger. 2012 stieg die BDP erstmals ins Rennen, und bei den letzten Wahlen war auch die SP wieder mit dabei. Einen schweren Stand hat auch in Sigriswil die FDP. Sie existiert praktisch nur noch auf dem Papier. Zu den Wahlen ist sie seit längerem nicht mehr angetreten.

Der Wert der Parteiarbeit sei nicht zu unterschätzen, würden doch aus diesen Kreisen immer wieder neue Kräfte für Kommissionen und Gemeinderat rekrutiert, sagt Daniel Haldi. Auch würden Parteien an Lösungen in der Gemeinde mitgestalten und Geschäfte mehrheitsfähig machen. Er würde es darum sehr bedauern, wenn sich die FDP zurückziehen müsste, sagt der SP-Präsident.

Thuner Tagblatt

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