Snowpenair: Ein musikalisches Winterfest – trotz Nebel und Kälte

Kleine Scheidegg

Vier ausgezeichnete Bands, ein begeistertes Publikum in der ausverkauften SnowpenAir-Arena – 9000 Gäste brachte die Wengernalpbahn pünktlich auf die Kleine Scheidegg. Nur ein Gast fehlte: Die Sonne.

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Hinter einer Nebelwand hielt sie sich vornehm zurück. Ein schneller Blick auf den Infokanal, eine strahlende Morgensonne geht über dem Jungfraujoch auf, der Bildschirm in der Schalterhalle am Ostbahnhof bestätigt die gute Wetterprognose. Albert Grossniklaus – Zugführer bei der Berner-Oberland Bahn, weist die Gäste in zwei Richtungen, nach Lauterbrunnen in den vorderen Zugteil, nach Grindelwald in die zweite Zughälfte. Kein Stress, keine Hektik, wer keinen Sitzplatz findet, tröstet sich damit, beim Umsteigen in die Wengernalpbahn in der ersten Reihe zu stehen.

Der Zug in Grindelwald ist noch nicht angefahren und schon schenken sich ein paar Gäste aus dem Leukerbad flüssige Wallisersonne in die «Gläsini» ein. Seit bald zehn Jahren kommt eine Gruppe aus dem Dorf regelmässig ans SnowpenAir. Wer im Vorjahr, oder gar früher als Stars auf der Bühne stand, darüber sind sie sich nicht einig. Und auch in diesem Jahr spielt es für sie nicht die wichtigste Rolle. Gemeinsam wollen sie ein Winterfest mit guter Musik feiern, der Auftakt dazu scheint jedenfalls schon zu gelingen.

9000 Gäste werden erwartet, die Kleine Scheidegg steht bereit. Bis vor wenigen Tagen waren noch Tickets zu haben. Wird auch das sechzehnte SnowpenAir ausverkauft sein? «Dieses Jahr ging es etwas weniger einfach.» Liegt es am Programm oder gar am Preis? «Wir werden es analysieren. Doch jetzt freuen wir uns darüber, was wir zum zehnten Mal in Folge geschafft haben: Eine volle Arena, ein spannendes Programm», sagt Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen und seit sechzehn Jahren OK-Chef des SnowpenAirs. Was in kleinem Rahmen mit 2000 Gästen begann, hat sich zum grössten Event seiner Art in der Schweiz entwickelt.

Nebelschwaden verdecken die Sicht der Zaungäste

Rapper MC Juli aus Interlaken und die hungrigen, wilden Musiker seiner Gruppe wärmen das Publikum auf. Ihre ungestüme Lebensfreude wirkt ansteckend, trotz Nebelschwaden. Sie verdecken den Zaungästen, die sich weit oberhalb der Jungfraubahnlinie niedergelassen haben zeitweise die Sicht. Doch die immense Tontechnik trägt den Sound leicht vermindert bis zu ihnen. So können sie sich neben der Eintrittskarte auch noch die Ohrenstöpsel sparen.

«Es geht mir gut», singt Hanery Amman, und man spürt es vom ersten Ton an. Fünfzehn Jahre sind verstrichen, bis er sich auf der Kleinen Scheidegg ans Piano setzen konnte. Warum es so lange gedauert hat, ist heute müssig zu fragen. Die Arena ist voll, aus weiten Teilen der Schweiz sind Fans eigens wegen ihm und seiner Musik angereist. Sie kommen voll auf ihre Rechnung. Hanery – ohne ihn wäre die Erfolgsgeschichte des «Bärnerrocks» nicht möglich gewesen. Seine Songs, seine Balladen sind unsterblich und begeistern Generationen. «Ich schaue es als grosses Kompliment an, dass ich hier in der eindrücklichen Landschaft spielen kann», sagt Hanery Amman. Auch wenn sich weder die Sonne noch der Eiger zeigte, Hanery und seine musikalisch auf höchstem Niveau spielenden Musiker malen Bilder der eindrücklichen Landschaft: «Alperose chöme mier i Sinn...»

Die amerikanische Pop-Rock-Band OneRepublic schafft mit ihrer schnellen, härteren Klangart klare, aktuelle Akzente. Zu Beginn des Konzerts überzeugt die Band das Publikum mit Hits wie «Apologize». Später wird die Band jedoch ausgepfiffen: Sie versucht mit Coversongs ihre Spielzeit zu füllen und enttäuscht damit die Snowpenair-Fans.

Roxette zeigen Höchstleistung

Der Hauptact Roxette kann dieses Debakel aber ab dem ersten Ton wieder gerade biegen: Mit Klassikern wie «It Must Have Been Love», «The Look» oder «Sleeping In My Car» ziehen die Schweden das Publikum sofort in seinen Bann. Das Duo ist laut Medieninformation für diese Show extra in die Schweiz geflogen. Mit ihrer perfekt inszenierten Bühnenshow – eine Höchstleistung, wenn man bedenkt mit welchen gesundheitlichen Problemen Roxette zu kämpfen hatte – fasziniert sie das Publikum.

Urs Kessler, sechzehn Jahre Snowpenair und noch kein bisschen müde? «Warum auch, wir haben eine volle Arena und ein ausgewogenes Programm, gestaltet von Künstlern, Stars auf sehr hohem Niveau, das allen Gästen gefallen hat. Und unserem eingespielten Team – mittlerweile stehen 110 Personen im Einsatz – wird auch ein nächstes SnowpenAir gelingen», sagt Urs Kessler. Das Datum, der 5. April 2014 ist gesetzt, und drei von vier Gruppen sind schon fest gebucht. Über die Namen schweigt sich Urs Kessler beharrlich aus. Auch zum Wetter in einem Jahr wagt er keine Prognose abzugeben. Nur soviel: Heiter wird es bestimmt.

Für das 16. Snowpenair wurden rund 200 Tonnen Material mit der Wengernalpbahn auf die Kleine Scheidegg befördert. 2500 Meter Kabel wurden im Schnee verlegt. Das Budget des Snowpenairs betrug 1,4 Millionen Franken.

Berner Oberländer

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