5 Millionen weniger Schulden

Steffisburg

Im Jahr 2018 hat die Gemeinde einen Teil ihrer Schulden getilgt. Wegen kommender Grossprojekte werden sie aber auch wieder ansteigen.

Die Gemeinde Steffisburg hat 2018 ein Darlehen von 5 Millionen zurückbezahlt. Damit sinken die Bruttoschulden auf 10 Millionen Franken.

Die Gemeinde Steffisburg hat 2018 ein Darlehen von 5 Millionen zurückbezahlt. Damit sinken die Bruttoschulden auf 10 Millionen Franken.

(Bild: Samuel Schalch)

Ein Punkt war Finanzvorsteherin Ursulina Huder (SP) bei der Präsentation der Jahresrechnung 2018 besonders wichtig: «Der Geldfluss ist die zentrale Zahl. Es ist der Betrag, den die Gemeinde Steffisburg Ende Jahr noch im Portemonnaie hat.» Oder, in diesem Falle, nicht hat. Der Geldfluss schliesst in der Rechnung nämlich negativ ab, minus 1,5 Millionen Franken beträgt er (Vorjahr: plus 2,2 Millionen Franken).

Ursprünglich wurden bei der Geldflussrechnung aus betrieblicher Tätigkeit rund 4,8 Millionen Franken erwirtschaftet. «Jener Betrag kann investiert oder zur Tilgung von Schulden verwendet werden», sagte Huder. Das hat die Gemeinde im Jahr 2018 getan: Ein Darlehen von 5 Millionen Franken wurde zurückbezahlt, die Bruttoschulden sinken damit auf 10 Millionen Franken. Zudem flossen rund 3,9 Millionen Franken in Investitionen, wovon 3 Millionen durch einen Landverkauf auf dem Gschwendareal wieder gutgemacht wurden.

Der Ertragsüberschuss der Gemeinde – «Im Grunde nur eine technische Zahl», sagte Huder – beträgt 5,9 Millionen Franken im Gesamthaushalt. Budgetiert waren lediglich rund 950000 Franken. Diese starken Schwankungen können etwa je nach Anlagetätigkeit oder Entwicklung der Liegenschafts- und Aktienmärkte entstehen.

Weniger Steuereinnahmen

Die Steuer- bzw. Fiskalerträge waren im letzten Jahr zudem leicht rückläufig: Es resultiert ein Minus von 142000 Franken gegenüber dem Budget. «Einerseits ist die Zahl der Steuerzahlenden etwas zurückgegangen. Andererseits gab es eine halbe Million weniger Gewinnsteuern von Unternehmen», erklärte Huder. Und zeigte Zahlen der noch unbezahlten Steuerrechnungen der letzten Jahre: Aus den Jahren 2005 bis 2015 fehlen der Gemeinde nach wie vor Zahlungen in der Höhe von 188000 Franken. «Das ärgert mich sehr, denn diese Rechnungen sind rechtskräftig, werden aber einfach nicht bezahlt», sagte Ursulina Huder. Inklusive der Jahre 2016 bis 2018 liegt der Betrag der Steuerausstände bei ganzen 6,7 Millionen Franken.

Der Selbstfinanzierungsgrad der Gemeinde liegt aktuell bei 192 Prozent (Vorjahr: 283 Prozent). «Das ist viel zu hoch», sagte die Finanzvorsteherin. Liegt der Wert bei 100 Prozent, wird exakt so viel Geld investiert, wie zur Verfügung steht. Der hohe Prozentsatz zeigt: «Wir haben zu wenig investiert.» Insgesamt nämlich 3,4 Millionen Franken, das sind 1,7 Millionen Franken weniger als budgetiert.

Das liege in erster Linie an Verzögerungen oder zeitlichen Verschiebungen bei Projekten wie dem ESP Bahnhof – der Spatenstich für die Erschliessung des Areals ist kürzlich erfolgt (wir berichteten) – oder der Sanierung der Stockhornstrasse, die wegen zahlreicher Baustellen in der Stadt Thun nicht möglich war. Dennoch: «Schauen wir auf die letzten knapp 20 Jahre zurück, liegen wir mit durchschnittlichen Investitionen von rund 4,5 Millionen jährlich im guten Durchschnitt.»

In der laufenden Legislatur 2019–2024 «muss und wird etwas gehen», sagte die Finanzvorsteherin weiter. «Die gute finanzielle Lage, die wir nun haben, ist die Ausgangslage für die anstehenden Grossprojekte.» Dafür, so Huder, werde sich Steffisburg natürlich wieder stärker verschulden.

Ziele erreicht

Im Anschluss informierte Gemeindepräsident Jürg Marti (SVP) über die Legislaturschwerpunkte 2019–2024. Festgelegt wurden die folgenden drei: «Energie und Mobilität», «Menschen und Lebensraum» sowie «Arbeiten und Wohnen». Letzterer ist neu dazugekommen und ersetzt den von 2015–2018 verfolgten Schwerpunkt «Bodenpolitik und Wirtschaftsförderung».

Konkret möchte die Gemeinde etwa eine neue Fuss- und Veloverbindung von der Stadt Thun bis ins Flühliquartier und auf den Hartlisberg realisieren, die abseits der Hauptverkehrsachsen verläuft. Auch die Tangentialverbindung zwischen dem Steffisburger Dorfkern und dem Bereich Bahnhof bis nach Thun wird weiterverfolgt.

Die laufenden Grossprojekte wie die geplante Schul-, Kultur- und Sportanlage werden weiterverfolgt. «Um diese Projekte zu realisieren, sind wir auf unsere stabile finanzielle Position angewiesen», sagte Marti. Zudem lege die Gemeinde Steffisburg wert darauf, Strukturen zu schaffen, die es ermöglichen, nicht nur in der Region zu leben, sondern auch zu arbeiten.

Als Beispiel nannte Jürg Marti das Projekt Raum5: «Dort wird Co-Working ein zentrales Thema sein». Der Gemeinderat ziehe eine positive Bilanz zur vergangenen Legislatur, sagte Marti weiter. Von 25 Massnahmen wurden 18 erfüllt, bei sechs Massnahmen gab es kleinere Abweichungen. Nur eine wurde nicht umgesetzt.

Als Leuchttürme bezeichnete Marti unter anderem die Sanierung des Sportplatzes Eichfeld, den Umbau des Landhauses und die Einführung einer Spezialfinanzierung für Energieeffizienz, was Steffisburg «als einer der wenigen Gemeinden in der Region» gelungen sei.

Thuner Tagblatt

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