Habkern

Eine junge Frau stürzte in einer Höhle in den Tod

HabkernIn einer Höhle auf dem Gemeindegebiet von Habkern ist am 30. Dezember eine 30-jährige Frau tödlich verunfallt. Die Bergungsarbeiten unter Beizug speziell ausgebildeter Höhlenretter gestalteten sich aufwendig.

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Erst am Mittwochabend konnte der Leichnam geborgen werden.Die 30-jährige Frau war zusammen mit einem Begleiter am Samstag, 29. Dezember, in die Senklochhöhle unterhalb der Sieben Hengste auf dem Gemeindegebiet von Habkern eingestiegen. Die beiden erfahrenen Höhlenforscher aus der Region Bern wollten eine dreitägige Tour in dem sehr umfangreichen, langen und anforderungsreichen Höhlensystem durchführen, wie die Kantonspolizei Bern am Mittwoch am frühen Abend mitteilte. Die beiden erreichten schliesslich ihren Zielort, rund 1,4 Kilometer oder fünf Stunden Marsch vom Eingang entfernt.

40 Meter abgestürzt

Auf dem Rückweg zu ihrem Biwak stürzte die Frau um circa 21 Uhr bei einer Seiltraverse im Höhlenteil namens Dröhnlandschlot rund 40 Meter tief auf einen Zwischenboden ab. Ihrem 37-jähriger Begleiter gelang es nach mehreren Stunden die Frau über Umwege zu erreichen, er stellte aber keine Lebenszeichen mehr fest. Der Mann konnte schliesslich alleine aus der Höhle aussteigen und am Silvestertag über die Einsatzzentrale der Rega die Rettungskräfte alarmieren. Noch am Silvestertag wurde dann unter der Leitung der Speleo-Secours Suisse eine umfangreiche Bergungsaktion in die Wege geleitet. Diese gestaltete sich nicht zuletzt aufgrund der Entfernung von der Unfallstelle zum Höhleneingang schwierig. Die Frau war rund 200 bis 400 Meter unter der Erdoberfläche verunglückt.

Michael Fichter, Mediensprecher der Kantonspolizei, erklärte: «Es wurden Spezialfunkgeräte installiert, zudem mussten durch Spezialisten verschiedene Engstellen erweitert werden, weil diese für die Bahre zu eng sind. Die Schachtzone auf dem Weg zum Ausstieg musste gesichert und mit Flaschenzügen ausgestattet werden.» Gestern Abend teilten die Kantonspolizei und die Regionale Staatsanwaltschaft Oberland nach 21 Uhr den Medien zudem noch Folgendes mit: «Der Leichnam der Frau konnte am Mittwochabend um circa 20.20 Uhr geborgen werden.»

Kollegin verloren

Im Einsatz standen neben den Höhlenrettern der Speleo- Secours Suisse Mitglieder der Alpinen Rettung, Helikopter sowie das Careteam des Kantons Bern. Die Bergung der jungen Frau wurde durch den Berner Rolf Siegenthaler von Speleo-Secours Suisse geleitet. Bei der Verunglückten handelt es sich um eine Kollegin von ihm, mit der er die Leidenschaft der Höhlenforschung teilte. Gegenüber dieser Zeitung erklärte Siegenthaler: «Es ist ein grosses Schicksal, das da zugeschlagen hat.» Denn die Wetterbedingungen seien derzeit ideal für die Höhlenforschung. Der Eingang liege über der Schneegrenze, somit drohe kein plötzlicher Wassereinbruch. Die beiden Forscher seien dabei gewesen, neue Einrichtungen anzubringen, um das Höhlensystem besser erfassen zu können.

Ausruhen im Biwak

Rund 50 Personen von Speleo-Secours Suisse und fünf SAC-Bergretter aus Interlaken standen in den vergangenen drei Tagen fast rund um die Uhr im Einsatz. Als jedoch eindeutig feststand, dass es sich nicht um eine Rettung, sondern um eine Bergung handelte, wurden Pausen eingelegt. Rolf Siegenthaler: «Die Sicherheit der im Einsatz stehenden Männer und Frauen geht da erst recht vor.» Diese konnten sich in Biwaks, die fix im Höhlensystem eingerichtet sind, ausruhen. Auch nach der Bergung ist das Spezialteam im Einsatz: Es müssen mehrere Hilfsmittel wie auch eine Telefonleitung wieder aus der Höhle entfernt werden. (Berner Oberländer)

Erstellt: 03.01.2013, 06:29 Uhr

Das Höhlensystem

Das Höhlensystem Sieben Hengste-Hohgant, in dem sich der Unfall ereignete, liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Eriz, Beatenberg und Habkern. Es besteht aus verschiedenen zusammenhängenden Höhlen und ist nach dem Hölloch im schwyzerischen Muotatal das zweitlängste Höhlensystem der Schweiz. Die vermessene Länge beträgt 157 Kilometer, die Vertikalausdehnung 1340 Meter. Forscher suchen aktiv nach Verbindungen zu umliegenden Höhlen. Gelingen Zusammenschlüsse, könnte das Höhlensystem um viele Kilometer anwachsen und damit zur längsten Höhle der Schweiz und sogar Europas werden.

Höhlenunfälle erfordern den Einsatz von spezialisierten Rettern, die regelmässig auch in diesem System üben. Diese Aufgabe nimmt der Speleo-Secours Schweiz wahr, eine ehrenamtliche Organisation, die eng mit der Rega zusammenarbeitet. uf/sum

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