25 Jahre über dem Abgrund

Grindelwald

Heinz Inäbnit feiert sein 25-jähriges Jubiläum als Wart der wohl einsamsten und abgelegensten SAC-Hütte überhaupt: der Berglihütte. Und seine Ehrfurcht vor den Erbauern ist immer noch gross.

Die Berglihütte der SAC-Sektion Grindelwald auf 3299 Metern über Meer, am westlichen Rand des Eismeeres. Im Hintergrund rechts ist das Schreckhorn zu sehen.

Die Berglihütte der SAC-Sektion Grindelwald auf 3299 Metern über Meer, am westlichen Rand des Eismeeres. Im Hintergrund rechts ist das Schreckhorn zu sehen.

(Bild: Heinz Inäbnit)

Bruno Petroni

Er war gerade mal 22-jährig, als er die Geschicke der alten Berglihütte in seine Hände nahm: Heinz Inäbnit ist Hüttenwart der selten besuchten, weil ausgesprochen abgelegenen und ausgesetzten Berglihütte. «So um die 50 Übernachtungen pro Jahr, mehr sind es nicht. In früheren Jahren waren es bis zu viermal mehr», erinnert sich der 47-jährige Wilderswiler. So auch vor 20 Jahren, als er an einem Pfingstwochenende mal 35 Leute zu beherbergen hatte – und dies bei 22 Schlafplätzen: «Da schliefen die Gäste sogar auf den Küchentischen und am Boden.»

Hütte ohne Weg

Verleidet ist die Hütte dem Leiter Werkstätte der Jungfraubahnen auch nach einem Vierteljahrhundert noch lange nicht: «Für mich ist das Bergli immer wieder ein Zufluchtsort in absoluter Abgeschiedenheit; so richtig weit weg von jeglicher Zivilisation.» Zwei bis vier Mal im Jahr steigt er mit einem Kameraden zu «seiner» Hütte auf. «Es gibt immer etwas aufzuräumen, zu putzen, Brennholz zu rüsten und kleinere Reparaturen durchzuführen.» Länger als fünf Tage war Heinz Inäbnit aber noch nie im Bergli: «Das war kurz nach meiner Amtsübernahme, als wir die Hüttenfassade neu verschindelten.»

Kaum einer weiss, wo das Bergli überhaupt steht. Hüttenweg gibt es nämlich keinen, der Zustieg erfolgt über das Mönchsjoch und das Ewigschneefeld. Und so traute Heinz Inäbnit vor einigen Jahren seinen Augen kaum, als eines Tages ein einsamer Schotte von Grindelwald über das spaltenübersäte Eismeer zur Hütte aufstieg: «Er meinte nach seiner Ankunft nur trocken, ein Mann habe sieben Leben. Mit seiner riskanten Solotour hat dieser Schotte die Hälfte davon verbraucht.»

Einsam fühlt er sich dort nie

Als trauriges Ereignis ist dem Hüttenwart die Bergung eines zu Tode gestürzten Bergsteigers am Mittellegigrat in Erinnerung, den er von der Berglihütte aus beobachtet hatte. «Und ein schweres Sommergewitter, das die Hütte erschüttert, ist auch nicht gerade sehr entspannend.»

Einsam fühlte sich Heinz Inäbnit da oben noch nie, denn seit ihrer Erbauung vor 106 Jahren ist die Berglihütte von einer sechsköpfigen Kolonie Haustieren bevölkert: «Die ganz kleinen, etwa drei Zentimeter grossen Mäuse müssen damals wohl mit dem Stroh und anderem Material da hinaufgekommen sein», glaubt Inäbnit. Bei einer gemütlichen Runde im Kerzenlicht soll übrigens ein besonders vorwitziger Nager mal einem Hüttenbesucher durchs Hosenbein hochgekrabbelt sein, was für entsprechende Aufregung gesorgt habe. «Ich habs längst aufgegeben, sie zu jagen.»

Berner Oberländer

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