150 Kinder – und es werden immer mehr

Heimberg

Vor 10 Jahren wurde die Tagesschule Heimberg gegründet – mit Gegenwind. Heute ist sie fester Bestandteil des Dorfalltags.

An Spitzentagen essen 80 Kinder in der Tagesschule zu Mittag. Foto: PD

An Spitzentagen essen 80 Kinder in der Tagesschule zu Mittag. Foto: PD

Plötzlich ging es schnell: Im Dezember 2008 sagten Heimbergs Stimmberechtigte Ja zu einer Tagesschule im Dorf – wenig später, im August 2009, öffnete diese in der ehemaligen Abwartswohnung des Primarschulhauses Untere Au ihre Türen. 30 Kinder nutzten das Heimberger Angebot zu Beginn, pro Woche gingen rund 50 Menüs über die Theke.

Heute, 10 Jahre später, sind fünfmal so viele junge Gäste in der Tagesschule angemeldet: 150 Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren sind zu unterschiedlichen Zeiten vor Ort und treffen sich zum Frühstück oder zum Mittagessen, zur Hausaufgabenhilfe oder zu Freizeitaktivitäten. Serviert werden pro Woche um die 330 Menüs, 16 Mitarbeitende sind eingespannt.

Das Bedürfnis besteht

Der Aufbau dieses Angebots war nicht nur einfach. «Zu Beginn zweifelten die Verantwortlichen der Gemeinde, ob eine Tagesschule überhaupt notwendig ist und genutzt würde», sagt Verena Röthlisberger, Leiterin der Tagesschule und Präsidentin des Vereins Berner Tagesschulen. Das sei eine beispielhafte Reaktion vieler kleinerer Gemeinden im Kanton: «In den Städten gibt es Tagesschulen seit 30 Jahren oder mehr. Auf dem Land waren sie vor 10 Jahren eine komplette Neuheit.» Eine Umfrage unter den Heimberger Eltern zeigte im Sommer 2008 aber deutlich, dass ein Bedürfnis nach einer Tagesschule besteht.

Trotz anfänglicher Skepsis habe das Projekt schliesslich Unterstützung von den Behörden erhalten. Die Tagesschule durfte in die ehemalige Abwartswohnung des Schulhauses Untere Au einziehen. Im Sommer 2010 bestimmte der Kanton schliesslich, dass alle Gemeinden, in denen Bedarf vonseiten der Einwohner besteht, zwingend Tagesschulen anbieten müssen.

Die Kosten für die Institution teilen Kanton, Gemeinde und Eltern unter sich auf. In Heimberg beliefen sie sich im letzten Schuljahr auf 686500 Franken, knapp die Hälfte davon bezahlt der Kanton. Die Höhe der Beiträge, die eine Familie zu leisten hat, wird kantonal einheitlich nach Einkommen und Familiengrösse berechnet; alle Eltern sollen sich das Angebot leisten können. Die Stundenansätze betragen zwischen 77 Rappen und 12.15 Franken.

Es wird selbst gekocht

Zu Beginn bestand das Angebot in Heimberg nur an drei Tagen die Woche: Montag, Dienstag und Donnerstag. «Wir haben uns bemüht, das Angebot raschmöglichst auf fünf Tage die Woche auszudehnen, damit sich berufstätige Eltern auch wirklich darauf verlassen und die Kinderbetreuung zuverlässig organisieren können», sagt Röthlisberger.

Dies gelang – jährlich stieg die Zahl betreuter Kinder, mehr Personal wurde eingestellt. Die Eltern wünschten sich bis heute ein noch umfassenderes Angebot, etwa eine Ferienbetreuung, sagt Röthlisberger. Die positiven Rückmeldungen von Eltern und Angestellten freuen sie besonders. «Alle unsere Betreuungspersonen identifizieren sich stark mit unserem Betrieb.»

Bald schon stellte die Leiterin fest, dass der Platz knapp wurde. Zusätzliche Räume, die die Tagesschule benutzen durfte, fehlten den Lehrpersonen für ihren Unterricht. Eine neue Lösung musste her. Vor 4 Jahren, im August 2015, wurde bei der Primarschule Untere Au der neue östliche Erweiterungsbau eingeweiht – darin befindet sich seither auch die Tagesschule. «Die Räumlichkeiten sind sehr grosszügig», freut sich Röthlisberger. Neu dazu kam im Anbau eine grosse Küche. Das Mittagessen für die Tagesschule, das zuvor vom Sportzentrum CIS in Heimberg geliefert wurde, wird nun selbst gekocht – und die Kinder entwickeln ein Verständnis für gesunde Ernährung.

Zu Spitzenzeiten wirds eng

«In den Mittagsstunden am Montag, am Dienstag und am Donnerstag stossen wir weiterhin an unsere Kapazitätsgrenzen», sagt Röthlisberger. Nicht mangelnder Platz sei das Problem, vielmehr gehe es laut und auch mal chaotisch zu und her, wenn 80 Kinder gleichzeitig zu Mittag essen wollten – auch wenn sie dabei in mehrere Gruppen unterteilt sind. «Mit 100 Kindern könnten wir das wohl nicht mehr durchführen», sagt die Leiterin. Dennoch: Akuten Handlungsbedarf sehe sie nicht.

«Aktuell nehmen etwa 22 Prozent aller Heimberger Schulkinder das Angebot in Anspruch. Ich kann mir vorstellen, dass die Nutzung sich auf diesem Level einpendelt.» Mit Sicherheit sagen ­könne sie das jedoch nicht. «Die Entwicklung im letzten Jahrzehnt spricht für sich, heute können sich viele Familien den Alltag ohne Tagesschule nicht mehr vorstellen. Wie sich die Lage diesbezüglich in den nächsten 10 Jahren entwickelt, ist offen.»

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