Thun

100 Geschenke für einen Defibrillator

ThunWas tun mit unerwünschten Weihnachtsgeschenken? Am ersten «Markt der langen Gesichter» im Thuner Rathaus versteigerten zwei Auktionatoren vor 200 Interessierten die Gaben für einen guten Zweck.

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Die ganze Breite der ehemaligen Markthalle im Thuner Rathaus füllt der Tisch aus, auf dem sich 100 Geschenke stapeln. Kaffeemaschine, Schokosamichlaus und Zimmerli-Unterhemd. Alle sind sie ungeliebt von den Beschenkten, weshalb sie am ersten «Markt der langen Gesichter» unter die Auktionsglocke gelangen.

Genauso gestopft wie der Gabentisch ist der Zuschauerraum. Jeder Stuhl ist besetzt, die nachgelieferten Sitzgelegenheiten sind sofort erobert. Wer stehen muss, quetscht sich an die Wände. Und hofft auf genügend Platz, um die Hand für ein allfälliges Gebot hochschellen lassen zu können.

Seinen finanziellen Spielraum ausreizen will in der ersten Runde aber niemand. Ein rot-weisser Sion-2026-Schal für 15 Franken – die Hände bleiben unten. Da entdeckt Auktionator Peter Salvisberg im Publikum sein Jugendidol, die Radio­legende Hans Estermann. Ihm ersteigert Salvisberg den Schal, womit er ein Anfangsdebakel knapp verhindert. Überwunden sind die Startschwierigkeiten aber noch nicht. Auch der 3,9 Kilogramm schwere Samichlaus aus Schokolade, Kaufpreis 199 Franken, findet keine Bietenden bei einem Startpreis von 140 Franken.

Heinrich Gartentor, der zweite Auktionator, ändert darum die Spielregeln. Entgegen dem Gesetz von gängigen Versteigerungen, den Preis mit jedem Gebot zu erhöhen, senkt der Künstler laufend den zu zahlenden Geldbetrag. Wer sich als Erster meldet, erhält den Gegenstand. Im Falle des Schoggichlaus ertönt die erste Stimme aus dem Publikum bei 95 Franken.

Mit fortgeschrittener Dauer taut das Publikum auf und interveniert bei aus seiner Sicht überrissenen Startpreisen. 50 Franken für eine Kaffeemaschine? «Nein, das ist viel zu viel!», tönt es aus verschiedenen Reihen. Eine Besucherin ergänzt, dass ihre Cousine mit genau diesem Modell unzufrieden sei. Salvisberg und Gartentor lassen mit sich verhandeln, werten das Gerät mit 6 Flaschen Wein aus Süditalien auf. 60 Franken sind die Getränke einem Mann wert, auf die Kaffeemaschine als Zückerchen verzichtet er.

So rar die Gebote sind, nicht immer ist klar, wer beim Glockenklang das höchste abgegeben hat. Birgit Sinn aus Thun will einen Überraschungsgutschein ergattern, hebt bei 110 Franken als letzte Person die Hand. Oder doch nicht? «Ein Mann gab zur gleichen Zeit wie ich das gleiche Gebot ab. Ich muss jetzt rausfinden, wer gewonnen hat». Ihr Pausenprogramm hat Sinn also gefunden. Ebenso die Journalisten von SRF, «Blick» und «Nau». An den Stehtischen im Foyer des Rathauses, neben dem Hotdog-Stand, umschwärmen sie die erfolgreichen Bieter.

Einer von ihnen ist Marcel Baumgartner aus Bönigen. Mit einem Dali-Kunstdruck und einem Bildband über Mazedonien unter dem Arm freut er sich über das Medieninteresse: «Damit werden viele Leute auf den Verein Firstresponder.be aufmerksam.» Der Verein bildet ein Netzwerk von Privatpersonen, die bei Herznotfällen vor dem Eintreffen der Ambulanz Ersthilfe leisten und somit Leben retten.

Zusammen mit der Abteilung Stadtmarketing und Kommunikation der Stadt Thun organisiert der Verein den Markt und erhält mehr als die Hälfte des Auktionserlöses. 2500 Franken sind es am Schluss, womit der Verein einen Defibrillator kaufen will, der in der Stadt Thun montiert wird.

Geht es nach Barbara Franzen Roth, Leiterin Abteilung Stadtmarketing und Kommunikation, geht der Markt im nächsten Jahr in eine zweite Runde: «Es hat Spass gemacht, und der Erlös ist grossartig.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 28.12.2017, 21:07 Uhr

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