15 Monate für Spiezer

Thun/Spiez

Ein junger Täter aus Spiez wird zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Dieses Verdikt fällte das Gericht gestern in Thun. Eine bedingte Strafe ist wegen der vielen Vorstrafen nicht möglich, der Mann bleibt im Gefängnis.

Der Verurteilte muss für 15 Monate hinter Gitter (Symbolbild).

Der Verurteilte muss für 15 Monate hinter Gitter (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Am Mittwoch, nach der Befragung des knapp 20-jährigen Angeschuldigten und der Zeugen und Auskunftspersonen war nicht klar, wie sich der Raub im August 2015 in Spiez wirklich zugetragen hatte. Auch bezüglich des Raufhandels war noch vieles unklar. Zu viele Widersprüche waren zu erkennen.

Staatsanwalt und Verteidigung interpretierten diese am Donnerstag völlig verschieden, und so stellten sie auch unterschiedliche Anträge zum Strafmass. Die übrigen Vorwürfe, die dem Angeschuldigten gemacht wurden, waren hingegen unbestritten.

«Es waren zwei Täter»

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass das Opfer des Raubes die Geschichte nicht erfunden und diese auch glaubwürdig und immer gleich erzählt hat. Dann haben aber die andern gelogen.

Warum, fragte sich der Staatsanwalt: Weil sie sich als gute Freunde gegenseitig schützen wollten. Darum ist für ihn klar, es waren zwei Täter, und es war auch ein Messer im Spiel. Deshalb muss der angeschuldigte Kosovare wegen Raub verurteilt werden.

Beim Angriff oder Raufhandel ging der Staatsanwalt davon aus, dass der Angegriffene nur abgewehrt habe und nicht selber aktiv Schläge austeilte. Deshalb sei es ein Angriff, was eine höhere Strafe zur Folge hat als Raufhandel, wo sich die Beteiligten gegenseitig mit Schlägen eindecken.

Über alles gesehen forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 30 Monate für den Spiezer. Die Höhe der Strafe rechtfertige sich auch, weil der Täter bereits mehrfach einschlägig vorbestraft sei und aus den Verurteilungen durch das Jugendgericht nichts gelernt habe, so der Staatsanwalt.

Genug Widersprüche

«Er hat es allein gemacht», sagte hingegen der Verteidiger. Er fand in den Aussagen des Opfers des Raubes genug Widersprüche, um dies zu belegen. Auch ging er von einem Raufhandel aus, denn die Beleidigungen, die Täter und Opfer vor der Schlägerei austauschten, gehörten auch zum Vorfall, und da sei das spätere Opfer auch aggressiv gewesen. Auch während der Schlägerei habe es sich aktiv gewehrt, selber zugeschlagen und sich nicht bloss verteidigt.

Zusammengefasst erachtete der Verteidiger eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten als angemessen. Dies auch deshalb, weil der Kosovare geständig sei und kooperiert habe. Er habe auch Pläne für die Zukunft gemacht. Er wolle von den Drogen und vom Alkohol wegkommen, Arbeit suchen und dabei Hilfe annehmen. Leider kommt es nun allerdings nicht dazu, denn vor kurzem hat der Angeschuldigte den Bescheid erhalten, dass er ausgewiesen werde.

Die Wahrheit gesucht

Das Regionalgericht in Dreier­besetzung prüfte deshalb die Aussagen der Beteiligten sehr genau, um zu wissen, was wirklich geschehen war beim Raub am Bahnhof Spiez und beim Raufhandel in Münsingen.

Das Regionalgericht sah keinen Grund, warum das Opfer des Raubes die andern falsch oder übermässig belasten wollte. Die Geschichte muss sich so zugetragen haben , wie es das Opfer schildert und es muss einen zweiten Täter gegeben haben. Anders sind weder die Verletzungen noch das zerrissene T-Shirt zu ­erklären. Der zweite Täter ist bekannt. Er ist erst 17-jährig und muss sich vor dem Jugendgericht verantworten.

Was den Raufhandel angeht, so beurteilte das Gericht die Situation gleich wie der Verteidiger. Die Vorgeschichte mit den verbalen Beleidigungen gehört ebenfalls dazu, und da schenkten sich die Parteien nichts. Dass schliesslich beim Raufhandel vier gegen einen standen, führe zu einer Erhöhung des Strafmasses, erklärte die Gerichtspräsidentin.

Unbestritten seien der Diebstahl im Zug von Thun nach Wimmis, der Besitz eines Schmetterlingsmessers, die Beschimpfung zweier Polizeibeamter im Dienst, das Zugfahren ohne Billett und die Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

15 Monate Gefängnis

Das Regionalgericht verurteilte den Spiezer gestern zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Die 275 Tage Untersuchungshaft werden ihm an die Strafe angerechnet. Weil Fluchtgefahr besteht, bleibt der Mann in Sicherheitshaft.

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