Zweitwohnungsinitiative wirkt sich bereits aus

Die Zweitwohnungsinitiative beschert den Gemeinden im Oberland bereits deutlich mehr Arbeit. In Saanen und Grindelwald wird eine Flut an Baugesuchen festgestellt.

Bauboom: Wie hier am Birkheimweg, der  in ??Schönried ist, werden derzeit mehr Bauprofile aufgestellt als in anderen Jahren. Denn der Wohnungsbau boomt im Oberland.

Bauboom: Wie hier am Birkheimweg, der in ??Schönried ist, werden derzeit mehr Bauprofile aufgestellt als in anderen Jahren. Denn der Wohnungsbau boomt im Oberland.

(Bild: Urs Bach)

Am Mittwoch hat der Bundesrat bekannt gegeben, wie die Zweitwohnungsinitiative umgesetzt werden soll. Fakt ist: Ab dem 1.Januar 2013 darf in keiner Gemeinde eine neue Zweitwohnung gebaut werden, die bereits mehr als 20 Prozent solcher Unterkünfte hat. Es sei denn, es komme eine Sonderregelung zum Tragen, die der Bundesrat bewilligte (siehe Kasten). Die Annahme dieser Initiative wirkte sich bereits beträchtlich auf die Ferienregion Berner Oberland aus.

«Wir haben etwa viermal so viele Baugesuche erhalten wie sonst in dieser Zeitspanne», sagt Emanuel Schläppi, Gemeindepräsident von Grindelwald. Seit der Annahme der Zweitwohnungsinitiative seien rund 60 Baugesuche eingereicht worden. Auch Saanen meldete unlängst, dass seit dem 11.März mehr Baugesuche gestellt wurden als sonst in dieser Zeitspanne (wir berichteten). Die Gemeinde rief dazu auf, möglichst einwandfreie und vollständige Gesuchsunterlagen einzureichen, sodass der Verfahrensaufwand so gering wie möglich gehalten und die Gesuche möglichst rasch bewilligt werden könnten.

Emanuel Schläppi erklärt die Handhabung von Grindelwald: «Wir behandeln die Gesuche wie bisher. Weil fast alle die Bausumme von einer Million Franken übersteigen, senden wir diese an das Regierungsstatthalteramt weiter und bewilligen sie nicht selber.» Der Gemeindepräsident von Grindelwald bedauert «die Hauruckübung, die sich durch die Initiative ergibt». Grössere Projekte, die noch in Planung seien, würden in seiner Gemeinde allerdings nicht verhindert. Grindelwald verfüge kaum mehr über grosse Bauflächen, und die Überbauungen, die demnächst erstellt würden, «sind vorher bewilligt worden». Einen Bedarf, die Initiative so strikt umzusetzen, wie das die Initianten möchten, sieht Emanuel Schläppi für seine Gemeinde nicht: «Wir haben bereits den Ewap, der funktioniert gut.» Deshalb hofft er, dass die bestehenden Bauzonen nach altem Recht genutzt werden können und die Besitzer keine Wertverminderung erleiden.

Hasliberg: Knacknuss Reka-Zentrum

Lenk (65 Prozent) und Hasliberg (62) sind die Gemeinden aus dem Berner Oberland mit dem höchsten Anteil an Zweitwohnungen. Menk Blatter, Gemeindeschreiber von Hasliberg, weiss auch warum: «Wir haben beide ein Reka-Zentrum. Diese Unterkünfte gelten bisher als Zweitwohnungen, obwohl sie bewirtschaftet und äussert gut belegt sind.» Hasliberg habe 1300 Einwohner und 60 Reka-Wohnungen. Viele der anderen Ferienwohnungen würden sich zudem in Häusern befinden, in denen Einheimische lebten. «Für sie sind die Einnahmen durch die Ferienlogis sehr wichtig, für viele sind sie sogar existenziell und haben dazu geführt, dass sich Einheimische auf dem Hasliberg ein Haus leisten können.» Dieses Anliegen hat der Bundesrat nun berücksichtigt.

In seiner Gemeinde seien nicht mehr Baugesuche eingetroffen als sonst, es sei keine Zweitwohnung dabei. «Es kamen aber deutlich mehr Anfragen an die Bauverwaltung», weiss Blatter. Hasliberg behandelt die Anträge wie bisher, bewilligt diese aber nur unter der Auflage der Initiative, falls sie nicht wie in Grindelwald beim Regierungsstatthalteramt landen, weil die Summe eine Million Franken übersteigt. Ein Projekt, das den Zweitwohnungsanteil betreffen könnte, ist das Resort Wasserwendi. Das gleichnamige Ferienheim soll für 35 Millionen Franken um- und ausgebaut sowie um mehrere Chalets erweitert werden (wir haben berichtet). Das entsprechende Gesuch wird demnächst eingereicht.

Lenk: Auf «gesunden Spielraum» hoffen

Christian von Känel, Gemeinderatspräsident von Lenk (SVP), erklärt, bisher sei keine Flut an Baugesuchen eingetroffen, «nur etwas mehr als sonst». An der Lenk zeichne sich auch kein grösseres Projekt ab, das durch die Neuerung verhindert werden könnte. Christian von Känel hofft, dass die Umsetzung der Initiative «eine Verordnung ist, die sich gut kontrollieren und den Berggebieten einen gesunden Spielraum lässt».

Kandersteg: Eine Zwickmühle

Das ist auch das Anliegen der Gemeinderatspräsidentin von Kandersteg, Barbara Jost-Schrepfer (parteilos). Ihr ist klar: «Die Umsetzung bedeutet einen riesigen Mehraufwand, der sich auch finanziell auf das Budget der Gemeinden auswirken wird.» Kandersteg hat einen Zweitwohnungsanteil von 51 Prozent und liegt damit in der Mitte der Oberländer Gemeinden. Speziell ist allerdings, dass diese Gemeinde die Initiative mit 51 Prozent angenommen hat. Wofür setzt sich die «Gemeindemutter» nun ein, die in der Taskforce des Kantons zur Umsetzung der Initiative ist? Barbara Jost-Schrepfer: «Ich hoffe, dass Altrechtliches Bestand hat und es zu keinen Wertverminderungen kommt. Gleichzeitig muss der Volkswille respektiert und die Anzahl der Zweitwohnungen beschränkt werden.»?Auch Kandersteg verzeichnete einen Anstieg von Baugesuchen. «Von Flut möchte ich allerdings nicht reden», sagt die Gemeinderatspräsidentin.

Lauterbrunnen: Im normalen Beriech

Lauterbrunnen liegt mit einem Zweitwohnungsanteil von 59,5 Prozent im Oberland an dritter Stelle. Sie war eine der ersten Gemeinden, die sich entschieden, die Baugesuche wie bisher zu bearbeiten, diese allerdings nur unter dem Vorbehalt der Änderungen durch die Initiative zu bewilligen. Christian Abbühl, Sachbearbeiter Baupolizei Lauterbrunnen: «Die Anzahl der Gesuche beläuft sich im normalen Rahmen. Wir wissen von keinem Projekt, das nun durch die Initiative ins Stocken geraten wäre.»

Adelboden: Ruhe bewahren

Adelboden (50 Prozent) ist dem Beispiel von Lauterbrunnen gefolgt. Gemeinderatspräsident Stephan Lauber-Künzi (parteilos) lässt sich wegen der Wirrungen rund um den Zweitwohnungsbau nicht aus der Ruhe bringen: Adelboden habe punkto Bauen nicht überbordet und keine «Grindelwalder Verhältnisse», betont Lauber-Künzi. Allerdings würden derzeit mehr Baugesuche eintreffen «wegen Schlaumeiern, die denken, sie könnten das jetzt noch schnell regeln». Ein grosses Projekt zeichne sich aber nicht ab, sagt der Gemeinderatspräsident. «Unseren Lottosechser haben wir schon: das Alpenbad. Und die Baugeschäfte arbeiten zu 80 Prozent ausserhalb von Adelboden, die werden das mit der Zweitwohnungsinitiative nicht spüren.»

Berner Oberländer

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