Zwei Urnen pro 100 Quadratmeter

In Beatenberg darf nun auch im Wald Asche von Verstorbenen verstreut werden.

Die sterblichen Überreste eines Menschen werden zum Sinnbild für Wachstum und Fortbestehen des Lebens zumeist beim Wurzelwerk eines Baumes verstreut – sind aber zum Teil auch mit Schwermetallen belastet. So wie in dieser nachgestellten Szene könnte eine Waldbestattung aussehen.

Die sterblichen Überreste eines Menschen werden zum Sinnbild für Wachstum und Fortbestehen des Lebens zumeist beim Wurzelwerk eines Baumes verstreut – sind aber zum Teil auch mit Schwermetallen belastet. So wie in dieser nachgestellten Szene könnte eine Waldbestattung aussehen.

(Bild: Fritz Lehmann)

«Oase der Ewigkeit»: Als Dietmar Kapelle den Standort Beatenberg für seine Naturbestattungen auswählte, ahnte er sicher nicht, wie treffend dieser Firmenname sein würde. Auch das Gesuch um eine Betriebsbewilligung entwickelte sich nämlich zu einem Verfahren, das seit einer gefühlten Ewigkeit lief. Bis jetzt, denn nun liegt die Bewilligung vor. «Herr Kapelle kann ab sofort verstreuen», bestätigt Gemeindepräsident Christian Grossniklaus etwas salopp, aber sehr zufrieden mit dem Ausgang des jahrelangen Verfahrens.

Grossniklaus, der auch die Steuereinnahmen für die Gemeinde aufgrund des Firmensitzes in Beatenberg im Blick hatte, gehörte stets zu den Befürwortern von Kapelles Initiative, während in der Bevölkerung Skepsis und Ablehnung überwogen (siehe Kasten zur Vorgeschichte). Nach mehr als vier Jahren ist das zwischenzeitlich revidierte Bewilligungsverfahren jedoch zugunsten Kapelles abgeschlossen.

Wiesenbestattungen laufen

Der deutsche Unternehmer kann damit seine Waldbestattungen auch in Beatenberg anbieten, Wiesenbestattungen werden ohnehin bereits seit circa zwei Jahren auf einem benachbarten Grundstück durchgeführt, das die Oase der Ewigkeit erst gepachtet und später gekauft hat. Diese seien auch nicht bewilligungspflichtig, wie Reto Sauter vom Kantonalen Amt für Wald (Kawa) sagt.

Warum ist das aber beim Verstreuen der Asche im Wald anders? Sauter: Waldboden dürfe grundsätzlich nicht gedüngt oder in einer anderen Form belastet werden. Doch beim Verstreuen menschlicher Überreste seien insbesondere die darin enthaltenen Schwermetalle ein Problem. Diese entstünden zum Beispiel als Ablagerungen durch die langjährige Einnahme von Medikamenten oder durch das Verbrennen künstlicher Gelenke und Gebisse.

Materialproben «schwierig»

Also habe das Kawa Grenzwerte aufgrund der Bodenbelastung festlegen müssen. Doch das war nicht so einfach. «Es existiert keine wissenschaftliche Erhebung in dieser Sache. Zudem wollte und konnte uns keiner genaue Angaben liefern», berichtet Reto Sauter. Auch eine Materialprobe sei in diesem Fall rechtlich problematisch gewesen.

Also habe man die Daten aus verschiedenen Einzeluntersuchungen zusammengesucht und folgende Höchstwerte punkto Anzahl der Bestattungen festgelegt, die den unterschiedlichen Bodentypen des Waldes gerecht werden: «Es dürfen maximal zwei menschliche Aschen pro 100 Quadratmeter in einem Zeitraum von zehn Jahren verstreut werden.»

Das sei die wohl einschneidendste Einschränkung, die das Amt der Oase der Ewigkeit vorgibt. Andere waren bereits mit der ersten Betriebsbewilligung festgelegt worden. So darf kein Begehungsweg angelegt werden, dürfen keine Bestattungsfeiern im Wald stattfinden und keine baulichen Massnahmen wie das Aufstellen von Grabsteinen durchgeführt werden. Es ist lediglich erlaubt, kleine Erinnerungstafeln mit einer Grösse von maximal 10 mal 10 Zentimetern am Bestattungsort anzubringen.

In Zukunft ähnliche Auflagen

Das Kawa hat sich beim Festlegen dieser Regeln für Waldbestattungen auch deshalb so viel Zeit gelassen, «um in Zukunft bei ähnlichen Gesuchen an ähnlichen Standorten ähnliche Bedingungen fordern zu können», so Sauter. Diese würden zwar nicht rückwirkend auf bereits bestehende Anlagen angewendet, kämen jedoch bei Bewilligungsverlängerungen zur Anwendung – und bei Erstgesuchen, die in den vergangenen drei Jahren zurückgestellt worden seien.

«Wir haben den Interessenten seit dem Fall in Beatenberg mitgeteilt, dass wir erst wieder Bewilligungen erteilen, wenn wir eine Basis dafür geschaffen haben», berichtet Reto Sauter. So gebe es aktuell nach wie vor acht Anlagen im Kanton Bern, in denen bewilligt Waldbestattungen durchgeführt würden. Hinzu käme etwa die gleiche Anzahl an Anlagen ohne offizielle Bewilligung. «Die betreiben ihre Bestattungen allerdings sehr eingeschränkt, beispielsweise nur für Burger der Gemeinde, die sich im Burgerwald verstreuen lassen können.»

Berner Oberländer

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