Wohin führt der Spitalstreit?

Gstaad

Fast zwei Stunden lang wurden der Bevölkerung am Freitagabend in Gstaad politische, finanzielle, ärztliche und betriebliche Aspekte des Spitalstandorts Saanenmöser erläutert. Dann wurde bis spätnachts heftig debattiert.

Zwischen Saanenmöser und Zweisimmen liegen nur wenige Kilometer Strasse und ein grosser Streit um den künftigen Spitalstandort Saanenmöser.

Zwischen Saanenmöser und Zweisimmen liegen nur wenige Kilometer Strasse und ein grosser Streit um den künftigen Spitalstandort Saanenmöser.

(Bild: Ruth Oerli)

Es war am Freitag weit nach 23 Uhr, als der Gstaader Heinz Brand nach eineinhalbstündiger kontroverser Diskussion zum Spitalstandort Saanenmöser das letzte Votum abgab. «Das Obersimmental will den Spitalstandort Saanenmöser nicht akzeptieren, und nun streitet man sich auch innerhalb von Saanenmöser um den richtigen Platz. Wir sind wegen ‹alter Leichen›, Wahlkampf und sonstiger Abrechnungen zu einem gemeinsamen Projekt nicht fähig!», rief er in die Gstaader Tennishalle. Hier hatten sich auf Einladung des Saaner Gemeinderates 500 Leute aus dem Obersimmental und dem Saanenland zur Information über den Spitalstandort Saanenmöser versammelt. «Das Resultat der Streitereien sind wohl zwei Gesundheitszentren – und kein Akutspital mehr.»

Von sieben zu einem Spital

Brand wies auf die welsche Nachbarschaft hin, wo sich im Unterwallis und im Waadtland sieben kleine Spitäler auf einen einzigen Neubau einigten. «Dort läuft ein Architekturwettbewerb. Aber wir hier, in den zwei kleinen Tälern, wir sind nicht zu einem gemeinsamen Projekt fähig! Wir sind in der Verantwortung. Stehen wir zusammen!», rief er engagiert zur Einigung auf. Zuvor hatten drei Voten in dieselbe Richtung gezielt. «Die Situation ist ernst. Es gibt ein oder kein Spital für unsere Region. Beenden wir das gegenseitige Bekämpfen», sagte etwa der ehemalige SVP-Gemeinderat Willi Bach. Eine Gstaaderin mahnte, «die Eigeninteressen zurückzunehmen, denn es geht um ein Spital für uns».

Ein gutes Dutzend Leute, vorwiegend aus dem Obersimmental und Saanenmöser, kritisierten den von der Spitalgruppe STS AG gewählten Spitalstandort Saanenmöser harsch. Der Abend sei eine «Machtdemonstration der Gemeinde Saanen» und eine «Werbedemonstration für Saanenmöser», meinte ein Oberwiler. Unterstützt wurde er von einem Zweisimmner. Dieser und mehrere andere kritisierten zudem, man rede nur von den Standortvorteilen von Saanenmöser und klammere Zweisimmen als Standort aus. «Zweisimmen ist realistisch, und nicht Saanenmöser», so die Aussagen.

FDP-Grossrat Hans-Jörg Pfister zeigte sich «schockiert», dass das Land in Saanenmöser «nicht gesichert» sei, und er bekannte: «Auch ich wusste damals nicht, was der Grosse Rat beschloss. Wir waren überfordert.» Diese Aussage bezog sich auf die Informationen von Grossratskollegin Bethli Küng. Sie hatte zur kantonalen Spitalpolitik referiert. Dabei hatte sie betont, die kantonale Versorgungsplanung sei wenige Tage nach Bekanntgabe des STS-Beschlusses für den Neubau Saanenmöser mit 140 Stimmen «einstimmig und ohne Opposition aus dem Obersimmental» im Grossen Rat angenommen worden, so Küng.

Kritik aus Saanenmöser

Doch Kritik am Spitalstandort Saanenmöser kam auch aus der Bäuert selbst. Mehrere Wortmeldungen zeigten, dass man sich in Saanenmöser uneinig ist. «Alle Fachstellen wurden befragt, nur nicht die Mösner selber.» – «Alles leere Versprechen, wir sind praktisch am Nullpunkt.» – «Von drei betroffenen Landbesitzern hat nur einer unterschrieben.» Dieser Aussage widersprach Gemeinderat Heinz Brand und präzisierte, bei den fehlenden Unterschriften gehe es um die Terrainerschliessung.

Drohung Bundesgericht

Worauf von Saanenmösner Seite bekräftigt wurde, man werde «bis vor Bundesgericht» gegen einen Standort in Saanenmöser ankämpfen. Dieser Prozess könnte gemäss Michael Teuscher, Regierungsstatthalter und Moderator des Abends, «mehrere Jahre» dauern. Eine Frau aus Saanenmöser erinnerte daran, dass hinter dem Parkplatz der Saanerslochbahn Terrain zur Verfügung stehe – gegen den Abtausch mit einer gemeindeeigenen Alp. Dieser Forderung hielt der Saaner Gemeindepräsident Aldo Kropf entgegen, dass die Gemeindeversammlung Saanen sich vor zehn Jahren gegen jeden Verkauf von Alpen ausgesprochen habe.

Berner Oberländer

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