Wie Stadt und Kanton Ausländerinnen und Ausländer integrieren

Thun

Im Kompetenzzentrum für Integration in Thun werden viele Aktivitäten geboten und im Auftrag des Kantons Integrationsgespräche geführt.

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An den Wänden hängen bunte, selbst gemalte Bilder, der Raum ist aufgeräumt und mit viel Liebe dekoriert. Konzentriert und etwas angespannt sitzen am grossen Tisch sieben Frauen und ein Mann. Sie sind Migrantinnen und Migranten aus Sri Lanka, aus dem Kosovo, aus Somalia, der Dominikanischen Republik und aus der Türkei.

Vor ihnen liegen breit verstreut Notizhefte, Unterrichtsbücher und Stifte in allen Farben. Genau so, wie es in jeder Schulstunde in irgendeiner Schule sein könnte. Die Frauen und der Mann studieren ihre Aufgaben, vergleichen bei der Nachbarin die Lösungen und fragen ihre Lehrerin immer wieder um Hilfe. «Ja, der Apfel ist maskulin», erklärt ihnen Regine Gafner aus Spiez geduldig, «genau, Computer schreibt sich mit C, und ja, Tasche mit einem starken T.»

Die Klasse im Kompetenzzentrum für Integration in Thun (KIO) ist ein Angebot von Heks, dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz. Die Migrantinnen und Migranten werden einem solchen Intensiv-Basisdeutschkurs meistens via Sozialdienst zugeteilt. Heks setzt 2015 im Regionalprogramm Bern 4,6 Millionen Franken für die Chancengleichheit aller Menschen unabhängig von Kultur, Religion, Status oder Geschlecht ein.

Gemeinden immer wichtiger

Der Heks-Kurs ist eines von zahlreichen Angeboten im KIO, wo seit dem neuen Integrationsgesetz des Kantons Bern vor allem auch die Integrations- und Beratungsgespräche im Auftrag des Leistungsvertrages mit dem Kanton Bern stattfinden (vgl. Box «Fachstelle»).

Die KIO-Mitarbeiterinnen Sabine Rothenbühler und Barbara Stoeri sind mit dieser neuen Aufgabe betraut worden, ebenso mit der geforderten verstärkten Zusammenarbeit mit den Gemeinden. «Sie wurden mit dem neuen Gesetz eine wichtige Stelle, die Zugewanderten über ihre Möglichkeiten zu informieren und sie wo nötig an uns weiterzuleiten», sagt Stoeri.

Leider sei bei der Integrationsarbeit ein grosses Problem, dass wegen der bilateralen Verträge weder EU- und Efta-Mitglieder noch Personen bei einem Familiennachzug zu einer Beratung bei der Fachstelle verpflichtet werden könnten. «Dabei hätten gerade auch sie Infos nötig, damit sie nicht in ihren vier Wänden isoliert bleiben oder gar von Familienmitgliedern ausgegrenzt werden können», sagt Stoeri.

Kaum Beratung wahrnehmen

Während die verpflichtend zugewiesenen Personen aus Drittstaaten die Beratung nutzten, würden leider die wenigsten den Rat für eine empfohlene Beratung annehmen. Dabei gäbe es etliche Aus- und Weiterbildungen, um Potenziale zu fordern und zu fördern. «Denn das Integrationsgesetz will erreichen, dass die Selbstständigkeit angestrebt und damit die Sozialhilfe entlastet wird», ergänzt Fred Hodel, Leiter der Fachstelle für Integration (vgl. Interview).

Er ist Mitglied der Geschäftsleitung des Amtes für Bildung und Sport sowie der Integrationskommission und pflegt die Kontakte zu den Ausländerorganisationen.

«Gerade solche Deutschkurse wie diejenigen von Heks sollte es viel mehr geben», sagt Barbara Stoeri und macht sich bereit, die Klasse zu verabschieden.

Deutsch fördert Integration

Bald ist die Deutschstunde vorbei. «Beenden Sie daheim die Aufgaben bis zur Seite 10», sagt Regine Gafner. Die Klasse packt die Bücher ein. «Bis übermorgen», verabschiedet sich die Lehrerin und reicht allen die Hand. «Unsere Kurse sind wichtig», sagt sie, «denn sie richten sich vor allem an Personen mit erschwerten Lern- und Lebensbedingungen, was ihre Integration merklich fördert.»

Thuner Tagblatt

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