Wie aus Schneeblöcken Kunst entsteht

Grindelwald

Unter dem Motto «Pioniergeist» schaffen am Snow Festival die Künstler bereits zum 30.Mal aus Schnee Skulpturen.

Auf dem Baerplatz in Grindelwald bearbeiten die zehn Teams aus Europa, Amerika und Asien ihre Schneeblöcke. Der Blick von oben zeigt, dass die Teams unterschiedlich schnell bei ihrer Arbeit vorankommen.

Auf dem Baerplatz in Grindelwald bearbeiten die zehn Teams aus Europa, Amerika und Asien ihre Schneeblöcke. Der Blick von oben zeigt, dass die Teams unterschiedlich schnell bei ihrer Arbeit vorankommen.

(Bild: Michelle Geringer)

Normalerweise wird in Grindelwald der Schnee als Pistenunterlage gebraucht. Doch während des World Snow Festival lassen zehn Künstlerteams nach einer Woche Schaufeln, Sägen und Fräsen aus dem Schnee detaillierte Schneeskulpturen entstehen.

Das World Snow Festival feiert dieses Jahr sein 30-Jahr-Jubiläum. Wie jedes Jahr interpretieren zehn Künstlerteams aus Europa, Amerika und Asien das vorgegebene Thema. Das diesjährige Thema des Schneeskulpturenfestivals lautet «Pioniergeist» und greift damit das 100-Jahr-Jubiläum der Jungfraubahn auf. Am Montag haben die Teams mit ihrer Arbeit begonnen, und langsam werden die Figuren erkennbar. Michael Künzi, Leiter Sport und Events bei Grindelwald Tourismus, sagt: «Es ist interessant, zu sehen, wie am Anfang grosse Blöcke weggeschaufelt werden und am Ende der Woche nur noch filigrane Arbeiten mit Feilen verrichtet werden.»

Schneeblöcke formen

Die rund dreieinhalb Meter hohen und 20 Tonnen schweren Schneeblöcke sind aus zusammengetragenem Schnee aus ganz Grindelwald entstanden. «Üblicherweise bringen Camions den Schnee aus Gebieten unterhalb der Grossen Scheidegg auf den Baerplatz. Doch dieses Jahr waren die Zufahrtsstrassen wegen Lawinengefahr gesperrt», sagt Michael Künzi. Doch durch den starken Schneefall im Dezember lag genügend Schnee im Dorf. So habe das ganze Dorf etwas zum Snow Festival beigetragen. Mit dem zur Verfügung gestellten Material wie Leiter, Sägen, Meissel und Schaufeln kreieren die Teams ihre Schneeskulpturen. Die Auswahl der Teamnationen widerspiegelt die Nationalitäten der Feriengäste in Grindelwald. Bei der Auswahl der Teams gibt es Stammgäste und neue Formationen. So sind die Equipen aus Russland, Kanada und den USA bereits seit zehn Jahren dabei und das holländische Team sogar seit mehr als 20 Jahren. Die weiteren Formationen stammen aus: Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Südkorea und die Schweiz.

Tradition bewährt sich

«Der Erfolg des Snow Festival in Grindelwald liegt vor allem an der traditionellen Durchführung und der herrschenden Atmosphäre», sagt Michael Künzi. Denn in den vergangenen 30 Jahren habe sich kaum etwas verändert, und die Teams kämen nicht nur hierher, um eine Skulptur zu schaffen, sondern auch, um Ski zu fahren und zu schlitteln. Michael Künzi sagt, dass der traditionelle gemeinsame Fondue- und Schlittelabend wohl für manche schon Erlebnis genug sei. Was für einen Stellenwert das Festival hat, wird durch den Captain des französischen Teams unterstrichen. Er stürzte Anfang Woche vom Schneeblock und brach sich dabei die Nase und renkte sich die Schulter aus. Doch Künstler kennen keinen Schmerz. Denn am nächsten Tag war er, handicapiert mit einem Arm in der Schlaufe, einarmig am Arbeiten, um zusammen mit seinem Team das Kunstwerk zu vollenden.

Am Anfang war das «Heidi»

Japanische Künstler schufen 1983 auf dem Baerplatz ein überdimensionales «Heidi» aus Schnee. Aus dieser Figur, die zu Werbezwecken gefertigt worden war, entwickelte sich die Idee, ein Snow Festival zu veranstalten. Dieses Jahr können neben den Skulpturen auf dem Baerplatz weitere in den Skigebieten bewundert werden. Fünf Schweizer Teams gestalten auf First, Männlichen und Bodmi Schneeskulpturen, die aber nicht zum Wettbewerb gehören, sondern lediglich das Winterbild verschönern sollen. Ebenfalls auf dem Baerplatz in Grindelwald üben sich die Schüler der 1. bis 3.Klasse aus Grindelwald als Schneeskulpturenbauer.

Vor dem Endspurt

Noch bis morgen Samstag wird auf dem Baerplatz gesägt, gemeisselt, geschliffen und geschaufelt. Wer am Schluss gewonnen hat, darüber wird eine Fach- und Publikumsjury entscheiden. Die Rangverkündigung wird um 14.30 Uhr stattfinden und es wird sich zeigen, welches Team aus den Tonnen von Schnee die beste Schneeskulptur erschaffen hat. Die Figuren können aber – je nach Wetterlage – noch bis Mitte Februar bestaunt werden.

Berner Oberländer

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