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Wer wie Ferienwohnungen an die Ausländer verkauft

Nach dem Fall in Grindelwald: Haben Tourismusorte Probleme mit Zweitwohnungsverkäufen? Sie muss den Verkauf von 15 Ferienwohnungen an Ausländer überprüfen: Ist die Gemeinde Grindelwald ein Einzelfall?

Der Verkauf von Zweitwohnungen an Ausländer wird in Oberländer Tourismusorten unterschiedlich gehandhabt.

Gemeinsam mit dem Regierungsstatthalter muss die Gemeinde Grindelwald prüfen, ob alles korrekt ablief – oder ob im Gletscherdorf Zweitwohnungen ohne Berechtigung an Ausländer veräussert wurden (vergleiche Ausgabe von gestern). Bleibt die Frage: Ist das ein Problem, das einzig Grindelwald betrifft? Welche Erfahrungen werden in den anderen Tourismusgemeinden im Berner Oberland gemacht?

Saanen: «Kontingent wird nicht ausgeschöpft»

Illegaler Wohnungsverkauf an Ausländer ist in der Gemeinde Saanen kein Thema. «Es gibt auch etliche Verkäufe von Ausländern an Schweizer Kundschaft», sagt Andreas Hurni. Wie viele Wohnungen oder Liegenschaften die Gemeinde Saanen jährlich an Ausländer verkaufen darf und verkauft, ist dem Gemeinderatspräsidenten nicht bekannt. «Das Kontingent war noch nie Thema einer Gemeinderatssitzung.» Hurni weiss lediglich, «dass die Zahl nicht ausgeschöpft wird, sonst hätten wir im Rat darüber diskutiert». Einen Erstwohnungsanteil pro Liegenschaft, wie ihn Grindelwald kennt, hat die Gemeinde Saanen nicht. Vor zwanzig Jahren wurde diskutiert, das Ewap-System einzuführen. Aber wegen der schwierigen Kontrollierbarkeit sah man davon ab.» Saanen hat ein eigenes System, das recht gut zu kontrollieren sei. «Es beruht auf dem Zonenplan mit Ortsansässigenanteilen. «Bei Liegenschaften in Privatbesitz müssen 70 Prozent der Wohnungen an Steuerpflichtige in der Gemeinde Saanen vermietet werden, 30 Prozent sind frei verfügbar.» Liegenschaften in Gemeindebesitz würden ausschliesslich an Steuerpflichtige mit Wohnsitz in der Gemeinde Saanen vergeben. Nicht zuletzt dank der Nachbarschaftskontrolle werde diese Regel sehr gut eingehalten. «In den letzten acht Jahren hatten wir drei Fälle, die nicht den Richtlinien entsprachen», erinnert sich Hurni. In seiner Tourismusgemeinde beträgt der Erstwohnungsanteil «genau 52 Prozent». Dass der Stand von 48 Prozent für Zweitwohnungen nicht steigt, ist Hurni sich sicher: «In der laufenden Raumplanungshauptrevision wird kein Land für Zweitwohnungen eingezont», erklärt er. Dies sei bereits vor fünfzehn Jahren so gewesen.

Adelboden: Aktueller Fall an Gemeindeversammlung

Die Lex Koller ergänzend, hat die Gemeinde Adelboden eine eigene Regelung zum «Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland» (so der Name). «Sie wurde 1993 an der Gemeindeversammlung beschlossen», sagt Jolanda Lauber, stellvertretende Gemeindeschreiberin. Zum Inhalt: In Adelboden darf Bauland nicht an Ausländer verkauft werden. Stockwerkeigentum darf wie folgt an Ausländer gehen: 1 bis 3 Stockwerkeinheiten, keine Wohnung; 4 bis 5 Einheiten, 1 Wohnung, 6 bis 7 Einheiten, 2 Wohnungen usw. «Jedoch immer höchstens 25 Prozent der Bruttogeschossflächen (BGF) der Überbauung», lautet die ergänzende Einschränkung. Die Frage, obs bei Zweitwohnungsverkäufen an Ausländer auch schon Probleme gegeben habe, bejaht Lauber: «Es gab Fälle, bei denen ein Verkauf nicht möglich war, weil die Regelung nicht eingehalten wurde.»

Laut der Adelbodnerin wird sich der Souverän an der nächsten Gemeindeversammlung zudem zu einem Verkauf äussern, bei dem die besagten 25 Prozent der Bruttogeschossfläche überschritten werden. Und: Bei jedem Fall nehme der Gemeinderat zuhanden des Statthalters Stellung. Wie Jolanda Lauber betont, führt die Verwaltung ein Verzeichnis, um die Kontrolle über alle an Ausländer verkauften Wohnungen zu haben. Sorgen bereitet in Adelboden wie andernorts die hohe Zahl an kalten Betten. Die Engstligtaler wollen diesem Problem mit einer etwas anderen Idee zu Leibe rücken: Wie im September bekannt wurde, möchte der Gemeinderat den Gemeindesteuersatz von heute 2,09 auf 1,0 Einheiten senken. Das Ziel: reiche Zweitwohnungsbesitzer als Steuerzahler gewinnen und mit deren Wohnsitznahme im Strubeldorf die kalten Betten wärmen.

Lenk: Rund 60 Prozent

Zweitwohnungsanteil «Wir haben keine Regelung bezüglich Erstwohnungsanteil je Liegenschaft wie in Grindelwald», sagt Christian von Känel. Der Lenker Gemeinderats-Präsident ergänzt, dass Bewilligungsverfahren zu Wohnungsverkäufen an Ausländer über den Regierungsstatthalter abgewickelt würden. «Der Gemeinderat Lenk beantragt Annahme oder Ablehnung der Gesuche», so von Känel. Seit Anfang 2006, dem Beginn seiner Amtszeit, sei ihm indes kein Fall bekannt, bei dem sich die Gemeinde ablehnend geäussert hätte.

Der Ferienort Lenk hat einen sehr hohen Anteil an Zweitwohnungen und entsprechend auch an kalten Betten. «Der Zweitwohnungsanteil beträgt rund 60 Prozent – wir sind hier eine der extremen Gemeinden im Kanton Bern oder gar in der Schweiz», weiss Christian von Känel. Das Problem der ungenutzten Betten wollen Gemeinde, Tourismus und Bergbahnen mit einem Ansiedlungsprojekt gemeinsam bekämpfen (wir berichteten). Konkret ist in der Hohliebi der Bau eines Feriendorfes mit rund 600 Betten geplant. Der Clou: Die Käufer einer Wohnung verpflichten sich, diese mindestens zehn Monate pro Jahr unterzuvermieten. «Wir wollen so mehr warme Betten schaffen», sagt der Lenker Ratspräsident. Betreiben soll die Feriensiedlung (Investitionen von zirka 50 Millionen Franken) die holländische Landal Green Parks. Wer den Park bauen wird, ist noch nicht bekannt. Wie der Lenker Bergbahnen-Chef Hansueli Schläppi Mitte Oktober an einer Infoveranstaltung sagte, sei man in Verhandlungen «mit mehreren Schweizer Investoren». Nötig ists: Laut Schläppi hat die Lenk in den letzten acht Jahren rund 1200 warme Betten verloren

Lauterbrunnen: Maximal 50 Prozent pro Gebäude

«Die Bewilligungsverfahren laufen über den Regierungsstatthalter. Er holt dazu einen Mitbericht der Gemeinde ein», gibt Christian Abbühl, Sachbearbeiter Hochbau der Gemeinde Lauterbrunnen, Auskunft. Die Gemeinde kennt neben der Lex Koller eine ergänzende Regelung: Vor zwei Jahren beschloss die Gemeindeversammlung, eine Quote von höchstens 50 Prozent pro Gebäude für den Verkauf von Stockwerkeigentum an Personen im Ausland zuzulassen. Der Verkauf von Einfamilienhäusern wurde bereits auf Beschluss einer früheren Gemeindeversammlung untersagt. «Es hat Fälle gegeben, bei denen der Verkauf abgelehnt wurde», weiss Christian Abbühl, «da mit den entsprechenden Verkäufen die Quote von 50 Prozent überschritten worden wäre.» Betreffend die Problematik von kalten Betten, also Zweitwohnungen, die während der meisten Zeit des Jahres leer stehen, würden keine Sofortmassnahmen ergriffen, sagt Christian Abbühl weiter. Das Thema werde aber in der anstehenden Ortsplanungsrevision behandelt.

Meiringen: Leer stehende Wohnungen kein Problem

«Der Gemeinderat von Meiringen nimmt zu Gesuchen von Personen im Ausland Stellung», sagt Gemeindepräsidentin Susanne Huber. Dass ein Gesuch habe abgelehnt werden müssen, sei ihr nicht bekannt. Die Problematik der leer stehenden Zweitwohnungen kenne Meiringen nicht.

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