Wer mit Motoren wo durch den Wald darf

Oberland

Wer darf welche Strassen im Wald mit Motorfahrzeugen befahren, und wer erhält für die Instandstellung der Wege von der öffentlichen Hand Geld? Antworten auf diese Fragen sollen die Waldstrassenpläne der Gemeinden liefern.

Fahrverbot für die Waldstrasse beim Alpenwildpark am Harder.

Fahrverbot für die Waldstrasse beim Alpenwildpark am Harder.

(Bild: Bruno Petroni)

Wer jetzt durch den Amtsanzeiger blättert, merkt bald, dass sich wieder was tut im Wald: Eine Gemeinde nach der anderen teilt mit: «Planauflage Waldstrassen». Aufgefallen ist das in jüngster Zeit vor allem im Amtsanzeiger Interlaken. Wer diese Fährte aufnimmt, landet bald einmal bei Fritz Kupfer von der Waldabteilung Oberland-Ost. Diese Pläne liegen auf seinem Schreibtisch. Er weiss aber, dass auch seine Amtskollegen aus dem gesamten Oberland, respektive Kanton, beauftragt sind, in Absprache mit der Abteilung Strukturverbesserung des kantonalen Amtes für Landwirtschaft festzulegen, welche Strassen und Wege im Wald mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden dürfen.

Dabei handelt es sich um einen Auftrag des Bundes. Denn das Eidgenössische Waldgesetz verlangt da eine klare Ordnung. Prinzipiell gilt laut Fritz Kupfer: Mit einem motorisierten Fahrzeug durch den Wald fahren darf, wer auf diesem Weg sein Grundstück oder die Liegenschaft, die er bewirtschaftet, erreicht. Dazu gehören auch Reservoirs und Restaurants. Ebenfalls die Blaulichtorganisationen wie Rettungsfahrzeuge und die Polizei sowie andere öffentliche Dienste wie Werkarbeiter der Gemeinden dürfen diese Wege so befahren.

Durch die Erstellung der Waldstrassenpläne kann es jedoch durchaus sein, dass einige Wege dereinst nur noch eingeschränkt mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden dürfen, weil es dazu kein Anlass gibt und der Wald per Gesetz grundsätzlich geschützt werden soll. Kupfer rechnet trotzdem kaum mit zusätzlichen Verbotsschildern, die demnächst aufgestellt werden.

Klären, wer zahlt

Unterschieden werden muss, ob es sich um eine Wald- oder um eine Landwirtschaftsstrasse handelt. «Das ist nicht immer eindeutig zu sagen», erklärt Kupfer. Denn viele Strassen, die durch den Wald führen würden, seien trotzdem Landwirtschaftsstrassen, weil sie eben zur Bewirtschaften von Land dienen würden.

Das ist insofern wichtig, weil die Grundeigentümer Beiträge für die periodische Wieder-Instandstellung erhalten. Je nach Art der Strasse erhalten sie diese von unterschiedlichen Amtsstellen. Allein die Höhe der Beiträge bleibt sich laut Fritz Kupfer in etwa gleich. «Wir kennen die Strassen und Wege durch die Wälder sehr gut», sagt Kupfer, «deshalb entstehen die Pläne vorwiegend in den Büros.» Bisher traten dabei keine Probleme auf. Glatt lief es in der Gemeinde Schwanden bei Brienz, wo das Pilotprojekt durchgeführt wurde. «Und eben habe ich die Pläne von Oberried nach Bern geschickt, auch hier gab es keine Einsprachen», sagt der Mann von der Waldabteilung Oberland-Ost.

Knifflige Aufgaben warten

In anderen Gemeinden könnten diese Pläne allerdings sehr wohl zu mehr als einem Rauschen im Walde führen. Werden doch mehrere Waldwege im Winter als Skipisten genutzt, die mit motorisierten Pistenfahrzeugen präpariert werden. «Da werden wir massgeschneiderte Lösungen finden», ist Fritz Kupfer zuversichtlich.

Um niemanden zu vergessen, respektive damit alle ihre Bedürfnisse anmelden könnten, werde für jeden Plan ein öffentliches Auflageverfahren durchgeführt.

Keine Zusatzkosten

Normalerweise gibt es einen Plan pro Gemeinde. Wenn aber Strassennetze so zusammenhängen wie in Iseltwald und Bönigen, wird ein gemeinsames Instrument erstellt. In Gemeinden wie Brienz und Meiringen jedoch findet eine Entflechtung statt. So gibt es in Brienz einen Plan von der rechten und einen von der linken Seeseite.

In Meiringen wird zwischen Sonn- und Schattseite unterschieden. «In so grossen Gebieten fällt es leichter, diese zu unterteilen», erklärt Fritz Kupfer. Er rechnet damit, diese Arbeiten zur Erstellung der Waldpläne in drei Jahren vom Tisch zu haben. Weil sie von den Angestellten der Waldabteilungen sowie den Revierförstern erledigt werden müssen, entstehen keine Zusatzkosten fürs Erstellen der Waldstrassenpläne.

Berner Oberländer

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