Wenn die Hitze die Gleise verbiegt

Grindelwald

Die anhaltende Hitze hält die technisch Verantwortlichen der Wengernalpbahn auf Trab: Sie müssen verhindern, dass sich Gleisverwerfungen bilden. Doch was ist das eigentlich – eine Gleisverwerfung?

Schienenkühlung bei der Brandegg: Während ??heisser Nachmittagsstunden bespritzt WAB-Mitarbeiter Toni Michel die Bahngleise.<p class='credit'>(Bild: Bruno Petroni)</p>

Schienenkühlung bei der Brandegg: Während ??heisser Nachmittagsstunden bespritzt WAB-Mitarbeiter Toni Michel die Bahngleise.

(Bild: Bruno Petroni)

Die Rechnung ist schnell gemacht: Stahl dehnt sich pro Meter und Grad Celsius um 0,0115 Millimeter aus. Bei 40 Grad Erhitzung sind das auf einem Abschnitt von hundert Metern bereits fast 5 Zentimeter. «Vor allem bei engen Kurvenradien oder einem Gefällsbruch, wie wir ihn hier unterhalb der Haltestelle Brandegg haben, kann das zu einer sogenannten Gleisverwerfung führen», erklärt Toni Rossi.

Der erfahrene Koordinator für die Fahrbahnen der Wengernalpbahn (WAB) ist deshalb mit seinen fünf Mann seit zehn Tagen dabei, die exponierten Stellen der WAB mit Wasser abzukühlen, denn so ein Bahngleis kann schnell mal 60 Grad heiss werden. «Zur Wasserkühlung zapfen wir Brunnen oder Hydranten an – einfach das, was gerade verfügbar ist», so Rossi. Auf die Wasserreserven der künstlichen Staubecken müssen die WAB zur Schienenkühlung nicht zurückgreifen.

Bis zu 20 Zentimeter hoch

Bei einer Gleisverwerfung, wie sie auf der WAB-Linie letzte Woche passierte und einen Betriebsunterbruch erforderlich machte, hebt sich der gesamte Schienenstrang inklusive der Bahnschwellen innerhalb von wenigen Minuten plötzlich aus dem Schotterbett an. Dies, weil sich die Schienen durch die Hitze ausdehnen und mehr Platz brauchen. «Wenn sich diese Anhebung nur leicht optisch sichtbar macht, dürfen die Kompositionen trotzdem noch in Langsamfahrt passieren. Wir hatten aber schon Schienen, die 20 Zentimeter in der Luft hingen. Da geht natürlich nichts mehr», sagt Toni Rossi.

Kommt dazu, dass bei einer grösseren Verwerfung der Schotter unter die Bahnschwellen rutscht – «dann muss das ganze Bahntrassee neu eingeschottert werden», so Rossi. Und: «Ich hab mal vor Jahren in Afrika eine Gleisverwerfung gesehen, wo ein Mensch auf-recht darunter durchgehen konnte.»

Probleme auch bei Weichen

Auch die Weichen sind bei Hitze ab und zu blockiert: «Da sind viele mechanische Teilchen – und auch diese dehnen sich eben aus.» Und so sind ab und zu schon mal Muskelkraft und Hebeeisen gefragt.

Berner Zeitung

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