Weg dem Fels entlang saniert

Kandersteg

Auf der Route vom Oeschinensee zum Hohtürlipass ist die Felswegpartie vom Unter- zum Oberbärgli saniert worden. Pro Natura kündigt Kritik am Vorgehen beim Wegbau an.

Der Weg vom Unter- zum Oberbärgli wurde saniert. Links davon läuft Wasser durch den steilen «Hüligrabe» hinunter.

Der Weg vom Unter- zum Oberbärgli wurde saniert. Links davon läuft Wasser durch den steilen «Hüligrabe» hinunter.

(Bild: Samuel Ryter)

Die Route vom Kandersteger Oeschinensee übers Hohtürli zur SAC-Hütte Blümlisalp ist bei Wanderern und Berggängern beliebt. Im Frühjahr ist die heikle Felspartie vom Unter- zum Oberbärgli – ein eigentlicher Ziegenweg – saniert worden. Für die Wegsanierung standen zwei Faktoren im Vordergrund: Einerseits ging es um mehr Sicherheit bei der Begehung der Route, und andererseits um deren Nutzung als Zügelweg.

Dazu waren auch Felssprengungen nötig. Diese Tatsache hat nun Pro Natura Berner Oberland auf den Plan gerufen. Die Institution kritisiert das Vorgehen. Auf Anfrage dieser Zeitung hielt deren Vertreter, Markus Schnidrig aus Frutigen, aber fest, dass ihre Abklärungen noch nicht abgeschlossen seien.

Alternative zum «Hüligrabe»

Das Oeschinebärgli ob dem weltbekannten Bergsee wird von verschiedenen Älplern bewirtschaftet. Sie bilden die Alpkorporation Inner-Oeschine. In der ersten Julihälfte zügeln sie jeweils vom Unter- aufs Oberbärgli (2000 Meter über Meer). Für die Dislokation benützten die Bergbauern bisher den nördlich gelegenen «Hüligrabe» in Richtung Heubärg. Dieser sehr steile Weg wird wegen der klimatisch bedingten Erosion immer gefährlicher. Und oft liegt dort zudem bis weit in den Sommer hinein Lawinenschnee.

Hansruedi Heiniger ist – zusammen mit seiner Frau Heidi – einer der Bärgli-Bewirtschafter. Seit vierzig Jahren ist er mit der Alp verwurzelt, denn bereits als Jüngling hat er hier seinen Grossvater, Hans Reichen aus Blausee-Mitholz, bei der Vieh- und Schafhaltung begleitet. Sein Sohn Simon betreibt ein Kleinbauunternehmen.

Weg durch den Fels?

Hansruedi Heiniger hat sich als handwerklich versierter Bergbauer mit der Frage beschäftigt, wie die Züglete langfristig sichergestellt werden könnte. Weiter in den gefährlichen «Hüligrabe» zu investieren, erachtete er als nicht sinnvoll. Und so entstand die Idee, den Zügelweg neu durch die Felswand zu führen. Bisher bestand dort nur ein schlecht angelegter Bergwanderweg, der bereits zu Unfällen mit Todesfolge geführt hatte.

Die Gemeinde Kandersteg begrüsste in der Folge das touristisch und alpwirtschaftlich begründete Anliegen. Gemeinden stehen gesetzlich in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass ihre Wanderwege frei und möglichst gefahrlos begangen werden können (siehe Kasten).

Selbst Hand angelegt

Die Realisierung des Weges über ein gross angelegtes Projekt mit Planauflage war für die kleine Alpkorporation finanziell nicht tragbar. Also besann man sich – um kostengünstig an die Wegverbesserung zu gehen – auf die eigenen Kräfte. Beispiele, wie das naturverbundene Kandersteger bereits gemacht haben, gibts in der Talgeschichte. So hatte etwa Förster und Bergführer Adolf Ogi, der Vater von Alt-Bundesrat Ogi, nachhaltig die Alpstrasse ins Üschinental sowie die Verlegung des Gemmiweges vor dem Schwarenbach projektiert und örtlich begleitet.

Und so hat nun auch Bergbauer Hansruedi Heiniger in Frondienst beim Wegbau zugepackt. Sohn Simon führte mithilfe berggewohnter Kandersteger und des Zivilschutzes Niesen die Bauarbeiten aus. Trotz der nötigen Sprengungen seien die Arbeiten «sorgfältig und mit Rücksicht auf die Natur» ausgeführt worden, erklären Heinigers. Es sei naturgegeben, dass sich der Weg im Verlaufe der Zeit noch stabilisieren und verfestigen werde.

Resultat findet Anklang

Vom Resultat der Wegsanierung zeigt sich David Wandfluh vom Hotel Oeschinensee überzeugt: «Letzte Woche sind rund 550 Schafe über die neue Route ins Oberbärgli gelangt. Im Weiteren darf ich gerne bestätigen, dass von unvoreingenommenen Wanderern die neue Route, durch die Elimination der gefährlichen Stellen, sehr geschätzt wird.» Die Trassierung diene Alpwirtschaft und Tourismus mit dem stark begangenen Wanderweg über den Heuberg und das Hohtürli in bester Weise.

Berner Zeitung

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