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«Was hätte ich denn sagen sollen?»

Er hat Job, Freundin und Ämter verloren. Der wegen des tödlichen Armee-Unglücks von 2008 angeklagte Offizier erklärte dem Richter, wie er mit den Opfer-Angehörigen Kontakt aufnehmen wollte.

Gefahren unterschätzt: Fünf Menschen starben bei den Unglück im Juni 2008.
Gefahren unterschätzt: Fünf Menschen starben bei den Unglück im Juni 2008.
Keystone

«Ich habe viel gefordert, aber auch viel gegeben», beschrieb der Angeklagte seinen militärischen Führungsstil. Seine Einstellung zum Militär habe sich nach dem Unfall nicht geändert, er stehe nach wie vor «voll und ganz hinter der Armee».

Sein gesellschaftliches Leben sei aber durch den Vorfall völlig auf den Kopf gestellt worden. Er habe Arbeit und Partnerin verloren und sei von allen Ämtern in Vereinen, Verbänden und Politik zurückgetreten. Die Medien hätten eine Schlammschlacht gegen ihn geführt. «Ich hatte faktisch keinen Lebensinhalt mehr.»

«Was hätte ich denn sagen sollen»?

Doch eigentlich finde er es schäbig, dies zu sagen, wenn er daran denke, was die Angehörigen der Opfer durchgemacht hätten. Dennoch habe er nur zu einer Opferfamilie von sich aus Kontakt gesucht, wandte der Gerichtspräsident ein. Er habe immer wieder versucht, Briefe zu schreiben, erwiderte der Angeklagte. Aber er habe es nicht fertig gebracht. «Was hätte ich denn sagen sollen?»

Seit Dienstag steht der mutmassliche Verantwortliche des tödlichen Bootsunfalls auf der Kander vom Juni 2008 vor Militärgericht in Thun. Zeugen sagten, zuvor habe man zwei Varianten diskutiert: eine Fahrt auf der Simme oder auf der Kander. Die Kander habe «mehr Action» versprochen. Er habe nicht gedacht, dass die Sache gefährlich sei, sagte einer der Überlebenden vor dem Militärgericht. Selbst als sie bei der ersten Schwelle stecken geblieben seien, sei zunächst keine Panik ausgebrochen. Erst als das Boot kenterte und er von den immensen Kräften der Wasserwalze in die Tiefe gezogen wurde, sei ihm klar geworden, dass es um Leben und Tod gehe.

Ungenügend vorbereitet

Ein anderer Zeuge betonte, er habe dem Kadi vertraut und die Sache nicht hinterfragt. Beim Einwassern der Boote habe man etwas oberhalb eine Schwelle gesehen. Er habe den Kadi gefragt, ob es weiter unten auch solche Schwellen habe. Dieser habe geantwortet, Schwellen dieser Grösse seien kein Problem. Bei grösseren müsse man dann halt sehen.

Insgesamt zehn Mann nahmen am 12. Juni 2008 an dem Kaderanlass auf der Kander teil. Die beiden Militärschlauchboote kenterten bei Schwellen in der Nähe von Wimmis. Fünf Mann kamen ums Leben, einer von ihnen wird bis heute vermisst. Gemäss Anklageschrift hatte der Kompaniekommandant die Bootsfahrt ungenügend vorbereitet und sich beispielsweise nicht bei Fachpersonen erkundigt oder vor Ort rekognosziert. In Fachkreisen gilt die Kander in diesem Abschnitt als gefährlich.

SDA/cpm

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