Warum es 2014 kein Thunfest gibt und wie es weitergeht

Thun

Mit dem Verzicht auf die Durchführung des Thunfests 2014 folgten die Vereinsmitglieder dem Willen des Vorstandes. Dieser stellte in erster Linie aus personellen Gründen einen entsprechenden Antrag.

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Der Entscheid über die Durchführung des Thunfests am 8. und 9. August fiel letztlich eindeutig aus. Nur 4 von 37 Stimmberechtigten hielten am Dienstagabend an der Durchführung fest. Bei 2 Enthaltungen folgten 31 Vereinsmitglieder dem Antrag des Vorstandes, eine «Denkpause» einzulegen und ein Jahr auszusetzen.

Rückblick: Im März und im Mai verzeichnete der Vorstand drei sofortige Rücktritte. Weitere Vorstandsmitglieder haben per Ende Jahr den Rücktritt angekündigt. «Ende Jahr ist die strategische Führungsebene des Thunfests so gut wie aufgelöst», sagte OK-Präsident Matthias Harte. Der Vorstand gebe dem OK den Auftrag, das Fest nach seinen Vorgaben zu organisieren. «Nun hat ein wesentlicher Teil des Vorstandes seine Verantwortung abgelegt», so Harte. «Es stellt sich die Frage, wie schwach wir sein dürfen, den Anlass dennoch zu organisieren.» Die Antwort lieferte er gleich selber: «Im Moment sind wir zu schwach.»

«Das ist eine Frechheit»

Dieser Punkt stiess einem Anwesenden sauer auf: «Es kann doch nicht sein, dass ein 100' 000er-Fest wegen 3 Personen ins Trudeln kommt!», votierte er. «Schon nur, dass wir wegen der drei jetzt eine Sitzung abhalten müssen, finde ich eine Frechheit.» Das Engagement im Vorstand erfolge ehrenamtlich, erklärte Vereinspräsident Niklaus Schönholzer. Da zwischen Verein und Vorstandsmitgliedern kein Arbeitsvertrag bestehe, gebe es keine Handhabe, die Abtretenden zum Weitermachen zu zwingen. «Aber es isch e Seich.»

Planung mit neuem Perimeter

Der schwächelnde Vorstand ist nicht der einzige Grund, der den Vorstand zum denkwürdigen Antrag bewog: Ab Herbst 2013 hat der Vorstand eine neue Strategie für das Thunfest erarbeitet. Aufgrund dieser wurden zwei Varianten konkret budgetiert, eine mit Feuerwerk, eine ohne. Die Vereinsversammlung vom 23. April erteilte dem Vorstand die Ermächtigung, jene Variante weiterzuverfolgen, die finanziell tragbar wäre. Die Krux: Die Planung und das Budget beider Varianten basieren auf einem neuen, grösseren eintrittspflichtigen Festperimeter.

Dieser hätte auch die Obere Hauptgasse, die Marktgasse und den Mühleplatz umfasst. Das entsprechende Gesuch ist seit Anfang April bei den städtischen Behörden hängig. Auch ein zeitgleich eingereichtes Gesuch um eine Defizitgarantie blieb bisher unbeantwortet. Finanzchef Hansruedi Gertsch warnte, dass es fahrlässig wäre, die Planung angesichts dieser Unsicherheiten weiterzuführen. Zuletzt habe die Stadt die Ablehnung beider Gesuche signalisiert. «Das würde bedeuten, dass wir das Fest neu aufgleisen müssten», ergänzte Matthias Harte. «Das ist jetzt zu kurzfristig.»

Mehr Unterstützung erhofft

Mehrere Anwesende kritisierten das Verhalten der Stadt. «Ich frage mich, ob die Stadt überhaupt am Thunfest interessiert ist», liess ein Vereinsmitglied verlauten und erntete spontanen Applaus. «Keine Antwort ist auch eine Antwort.» Schliesslich war es der OK-Präsident, der die Stadt in Schutz nahm: «Die Stadt will nicht Steuergelder in einen bröckelnden Verein investieren», sagte Matthias Harte.

Dass er sich vonseiten der Stadt grössere Unterstützung erhofft hatte, daraus machte er allerdings keinen Hehl. Patrick Aeschbacher, Präsident der Innenstadt-genossenschaft Thun und Vereinsmitglied, mahnte nach einigen wenig zweckdienlichen Voten zur Vernunft: «Es wäre falsch, jetzt Schuldzuweisungen zu machen.» Aus Sicht des Thuner Gewerbes plädierte er dafür, «dem Vorstand die Stange zu halten und dem Antrag zuzustimmen».

Erleichtert über Annahme

Über den Entscheid der Versammlung zeigte sich der Vorstand erleichtert. «Es ist zwar unangenehm und unerfreulich, aber manchmal ist es verantwortungsvoller, auf etwas, das man gerne tun würde, zu verzichten», sagte Harte.

Nächstes Jahr soll wieder ein Thunfest stattfinden. Bis dahin hat der Vorstand Zeit, die Führungsstrukturen neu zu organisieren.

Thuner Tagblatt

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