V-Projekt: Sieben Stützen bis zu 66 Meter Höhe sollen gebaut werden

Die Jungfraubahnen geben weitere Details zu ihrem Jahrhundertvorhaben bekannt. Das Unbehagen aufseiten der Landbesitzer bleibt indes bestehen.

  • loading indicator

In 15 Minuten von Grindelwald Grund auf den Eigergletscher: Die Station entlang des Wegs zum Jungfraujoch soll nach dem Willen der Jungfraubahnen mit einer neuen Bahn mit etwa 27 Sitzplätzen, einer sogenannten 3S-Bahn, neu erschlossen werden. «Dafür wollen die Jungfraubahnen und die Gondelbahn Grindelwald-Männlichen (GGM) einen gemeinsamen Terminal in Grindelwald Grund bauen», heisst es einer Mitteilung von gestern. Denn auch die Gondelbahn auf den Männlichen soll ersetzt werden, die Konzession läuft 2016 aus.

Bekannt ist das Vorhaben seit letzten Dezember, rund 200 Millionen Franken will das Bahnunternehmen investieren. Nun liegen die Pläne für die Streckenführung der 3S-Bahn vor. Über die Details wurden die 27 betroffenen Landeigentümer am Donnerstagabend von den Jungfraubahnen informiert. «Wir nehmen die Sorge um das Landschaftsbild ernst und wollen auch in den nächsten Wochen weitere intensive Gespräche führen», erklärte Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler gestern auf Anfrage.

Gemäss Mitteilung wird die 3S-Bahn die Gäste in 15 Minuten von Grindelwald Grund zum Eigergletscher befördern, dies über eine Gesamtlänge von 6483 Metern. «Die 3S-Bahn wird über kein Wohnhaus führen», schreiben die Jungfraubahnen und reichen auch Details zu den Landschaftseingriffen nach. Die 3S-Bahn wird über drei Stahlseile geführt und soll besonders windstabil sein.

Ohne Waldschneise

Die sieben geplanten Masten der 3S-Bahn seien ausserhalb des Gewässerbereichs und nur am Rand von bewirtschaftetem Land vorgesehen. «Gemeinsam mit Fachstellen von Bund und Kanton wurden die Standorte auf einer Ortsschau Anfang Juli besichtigt.» In der Planung wurden Naturgefahren berücksichtigt und die Umweltverträglichkeit geprüft. Wie Urs Kessler ausführt, seien gewisse Höhen der Stützen unumgänglich. «Aufgrund der Höhe der Masten muss keine Waldschneise geschlagen werden», sagt er. Zudem käme es nur vereinzelt zur Fällung von Bäumen. Und: Schützenswerte Moorlandschaften würden nicht tangiert. Die Höhen der Stützen betragen zwischen 23 und 66 Meter. Letztere kommt beim sogenannten Strätli zu stehen, hier durchfährt die Wengernalpbahn schon eine Galerie zum Schutz vor Lawinenniedergängen.

Die Streckenführung wurde so geplant, dass die Stützen und die Bahn das Landschaftsbild so wenig wie möglich beeinträchtigen. Laut Kessler hat die 3S-Bahn den Vorteil, dass sie weniger Masten und weniger Kabinen braucht als eine Gondelbahn.

2400 Personen pro Stunde

Die Beförderungskapazität der 3S-Bahn liegt bei 2400 Personen pro Stunde. Gemäss Medienmitteilung werden die 44 Gondeln zum grossen Teil aus Glas bestehen. Gebaut werden soll die neue Gondelbahn von der Firma Garaventa/Doppelmayr. «Die Qualität, die ausgereifte Technik und zahlreiche Referenzobjekte waren bei der Wahl für diesen Hersteller massgebend.»

Gemäss Kessler wird die heute bestehende Piste vom Eigergletscher Richtung Tal verbreitert werden, eine neue, blaue Piste hinunter auf die Kleine Scheidegg soll auch wenig geübten Skifahrern die Talfahrt ermöglichen. «Bezüglich der Streckenführung sind wir mit der Bergschaft Wengernalp am Verhandeln.» Man bemühe sich um grösstmögliche Transparenz, versichert Kessler, und wolle kontinuierlich detailliertere Infos und Visualisierungen nachreichen.

Mit Überbauungsordnung

Die ankommenden Gäste auf dem Eigergletscher werden durch einen Tunnel das Terrain betreten. Um die Gästeströme bei der Station der Jungfraubahn besser zu kanalisieren, werde ein drittes Gleis gebaut. «Über die Realisierung des Projekts wird schliesslich die Bevölkerung der Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen abstimmen», sagt Kessler weiter.

Aufgrund der Zukunftsperspektiven, die sich aus dem Ausbau der Bahnen ergäben, entwickle der Gemeinderat Grindelwald eine Überbauungsordnung. Diese soll noch in diesem Jahr zur Mitwirkung aufgelegt werden.

Das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben allerdings die Bergschaften und die privaten Grundbesitzer. Denn auf ihrem Grund und Boden kommen die Stützen der geplanten Bahn, zu stehen. Aber gemäss Seilbahnengesetz Art.7 kann man Landeigentümer auch enteignen, wenn der Bau einer neuen Bahn von öffentlichem Interesse ist. Wie die Landbesitzer die neuste Ankündigung der Jungfraubahnen aufgenommen haben, war nicht in Erfahrung zu bringen. Sie wollten sich auf Anfrage derzeit nicht zum Vorhaben äussern. Dem Vernehmen nach hingegen seien die von den Jungfraubahnen präsentierten Grafiken in Bezug auf das Landschaftsbild «extrem verniedlichend».

Pro Natura wiederum stellte in Aussicht, «ein paar grundsätzliche Gedanken» formulieren zu wollen.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...