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Unmögliche Liebe geht im «Vehsturz» unter

Eine zum Scheitern verurteilte Liebe in Zeiten wirtschaftlicher Not ist Thema des diesjährigen Landschaftstheaters im Freilichtmuseum Ballenberg bei Brienz.

Mona Petri am Spielort Zentralschweiz vor dem Bauernhaus Escholzmatt. Auf dem Karren liegt eine tote Kuh – eine der Auswirkungen nach dem blutigen Vehsturz.  Mona Petri spielt Elsi, von der sie sagt: «Elsi hebt andere Werte hoch und lässt sich nicht irremachen. Sie geht ihren Weg und wird nicht belohnt – höchstens vom Zuschauer, der sich hoffentlich auf ihre Seite schlägt.»
Mona Petri am Spielort Zentralschweiz vor dem Bauernhaus Escholzmatt. Auf dem Karren liegt eine tote Kuh – eine der Auswirkungen nach dem blutigen Vehsturz. Mona Petri spielt Elsi, von der sie sagt: «Elsi hebt andere Werte hoch und lässt sich nicht irremachen. Sie geht ihren Weg und wird nicht belohnt – höchstens vom Zuschauer, der sich hoffentlich auf ihre Seite schlägt.»
Markus Hubacher
Die 36-jährige Zürcherin hat erst gerade im Februar im Film «Verliebte Feinde» als Frauenrechtlerin Iris von Roten für Aufsehen gesorgt.
Die 36-jährige Zürcherin hat erst gerade im Februar im Film «Verliebte Feinde» als Frauenrechtlerin Iris von Roten für Aufsehen gesorgt.
Markus Hubacher
Elsis und Hänsels Liebe scheint aussichtslos. Nur Elsis Onkel, der Dorfdichter Tschuri, glaubt an die beiden. Krohns Stück in Brienzer Mundart ist versetzt mit vielen Gedichten Albert Streichs, die Daniel Fueter vertont hat. Regie führt Renate Adam.
Elsis und Hänsels Liebe scheint aussichtslos. Nur Elsis Onkel, der Dorfdichter Tschuri, glaubt an die beiden. Krohns Stück in Brienzer Mundart ist versetzt mit vielen Gedichten Albert Streichs, die Daniel Fueter vertont hat. Regie führt Renate Adam.
zvg
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Das Publikum liess sich an der Premiere vom Mittwochabend von der Geschichte berühren und dankte mit langem Applaus. Autor Tim Krohn führt uns in die Wirtschaftskrise der dreissiger Jahre, die auch das Gebiet am Brienzersee mit voller Härte trifft. Anleiten lassen hat er sich vom Brienzer Dichter Albert Streich (1897-1960) und dessen Ballade vom «Vollechiejer».

Ein Senn überträgt seinem Sohn die Verantwortung für das Vieh und lässt ihn allein. Ein schweres Gewitter zieht auf, die Herde gerät in Panik und stürzt mitsamt dem Jüngling über eine Fluh in die Schlucht Volli.

«Albert Streichs wunderbare Verse leiteten mich aufs Schönste», schreibt Krohn. Der 1965 geborene Autor erregt diesen Sommer auch mit dem Welttheater in Einsiedeln Aufsehen. In «Vehsturz» gelingt es ihm, die Sage vom pflichtbewussten Küherbub, der zusammen mit der letzten Kuh ins Tobel stürzt, auf packende Art zum Leben zu erwecken. Regisseurin Renate Adam hat daraus ein «Klanggewebe», wie sie es nennt, geformt, denn es werden weitere Gedichte Streichs beigezogen, so dass das Stück zeitweise an ein Musical gemahnt.

Tochter will keinen «Gaggelaari»

Im Mittelpunkt stehen Elsi, die eigenwillige Tochter einer ebenfalls von der Krise betroffenen Familie und der arme Küherbub. Die Liebe zwischen den beiden gefällt der Familie von Elsi, temperamentvoll gespielt von Mona Petri, nicht.

Denn da wäre ja der fesche Concierge des Grand Hotels (Giessbach), der sich hemmungslos an der Not der Bevölkerung bereichert. Er heizt die Spielleidenschaft der Bauern an, und nimmt ihnen das geliehene Geld dabei gleich wieder ab. So erwirbt er Haus um Haus und verleiht scheinbar grosszügig weiteres Geld.

Fast heiter

Die Eltern von Elsi sind hell begeistert, als dieser Spekulant um die Hand ihrer Tochter anhält und sagen ohne diese zu fragen Ja. Elsi fällt aus allen Wolken, als ihr der Metzger mit dem losen Mundwerk zu diesem «Blattschuss gratuliert, doch sie will nichts von dem «Gaggelaari» und «Lackaffen» wissen. Die unverblümte Ausdrucksweise aller Beteiligten bringt eine fast heitere Note in das Stück.

Elsi weist den reichen Emporkömmling mit scharfen Worten ab, erfährt aber bald darauf, dass ihr geliebter Hänsel in den Tod gestürzt ist. Die Zukunft bleibt offen, der «Gaggelaari» zieht sich erst mal zurück, als er vom Unglück erfährt.

Poetische Note

Auf dem Platz vor dem Bauernhaus Escholzmatt ist bis zum 24. August ein Stück zu sehen, das durch die eingestreuten Gedichte des Brienzer Mundartdichters eine poetische Note erhält.

Daniel Fueter, der Sohn der legendären Annemarie Blanc und Vater von Mona Petri, hat die Gedichte vertont. Ein Klarinettenspieler steuert weitere meist wehmütige Melodien des Komponisten bei.

Überzeugender Gesang

Die über 30 Laiendarsteller, die sich im Verein Landschaftstheater immer wieder engagieren, bescherten bei lieblichem Sommerwetter einen beschwingten Theaterabend mit nachdenklichen Momenten. Dem tat auch keinen Abbruch, dass nicht alle mit ihren Gesangskünsten völlig überzeugten.

Die Hommage an den Brienzer Dichter Streich wird im Stück selber verstärkt durch den Auftritt eines Dichters, der mit mehr oder weniger Erfolg zu Besonnenheit und Anstand mahnt. Mehr Infos gibts hier.

SDA/jzu

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