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Trotz Bussen nur geringer Lerneffekt

Vandalismus, Lärm und Abfall: Der öffentliche Raum wird immer länger und intensiver genutzt. Das bringt für die Städte auch viele Probleme. Lösungsansätze sind vorhanden, die Patentlösung gibt es aber nicht.

Ärgernis Abfallsünder: Eines der Probleme, mit dem die Städte zu kämpfen haben, ist Littering. Immer mehr Bürger werfen ihren Abfall achtlos auf den Boden.
Ärgernis Abfallsünder: Eines der Probleme, mit dem die Städte zu kämpfen haben, ist Littering. Immer mehr Bürger werfen ihren Abfall achtlos auf den Boden.
Archiv TT

Umfragen belegen es: Sicherheit und Sauberkeit sind den Schweizern enorm wichtig. Es sind die beiden zentralen Faktoren, welche die Lebensqualität bestimmen. Das haben die Städte längstens kapiert. Doch wie soll man den zunehmenden Problemen wie Vandalismus, Lärm und Abfall begegnen? Gestern trafen sich Vertreter verschiedener Deutschschweizer Städte in Aarau, um ihre Erfahrungen auszutauschen und Lösungsansätze zu diskutieren. Geladen hatte das Stadtmarketing Schweiz – die Vereinigung für Orts- und Stadtmarketing.

Probleme gleichen sich

Schnell wurde klar: So unterschiedlich die Städte von ihrer Grösse, ihrem Einzugsgebiet oder ihrer geografischen Lage auch sind, so ähnlich sind doch die Probleme. «Die Menschen sind heute viel mobiler», sagte Marcel Guignard, der Stadtpräsident von Aarau. Das bringe nicht nur Vorteile. Besonders an Wochenenden würden Städte viel Volk aus der Umgebung anziehen. «Der öffentliche Raum wird dadurch immer länger und intensiver genutzt.» Neben Lärm und Vandalismus nehme an den Wochenenden auch die Gewalt zu. «Das hat oft einen direkten Zusammenhang mit dem übermässigen Alkoholkonsum meist jugendlicher Nachtschwärmer», so Guignard.

Die Stadt Aarau hat in den letzten Monaten verschiedene Ideen umgesetzt – die meisten resultierten aus einem runden Tisch, an welchem alle Akteure aus Politik, Sport und Kultur Platz nahmen. So wurden die Polizisten mit gelben und roten Karten ausgerüstet – vergleichbar mit Fussball-Schiedsrichtern. Auf frischer Tat ertappte Abfallsünder werden nun verwarnt (gelbe Karte), Wiederholungstäter gebüsst (rote Karte). Weiter wurden die Frequenz der Putzequipen erhöht und ihre Präsenzzeiten dem Ausgangsverhalten angepasst. «Damit konnten wir in Sachen Sauberkeit einiges erreichen.»

Anonymität animiert

Zufrieden ist Guignard auch mit den mobilen Jugendarbeitern, welche «die Jugendlichen auf der Strasse angehen, anstatt irgendwo im Büro darauf zu warten, dass Teenager selber antraben würden». Gute Erfahrungen habe man auch mit speziell ausgebildeten Jugendpolizisten gemacht. «Ein grosses Problem ist die Anonymität», sagte Ralph Hurni, Leiter Sicherheit der Stadtpolizei St. Gallen. «In der Stadt wird man nicht unbedingt erkannt. Da sinkt die Hemmschwelle.» Ein Patentmittel hatte Hurni nicht, verschiedene Massnahmen hätten aber in St.Gallen gefruchtet. So seien ebenfalls Jugendpolizisten unterwegs. Erste Erfolge würde auch die umstrittene Videoüberwachung zeitigen. St.Gallen ist die erste Schweizer Stadt, die diese eingeführt hat. Auch Thun hat bereits beim Kanton ein Gesuch deponiert, um neuralgische Punkte wie den Mühleplatz überwachen zu können. «Ganz wichtig ist auch, die öffentlichen Plätze zu bewirtschaften. Es darf nicht sein, dass sie von Gruppen eingenommen werden und die Bevölkerung die Plätze dann meidet», stellte Hurni klar.

Gossau: Spucken verboten

Den restriktiven Weg hat auch eine andere Ostschweizer Stadt eingeschlagen – Gossau. Das im März neu eingeführte Polizeireglement brachte der Stadt international Schlagzeilen. Besondere Beachtung wurde dem Spuckverbot geschenkt. Aber auch dem Ausgehverbot für schulpflichtige Kinder nach 23 Uhr. «Die Aufregung hat sich unterdessen gelegt», sagte Stadtpräsident Alex Brühwiler. «Grundsätzlich wollen wir ja weder Verstösse noch Bussen.» Besonders aktiv sei man in den letzten Monaten auch im Kampf gegen das Littering gewesen. So habe man mehr und grössere Abfallkübel installiert. «Das war nicht billig, aber für etwas, das wichtig ist, hat man immer Geld.»

Von seinen Erfahrungen berichtete auch Thuns Gewerbeinspektor Reto Keller. «Wir haben Erfolge erzielt, aber auch Rückschläge erlitten.» Manchmal brauche eine Massnahme bei der Durchsetzung Zeit. Keller nannte als Beispiel die Verfolgung der Parksünder am Wochenende. «Im März wurden 600 Ordnungsbussen ausgesprochen, im Juli waren es 730. Da hat offensichtlich noch kein Lerneffekt stattgefunden.»

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