Thunfest-Absage reisst Löcher in die Kassen

Thun

Die am Dienstag beschlossene Absage des diesjährigen Thunfests macht einigen Wirten und Vereinen einen dicken Strich durch die Rechnung. Dennoch fallen die Reaktionen unterschiedlich aus.

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Festwirtschaften, Glücksräder oder Eintrittskontrollen: Thuner Wirte und Vereine profitierten in den letzten Jahren in vielseitiger Weise vom Thunfest. Dass der Anlass in diesem Jahr nicht stattfinden soll, hat denn auch für viele spürbare, wenn nicht sogar einschneidende Konsequenzen: «Für uns bedeutet der Entscheid vom Dienstag eine Einbusse von 20'000 bis 30'000 Franken», sagt Doris Leichtnam von der Bistro-Bar Ratsstübli am Rathausplatz, «das ist viel Geld. Geld, das wir nicht einfach so andersweitig erwirtschaften können.» Dementsprechend enttäuscht zeigt sie sich über den Entscheid, welchen die Mitglieder des Vereins Thunfest an ihrer Hauptversammlung fällten.

Ins Geld geht die Absage auch fürs Hotel-Restaurant Krone: «Wir nehmen mit unseren fünf Ständen jeweils mehrere 10'000 Franken ein», sagt Wirt Bruno Carizzoni, der selber als Mitglied des Vereins Thunfest für die diesjährige Streichung des Anlasses stimmte. «Es ist sicher schade, findet das Fest nicht statt», meint er, «aber der Entscheid führt jetzt vielleicht auch dazu, dass sich die Besucher bewusst werden, dass sie auch ihren Beitrag leisten und Festbändel kaufen müssen.»

Löcher in den Vereinskassen

Auch für viele Thuner Vereine ist das Thunfest eine wichtige Einnahmequelle: «Uns gehen dadurch bis zu 10'000 Franken verloren», sagt Christoph Ott, Finanzverantwortlicher des TV Allmendingen, welcher seit zwanzig Jahren eine grosse Festwirtschaft hinter dem Rathaus betreibt und Festbändel verkauft. Laut Christoph Ott entspricht der wegfallende Betrag einem Viertel des jährlichen Vereinsbudgets. «Weil unser Verein finanziell sehr gut aufgestellt ist, stürzen wir nicht gerade in eine Krise», sagt Ott, der selber im OK des Thunfests sitzt, «aber der Wegfall dieser Gelder schmerzt schon sehr.»

Finanziell weniger stark betroffen ist der Damenhandballclub Rotweiss Thun, welcher seit vielen Jahren für die Stände sowie die Zugangskontrollen in der Berntorgasse verantwortlich ist: «Zwar gingen hier in den letzten Jahren die Umsätze wegen der kleineren Acts deutlich zurück», sagt der Marketingverantwortliche Thomas Kissling. «Dennoch bedeutet der Anlass ein wichtiger Zustupf für unsere Vereinskasse.» Mit jeweils rund 20 Personen erwirtschaftete der Verein einen Gewinn von rund 3000 Franken.

«Wir bedauern den Entscheid dennoch sehr», betont Kissling, «weil das Thunfest für uns auch eine gute Möglichkeit war, uns der Öffentlichkeit zu präsentieren».

«Ein falsches Signal»

Auch Daniel Flügel vom Vorstand des Eishockeyclubs Thun bedauert den Entscheid sehr: «Wir haben in den letzten Jahren immer Festbändel verkauft», erklärt er, «uns gehen damit rund 2700 Franken in der Nachwuchskasse verloren, welche wir nun anderweitig reinholen müssen.»

Viel mehr als die finanzielle Einbusse schmerzt Flügel aber ganz allgemein die diesjährige Streichung des Thunfests: «Der Anlass ist nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor für Thun», meint er. «Die Absage sendet auch Signale aus, welche gerade ausserhalb unserer Region nicht verstanden werden.» Denn: «Viele Leute meinen, nicht ein Verein, sondern die Stadt Thun selber führe den Anlass durch.»

Auch Präsident betroffen

Auch Bäckermeister Niklaus Schönholzer, seines Zeichens Präsident des Vereins Thunfest, bleibt nicht von finanziellen Konsequenzen verschont: Wegen der Absage des Fests kann er auch nicht wie in andern Jahren Backwaren wie Brote und Mütschli an die verschiedensten Standbetreiber liefern: «Ich erleide damit eine sehr grosse, persönliche Umsatzeinbusse», sagt er.

Thuner Tagblatt

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