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Thuner Salzdepots sind bald leer

Schweizweit leeren sich die Lager an Auftausalz. Die Region Thun merkt das beim neuerlichen Wintereinbruch besonders: Denn die bestellten Salzmengen können nicht mehr geliefert werden. Die Lage ist ernst – aber nicht hoffnungslos.

Am Hauptknotenpunkt beim Bahnhof Thun ist Vorsicht geboten: Wegen Salzmangels können nicht alle Strassen und Gehsteige gesäubert werden. Da ist Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer gefragt.
Am Hauptknotenpunkt beim Bahnhof Thun ist Vorsicht geboten: Wegen Salzmangels können nicht alle Strassen und Gehsteige gesäubert werden. Da ist Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer gefragt.
Heinerika Eggermann Dummermuth

Ende Januar zeigt sich Thun erneut im Winterkleid – nichts aussergewöhnliches für das Thuner Strasseninspektorat. Jedenfalls im Normalfall; doch davon ist Roland Hensch, Leiter des städtischen Strasseninspektorats, mit seinem Team gegenwärtig weit entfernt. Der Grund liegt im baslerischen Schweizerhalle und aargauischen Riburg. Dort stehen die Vereinigten Schweizer Rheinsalinen, Staatsbesitz der Kantone und des Fürstentums Liechtenstein.

Akuter Salzmangel

«Die Schweizer Rheinsalinen produzieren mit maximaler Leistung 2200 Tonnen pro Tag. Doch die Salzlager, die Mitte Dezember noch voll waren, sind innert Monatsfrist auf rund 10000 Tonnen zurückgegangen.» Die Medienmitteilung der Rheinsalinen birgt Zündstoff. Denn die Auswirkungen sind enorm und schweizweit spürbar: Die Strasseninspektorate der Kantone und Gemeinden geben zwar laufend ihre Bestellungen ein, ausgeliefert werden jedoch nur noch Teilmengen (vgl. Kasten «Salzlieferung»).

300 Tonnen in 3 Monaten

«Für uns heisst das, sorgfältig mit den Salzressourcen umgehen und situativ entscheiden, wo es unbedingt Streusalz braucht», erklärt der Thuner Strasseninspektor Roland Hensch die lokale Problematik. Die beiden Thuner Silos und das Salzdepot in Goldiwil fassen gut 120 Tonnen Auftausalz. Seit dem ersten Wintereinbruch dieser Saison im November 2009 hat Thun bereits 300 Tonnen gebraucht. «Und wir haben erst Januar. Das letzte Salz brauchen wir in der Regel im April», schildert Marcel Joliat die angespannte Lage. Er ist einer der fünf Thuner Pikettchefs, die den Winterdienst in Thun und Goldiwil sicherstellen. Wobei Goldiwil aufgrund der Höhenlage über ein eigenes Streusalz- und Splittlager verfügt. «Aber auch bei ihnen sind die Salzressourcen äusserst knapp», sagt Joliat. Im vergangenen Winter 2008/09, der schon extrem war, brauchte die Stadt Thun von November bis April 500 Tonnen Salz.

«Langfristig können wir die normalen Konzepte für die Schneeräumung und gegen das Glatteis nicht mehr umsetzen. Denn unsere letzte Bestellung vom Mittwoch wird frühestens im Verlauf der ersten Märzwoche ausgeliefert», weiss Marcel Joliat.

Nur heikle Stellen salzen

Konkret bedeutet dies, dass die beiden Silos an der Industriestrasse in Thun zum heutigen Zeitpunkt lediglich noch 40 bis 50 Tonnen Auftausalz enthalten – ein Drittel des Gesamtvolumens, das in den vergangenen drei Monaten schon mehr als zweifach gebraucht wurde.

Was heisst aber «sorgfältiger Umgang mit den Salzressourcen» für die Einwohner? «Es bedeutet, dass wir lediglich noch die Hauptverkehrsknotenpunkte – beispielsweise den Bahnhof – und steile Rampen salzen werden», erklärt Roland Hensch, Leiter des Thuner Strasseninspektorats. Auf Nebenstrassen kommt dagegen vermehrt Splitt zum Einsatz, ebenso auf den Gehsteigen; auf dem Schlossberg und im Gwattegg setzen die Mitarbeiter des Tiefbaumamts Holzschnitzel ein. «Zucker ist bei uns derzeit kein Thema, weil die Fahrzeuge nicht für Solegemisch eingerichtet sind», sagt Marcel Joliat.

Mehr Eigenverantwortung

Er appelliert an die Eigenverantwortung der Einwohner: «Packen Sie die Stöckelschuhe fürs Büro in einen Plastiksack und ziehen Sie sich für den Fussmarsch draussen gutes Schuhwerk mit Profil an.» Autolenker sollten bei Schneefall oder Eisregen genügend Fahrzeit bei entsprechend gedrosselten Tempi einrechnen. «Und den Fahrern von Zweirädern rate ich derzeit an, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Denn die Rutschgefahr ist enorm – mit und ohne Auftausalz.»

Kehrichtabfuhr betroffen

Auch die Abfallentsorgung ist vom reduzierten Winterdiensteinsatz betroffen. «Die Kehrichtwagen fahren wenn nötig mit Ketten», weiss Marcel Joliat. Die Mitarbeiter versuchten, die Routen für die Entsorgung einzuhalten, «aber es kann zu zeitlichen Verschiebungen kommen.»

Sorgen bereiten ihm und seinem Vorgesetzten Roland Hensch zur Zeit die Wettervorhersagen. «Wenn auf den angekündigten heftigen Schneefall am Wochenende effektiv über mehrere Tage Kälte hereinbricht und allenfalls auch noch Eisregen dazu kommt, reicht unser Lager nicht mehr bis Ende Februar», weiss Hensch. Denn trotz sorgsamem Umgang mit dem verbleibenden Streusalz ist für Hensch und sein Team klar: «Das Tiefbauamt ist voll im Einsatz. Wir müssen trotz Salzmangel die Strassen so sicher als möglich unterhalten.»

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