Suppentag könnte der letzte nach über 30 Jahren sein

Thun

Seit über 30 Jahren wird in Thun Suppe für einen guten Zweck ausgeschenkt. Das nächste Mal am kommenden Freitag. Wegen der verschärften Bewilligungspraxis des Kantons steht der Anlass vor einer ungewissen Zukunft.

Am nächsten Freitag wird auf dem ganzen Thuner Gemeindegebiet Suppe für einen guten Zweck ausgeschenkt. Unter Umständen bedeutet dies gleichzeitig das Ende des über 30-jährigen ökumenischen Suppentages.

Am nächsten Freitag wird auf dem ganzen Thuner Gemeindegebiet Suppe für einen guten Zweck ausgeschenkt. Unter Umständen bedeutet dies gleichzeitig das Ende des über 30-jährigen ökumenischen Suppentages.

(Bild: Marcel Bieri)

Rund 15'000 bis 20'000 Franken kommen jedes Jahr beim Suppentag der Kirchen in Thun Akit an Spendengeldern zusammen. Geld, das jeweils in ein Projekt fliesst, welches die beteiligten Kirchen gut kennen und wo sichergestellt ist, dass das Projekt ganz oder grösstenteils durch die Spenden aus Thun realisiert werden kann.

In diesem Jahr soll ein Wasserprojekt auf dem therapeutischen Hof Pietragiolu in Korsika unterstützt werden. In anderen Jahren floss das Geld beispielsweise in den Kongo, wo vierzig verarmte Familien eine Kuh samt Stall finanziert erhielten.

Unterstützung durch ZSO

Damit die gesammelten Gelder vollumfänglich dem Gabenziel zufliessen, haben die drei evangelischen Kirchen, die christkatholische Kirche, die römisch-katholische Kirche und die Heilsarmee Thun in den vergangenen Jahren jeweils die Unkosten für die Zutaten, die Suppenbehälter und die Drucksachen im Rahmen von 2500 bis 3000 Franken selbst übernommen. Bei der Organisation des Suppentages konnten sie zudem auf die Unterstützung der Zivilschutzorganisation Thun plus zählen, welche in der Nacht vor dem Suppentag im Spital Thun über 1000 Liter Suppe zubereitete und diese anschliessend an die verschiedenen Ausschankstellen verteilte.

Kanton verschärfte Praxis

Doch damit ist jetzt Schluss: «Wir haben im vergangenen Jahr vom neuen Zivilschutzkommandanten Martin Schmid einen Brief erhalten, in welchem er uns mitteilte, dass dieser Einsatz keine Aufgabe des Zivilschutzes sei», erklärte Udo Allgaier, welcher der 20-köpfigen Arbeitsgruppe vorsteht, die alljährlich den ökumenischen Suppentag organisiert.

«Das stimmt», sagte Karin Ochsenbein, Ad-interims-Leiterin der städtischen Abteilung Sicherheit, auf Anfrage. «Der Zivilschutzeinsatz zugunsten des Suppentages entspricht nicht mehr der verschärften Bewilligungspraxis des Kantons und kann deshalb nicht mehr über den Erwerbsersatz abgerechnet werden.» In der Verordnung über Einsätze des Zivilschutzes zugunsten der Gemeinschaft stehe, dass nur Vorhaben unentgeltlich unterstützt werden dürften, welche nicht überwiegend der Geldmittelbeschaffung dienten. «Und», schliesst Karin Ochsenbein, «der Suppentag hat nun mal genau diesen Zweck.»

Hintergrund für die Neuauslegung des bestehenden Artikels, der seit 2008 gilt, sei aber nicht der Wechsel im Kommando der Zivilschutzorganisation: «Der Kommandant ist lediglich dafür zuständig, die verschärften kantonalen Vorgaben umzusetzen», so Karin Ochsenbein.

Weniger Standorte

Am kommenden Freitag, 14.März, beteiligt sich der Zivilschutz ein letztes Mal am Thuner Suppentag. An insgesamt 19 Stellen auf dem gesamten Gemeindegebiet wird die von den Zivilschützern gekochte Suppe angeboten, wobei die Kunden den Preis selber bestimmen können.

Gegenüber dem Vorjahr sind es allerdings zwei Ausschankstellen weniger: «Wir müssen leider auf den Stand im Bälliz und denjenigen im Migros-Zentrum Oberland verzichten», erklärte Udo Allgaier. «Im Bälliz hätten wir neu Mehrweggeschirr anbieten müssen, was für uns einen zu grossen Aufwand bedeutet hätte. Und von der Migros erhielten wir erst kürzlich Bescheid, dass sie nur noch eigene Aktionen in ihrem Haus durchführen wolle.» Durch den Wegfall dieser gut frequentierten Standorte rechnet Allgaier mit rund 500 Franken weniger Einnahmen.

Wie gehts weiter?

Ob all dieser Unsicherheiten steht derzeit in den Sternen, ob es auch im kommenden Jahr einen Suppentag geben wird oder ob der Suppentag 2014 das Ende der über 30-jährigen Ära darstellt.

«Wir werden alles daransetzen, damit der Anlass überlebt», sagt Udo Allgaier. «Aber wenn wir keine befriedigende Lösung finden, werden wir das Thema Suppentag endgültig abschliessen.»

Suppentag 2014: Freitag, 14. März, 10 bis 13 Uhr (zum Teil bereits ab 9 Uhr): Ausschank an 19 Stellen auf dem gesamten Gemeindegebiet. Zudem gibt es bei den verschiedenen Kirchen und Kirchgemeindehäusern die Möglichkeit, die Suppe bei einem gemeinsamen Mittagstisch zu geniessen.

Für dasselbe Gabenziel wird auch im Rahmen des Risottotages vom Samstag, 15. März (ab 16 Uhr), im Laubegge an der Feldeckstrasse 33 sowie beim Anlass «Allmendingen isst Guggershörnli» am Samstag, 29. März, ab 11.30 Uhr gesammelt.

Thuner Tagblatt

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