Südanflug: Die Einsprecher stehen am Start

Region Thun

Die Kritik am geplanten Südanflug auf den Flughafen Bern-Belp wird lauter. In Thun diskutierten Verbände und Clubs der Kleinfliegerei sowie Vertreter der betroffenen Gemeinden. Einsprachen wird es auf jeden Fall geben.

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Stuhl an Stuhl reiht sich im Flughafenbeizli in Thun aneinander – und jeder ist am Montagabend besetzt. Wer nicht sitzen kann, begnügt sich mit einem Stehplatz. Die Einladung zum Diskussionsabend der Vereine und Verbände der Kleinfliegerei bezüglich des neuen Anflugregimes, das die Betreiber des Flughafens Bern-Belp derzeit aufgelegt haben, mobilisiert nicht nur Vereinsmitglieder. Gekommen sind auch Gemeindevertreter.

Christian Markoff, Beauftragter Luftraum beim Schweizerischen Hängegleiter-Verband, nahm denn auch kein Blatt vor den Mund und meinte: «Weil das sonst übliche Mitwirken vor der öffentlichen Publikation des neuen Anflugregimes völlig fehlte, haben wir keine andere Möglichkeit, als den Rechtsweg zu beschreiten.»

«Es ist eine Frechheit»

Unterstützung erhielt Christian Markoff dabei von Beat Stierli, Vizegemeindepräsident von Thierachern: «Es ist eine Frechheit, wie die Flughafenbetreiber ihre Pläne ohne vorherige Information der betroffenen Gemeinden einfach aufgelegt haben.» Er war nicht der Einzige, der sich über das Vorgehen der Flughafenbetreiberin Alpar ärgerte. Von Hochnäsigkeit und mangelndem Augenmass etwa war die Rede. Die Vorwürfe richteten sich auch an die Adresse des Bundesamtes für Zivilluftfahrt.

«Angesichts der zurückhaltenden Kommunikation der Flughafenbetreiber ist es ziemlich schwierig, die Auswirkungen abzuschätzen», sagte Robert Homberger, Gemeinderat in Kiesen.

Wieso keine Mitwirkung?

Lobende Worte für den Diskussionsabend fand Lorenz Kopp (EVP), Gemeinderat von Steffisburg: «Jetzt wissen auch wir Politiker, worum es in technischer Hinsicht geht.» Allerdings könne er nicht nachvollziehen, warum es bei einem solchen Projekt keine Mitwirkung für die Betroffenen gegeben habe. Zumal für die Gemeinden eine Mitwirkung bei wichtigen Projekten gang und gäbe sei. Als «fürstlich aufgezeichnet» bezeichnete Daniel Hodel (SVP), Gemeindepräsident von Konolfingen, die neue Anflugschneise. Und weiter: «Das ginge bestimmt auch in einem kleineren Regime.»

Einsprache ist ein Muss

«Wir haben keine andere Wahl, als eine Einsprache zu machen, damit man sich mit uns zusammensetzt», sagte Wichtrachs Gemeindepräsident Hansruedi Blatti (FDP). Er gehe davon aus, dass die von der Flughafenbetreiberin kommunizierten acht bis zehn Anflüge pro Tag rasch zunehmen werden. Dafür spreche das kürzlich bekannt gewordene Abkommen der Alpar mit Interlaken-Tourismus, das auf Geschäftsleute aus Arabien abzielt, und die Absicht, künftig im Winter Skitouristen aus England einzufliegen. «Es ist fast sicher, dass wir uns im Aaretal mit einer Einsprache Gehör verschaffen wollen», sagte Blatti gegenüber dieser Zeitung.

Ins gleiche Horn stiess auch Beat Graf, Geschäftsführer der Gemeinde Grosshöchstetten. «Um angehört zu werden, ist eine Einsprache prüfenswert.»

Kleinflieger müssen reagieren

Wie Christian Markoff weiter aufzeigte, dürften sich mit dem neuen Anflugregime gerade in der Region Thun die Aktivitäten der motorisierten Kleinflieger verlagern (siehe Kasten). «Sie werden ausweichen müssen und vermehrt kanalisiert fliegen», sagte er. Allerdings wurde in der Diskussion auch auf den Wirtschaftsfaktor des Flughafens hingewiesen. «Es geht doch auch darum, für alle und für die Region eine optimale Lösung zu finden», betonte Wichtrachs Gemeindepräsident Hansruedi Blatti.

Mit dem neuen Anflugregime sollen ab 2015 gemäss Alpar künftig 28 Prozent der Flüge von Süden her in Belp landen. Dies entspricht rund 3300 Landungen pro Jahr.

Thuner Tagblatt

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