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Streit um Weg führt zu Unterschriftensammlung

In Wilderswil sammeltdie IG Inseli Unterschriften für die Erhaltung des Fusswegs vom Musterplatz über das Inseli zur Allmi. Doch der Weg quert die Bahnlinie. Nun wurde er aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Sibylle Hunziker
Fussgänger verboten: Ein Zaun hindert unmittelbar bei der Bahnbrücke über die Lütschine Fussgänger daran, über die Geleise der Schynige Platte Bahn und der BOB zu gehen.
Fussgänger verboten: Ein Zaun hindert unmittelbar bei der Bahnbrücke über die Lütschine Fussgänger daran, über die Geleise der Schynige Platte Bahn und der BOB zu gehen.
Susanna Michel

Auf dem Ortsplan von Wilderswil ist der Weg, der von der Wilderswiler Allmi am linken Lütschinenufer stromaufwärts führt, als «Dammweg» eingetragen. «Aber eigentlich war es der alte Kirchweg für die Leute aus dem oberen Dorfteil und auch ein wichtiges Teilstück des Wegnetzes zwischen Aenderberg, Gsteigbrücke und Lütschine», sagt Ueli von Allmen von der Interessengemeinschaft Inseli. «Die Benutzung dieses Wegs ist ein Gewohnheitsrecht. Der Weg bestand schon immer, wie ältere Anwohner bestätigen.» Und bis vor wenigen Jahren habe sogar noch eine zweite Wegvariante bestanden, eine Abzweigung entlang der Schynige Platte Bahn (SPB). Enttäuschte SpaziergängerVon Allmen selber braucht den schmalen Fussweg vom Herbst bis im Frühling praktisch täglich, um seine Schafe in der Fliesau zu versorgen. «Aber weil es hier an der Lütschine so schön ist, nutzten ihn schon immer auch sonst viele Einheimische für Spaziergänge im Naherholungsgebiet.» Für ältere Leute sei dies allerdings kaum mehr möglich, seit mit dem neuen Hochwasserschutz nach 2005 – insbesondere den Dammerhöhungen und der Höherlegung der SPB-Brücke – etliche steile, unwegsame Stellen geschaffen wurden. «Während der Bauzeit an der Brücke hiess es, der Weg sei bis Mitte April geschlossen», sagt von Allmen. «Doch zunächst warteten die Leute infolge einer Verzögerung beim Bau vergeblich auf die Öffnung. Und als der Bau fertig war, stellten wir fest, dass die Böschung zum höhergelegten Trassee mit Stauden bepflanzt worden war und offenbar keine Absicht bestand, den Weg wiederherzustellen.» Gesetz spricht gegen WegAuf Anfrage erläutert Jürg Lauper, der als Leiter Infrastruktur der Jungfraubahnen auch für die SPB und die Berner Oberland Bahnen (BOB) zuständig ist, dass es für Unbefugte seit langer Zeit durch das schweizerische Eisenbahngesetz generell verboten sei, das Bahntrassee zu betreten. «An einen Weiterbestand des bereits früher illegal benutzten Bahnüberganges ist somit schon allein aus rechtlichen Gründen nicht mehr zu denken.» Denn auf dem Weg von der Allmi über das Inseli zum Musterplatz bei der Mündung des Saxetbachs in die Lütschine müssten sowohl die SPB- als auch die BOB-Linie überquert werden. «Auch aus Sicherheitsgründen ist es völlig undenkbar, dass ein Weg über eine Bahnstrecke führt, auf der die Züge mit 65 bis 70 Stundenkilometern fahren», sagt Lauper. «Unfallbeispiele zeigen, dass eine grosszügige Haltung in solchen Fragen fehl am Platz ist.» Die Einrichtung eines neuen Bahnübergangs komme nicht in Frage – nicht nur weil die Stelle mit dem neuen SPB-Damm unübersichtlicher geworden ist, sondern auch weil der Bund bis 2014 sowieso die Schliessung beziehungsweise Sicherung aller unüberwachten Bahnübergänge fordert. «Die Lösung, die jetzt ausgeführt wurde, entspricht dem aufgelegten Bahn- und Wasserbauprojekt, das ebenfalls weder einen Dammweg noch Bahnübergänge vorsah», betont Lauper. Um dem Verbot Nachdruck zu verleihen, haben die BOB zwischen der Bahnstrecke und dem Ende des Weges nach Abschluss der Bauarbeiten Anfang Juni einen Gitterzaun erstellt. Druck für gangbaren Weg«Die Bahn stellt uns vor vollendete Tatsachen», ärgert sich Ueli von Allmen. «Wenn die Bevölkerung rechtzeitig informiert worden wäre, hätte man sicher verhandeln und mit baulichen Massnahmen etwas machen können.» Ausserdem sei auf dieser Strecke auch seit der Streckenbegradigung der BOB (die den Zügen ein höheres Tempo erlaubt) nie etwas passiert. «Und ihrem Sicherheitsdenken kann die Bahn ja mit Verbotstafeln Genüge tun, dann ist klar, dass jeder auf eigene Verantwortung die Gleise überschreitet», sagt von Allmen. «Es kann doch nicht sein, dass tagtäglich etliche Quadratmeter Grünfläche zubetoniert werden und daneben Fusswege verloren gehen.» Jetzt hofft er, mit einer Unterschriftensammlung genügend Druck für die Wiederherstellung des alten Spazierwegs aufbauen zu können. Dafür haben er und Mitstreiter von der IG Inseli an beiden Enden des umstrittenen Wegstücks Flyer aufgehängt. «Sie können doch nicht einfach einen Weg aufheben, der auf allen Karten bis hin zur 1:25000-Karte des Bundesamtes für Landestopografie verzeichnet ist», sagt von Allmen. Weg oder nicht?Nach Auskunft des Wilderswiler Bauverwalters Ernest Germann handelt es sich aber weder um einen offiziellen, von der Gemeinde unterhaltenen Wanderweg noch um einen öffentlichen Weg. Auch bei der Strecke zwischen der Allmi und den Bahngleisen soll künftig klar markiert werden, dass es sich nicht um einen öffentlichen Weg handelt, wie Robert Zingrich, Präsident der Schwellenkorporation Bödeli Süd, auf Anfrage bestätigt. «Ich verstehe zwar, dass die Leute an diesem idyllischen Uferabschnitt hängen.» Aber die Sicherheit gehe vor. Auch hier sieht Ueli von Allmen aber kein Problem: «Wenn befürchtet wird, jemand könnte vom Weg über die hohe Blocksteinmauer herunterfallen, könnte man die Strecke mit einem Zaun ohne weiteres sichern.»

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