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Stollen in Thun ist erstmals im Notfallbetrieb

Starke Regenfälle liessen Bäche und Flüsse im Oberland massiv anschwellen und über die Ufer treten. Bahnstrecken und Strassen mussten gesperrt werden. Der Pegel des Thunersees überschritt die Alarmgrenze. Seit Montagnachmittag fliesst erstmals seit der Testphase Wasser durch den Hochwasserstollen.

Tosende Wassermassen beim Ausfluss des Thuner Hochwasserstollens im Schwäbis: Am Montag stand der Stollen erstmals im Ernstfall in Betrieb.
Tosende Wassermassen beim Ausfluss des Thuner Hochwasserstollens im Schwäbis: Am Montag stand der Stollen erstmals im Ernstfall in Betrieb.
Patric Spahni

Es ist eine Premiere, auf die niemand gewartet hat: Gestern nahm das Amt für Wasser und Abfall (AWA) des Kantons Bern erstmals den Thuner Hochwasserstollen im Ernstfall in Betrieb. «Es fliesst sehr viel Wasser in den Thunersee», sagte Bernhard Schudel, Leiter der Abteilung Gewässerregulierung. Dies habe dazu geführt, dass am frühen Montagmorgen sämtliche Schleusen in Thun vollständig geöffnet wurden – und dass das AWA am Nachmittag um 15 Uhr den Stollen in Betrieb nahm. «Dies muss sukzessive geschehen, um die weiter aareabwärts gelegenen Gebiete nicht zu gefährden», führte Schudel aus.

Um 16 Uhr schossen 45 Kubikmeter pro Sekunde durch den Hochwasserstollen von der Schiffländte beim Bahnhof zum Ausfluss im Schwäbis, eine Stunde später war das Maximum von 100 Kubikmetern pro Sekunde erreicht. Zusammen mit den offenen Schleusen ergossen sich insgesamt rund 400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Thunersee. Laut Bernhard Schudel wird der zulässig maximale Ausfluss mittels automatischer Steuerung geregelt – abhängig vom weiteren Einzugsgebiet zwischen Thun und Bern mit Zulg und Gürbe. «Der Betrieb des Stollens klappt wie vorgesehen», konnte Schudel weiter vermelden.

Seepegel auf 558,08 m ü.M.

Der Thunersee erreichte gestern um 15 Uhr die Alarmgrenze von 558 Metern über Meer. Innerhalb von nur 15 Stunden war der Pegel um 20 Zentimeter gestiegen und lag noch knapp 30 Zentimeter unter der Hochwassergrenze von 558,30 m ü.M. Bis am Abend erreichte der Thunersee die Marke von 558,08 m ü.M. Der Pegel des Brienzersees kletterte vom frühen Montagmorgen bis am gestrigen Abend gar um über 60 Zentimeter auf 564,44 m ü.M. – lag damit aber noch knapp einen Meter unter der Hochwassergrenze von 565,30 m ü.Meer.

Bernhard Schudel sprach von einem «massiven Anstieg» in den Oberländer Bächen, Flüssen und Seen: «Meteo Schweiz hatte eine Regenwarnung herausgegeben. Welcher Anteil des Niederschlages aber wie schnell abfliesst, ist praktisch nicht vorherzusehen.» Die Wetterprognosen für die folgenden Tage seien gut, weitere Niederschläge sollten ausbleiben – allerdings werde mit der Wärme Schmelzwasser nachkommen. «Wie viel weiss niemand. Das müssen wir im Auge behalten.» Klar ist: «Schleusen und Stollen bleiben vollständig offen, bis es eine Trendumkehr gibt und der Seepegel deutlich sinkt», betonte Bernhard Schudel.

«Situation nicht dramatisch»

Das Gemeindeführungsorgan Thun kommt in Katastrophen und Notlagen zum Einsatz. Dessen Chef Hugo Räz sieht im Moment aber keinen Handlungsbedarf. «Die Situation ist nicht dramatisch», sagte er gestern auf Anfrage. Er verfolge die Prognosen derzeit aktiv und bleibe in ständigem Kontakt mit den Partnerorganisationen wie etwa der Polizei, der Feuerwehr und dem Zivilschutz. Bern habe richtigerweise entschieden, den Hochwasserstollen in Thun zu öffnen. Hugo Räz geht davon aus, dass die Zuflüsse in den Thunersee bald wieder abnehmen werden. Die Situation beunruhige ihn deshalb kaum.

Was ihm eher Sorgen macht, ist die Schneeschmelze in den Bergen, die mit dem angekündigten Temperaturanstieg in den nächsten Tagen einhergeht.

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