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Spektakulärer Steinbau - Fund in Saanen

Bei Rettungsgrabungen im Dorfkern von Saanen kamen mittelalterliche Steinbauten zum Vorschein: Der Archäologische Dienst des Kantons Bern rätselt noch, ob es sich um eine grosse Burg oder um zwei Herrschaftshäuser handelt.

In den letzten zwei Monaten hat der Archäologische Dienst im südlichen Teil einer Liegenschaft an der Dorfstrasse in Saanen Rettungsgrabungen und Untersuchungen am erhaltenen Mauerwerk durchgeführt. «Dabei zeigte es sich, dass im bestehenden Gebäude Überreste eines mächtigen Steinhauses des 13./14. Jahrhunderts stecken», schreibt der Kanton in einer Mitteilung von gestern. Der Bau wies Aussenmasse von elf mal elf Metern bei einer Mauerstärke von 1,25 Meter auf. Seine einstige Höhe war beträchtlich. Die erhaltene Westmauer erreicht noch immer zehn Meter.

Ein mächtiger Bau

Dort befindet sich eine Abbruchkrone. Diese zeigt, dass der Bau einst noch höher gewesen sein muss. Vier bis fünf Geschosse sind denkbar. Zum ursprünglichen Bestand zu rechnen sind ein Fenster und die Erschliessung von der Strassenseite sowie ein zweites, später vermauertes Tor in der Mitte der Ostseite. Zu einem noch nicht genau bestimmten Zeitpunkt muss das Innere des Steinbaus um einen guten halben Meter angehoben worden sein. Möglicherweise wollte man so dem hohen Grundwasserspiegel entkommen. Das Innere war durch Balkenlagen, Bretterböden und Holzdecken gegliedert. Diese verkohlten und stürzten in einem gewaltigen Feuer ein. Vermutlich war der Dorfbrand von 1575 die Ursache.

Noch ist offen, welche Funktion der Steinbau hatte. Typologisch handelt es sich um ein turmartiges Gebäude. Eine Deutung wird durch die Tatsache erschwert, dass dieses Gebäude nicht allein für sich steht, sondern westlich ein weiteres Haus, das Alte Landhaus, anschliesst. Dieses ist, wie die Archäologen seit einer Ausgrabung im Jahr 2008 wissen, ebenfalls ein mächtiger Steinbau aus dem Mittelalter, eine Art Palas aus der Zeit um 1400 mit einem Saal im Obergeschoss. Man vermutete damals, es müsse sich um die Niederlassung des örtlichen Vertreters der Grafen von Greyerz handeln.

Archäologen vor Rätsel

Noch können sich die Archäologen den neuen, turmartigen Steinbau nicht erklären. Was sollen zwei aneinander gefügte Steinbauten dieser Dimension? Ist der eine die Residenz des Vertreters des klösterlichen Kirchherrn, des Cluniazenser Priorates Rougemont und der andere Bau das bereits erwähnte Sässhaus des weltlichen Grundherrn? Oder handelt es sich um zwei Bauten eines Ensembles, einer gewaltigen Burg mitten im Dorf? Antworten auf diese Fragen sollen die Auswertungsarbeiten von Funden, Befunden und eine erneute Sichtung der Schriftquellen – oder auch weitere archäologische Aufschlüsse – liefern.

«Die Archäologen sind erfreut, dass der Eigentümer der Liegenschaft zusammen mit dem Architekten, dem Archäologischen Dienst und den Gemeindebehörden nach Möglichkeiten suchen will, im Erdgeschoss des Neubaus die wichtigsten Zeugnisse des mächtigen Steinbaus zu integrieren und damit der Nachwelt zu erhalten», steht in der Mitteilung.

pd/bst

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