So verändert der Schwund der Gletscher die Landschaft

Alle im Oberland beobachteten Gletscher zogen sich auch in der jüngsten Messperiode 2011/2012 zum Teil massiv zurück: Der Steinlimmigletscher überrascht mit einem Rekordschwund von 842 Metern.

  • loading indicator

Riesige Eismassen vom Stein- und vom Steinlimmigletscher prägten im Sommer 1904 die Gebirgslandschaft im Sustengebiet. Bis in die 1850er-Jahre reichte die über 100 Meter hohe Zunge des Steingletschers bis zum Hotel Steingletscher. Heute hat sich dort die Landschaft komplett verändert: Die beiden Gletscher haben sich um Hunderte von Metern zurückgezogen; ab 1940 bildete sich in der Ebene der Steinsee, eingebettet in der mittlerweile grünen Moränenlandschaft.

Apropos grün: Forscher sind so zum Ergebnis gekommen, dass das Sustengebiet während der Römerzeit vermutlich bis auf die Höhe der Tierberglihütte (2795 m ü.M.) eisfrei war. Glaubt man den Glaziologen, so wird das in rund 100 Jahren wieder der Fall sein (wir berichteten). Jedenfalls geht der Rückzug der Gletscher derzeit offenbar unaufhaltsam weiter: Nach dem jüngsten, im SAC-Heft «Die Alpen» veröffentlichten Kryosphärenbericht* für die Messperiode 2011/2012 befanden sich 92 von 95 beobachteten Gletschern in der Schweiz auf dem Rückzug. Zwei Gletscher veränderten ihre Zungenposition nicht, und nur beim Lavazgletscher GR wurde ein Vorrücken um Zwei Meter gemessen. Rund zwei Drittel der Rückzugswerte liegen zwischen –1 und –30 Metern. Bei den Berner Oberländer Gletschern sticht ein Wert heraus.

Steinlimmigletscher mit Rekordschwund von 842 Meter

842 Meter zog sich der Steinlimmigletscher zwischen Herbst 2011 und Herbst 2012 zurück – das ist ein Rekordwert. «Der massive Schwund am Steinlimmigletscher steht im Zusammenhang mit einer Entwicklung über die letzten zehn Jahre», hält Mitautor Andreas Bauder im Bericht fest. «Der Gletscher wird entlang seiner Zunge von zwei Zuflüssen gespeist, welche sich über das letzte Jahrzehnt sukzessive ausgedünnt haben. Nun haben sie den Kontakt verloren, sodass sich das Zungenende des Hauptarms schlagartig um eine sehr grosse Distanz nach hinten verschoben hat», erklärt ETH-Glaziologe Bauder. Die Länge des Steinlimmigletschers hat sich damit seit Messbeginn im Jahr 1961 von 2872 auf 1527 Meter fast halbiert.

Gauli- und Steingletscher: Schwund gebremst, aber...

Von den anderen Gletschern im Oberland liegen der Kander- (–37 Meter) und der Tschingelfirn (–37) sowie der Gauli- (–91) und der Steingletscher (–72) über den Durchschnittswerten. Die beiden letzteren liegen neben dem Steinlimmigletscher derzeit an der Spitze der Schwundwerte – diese wurden allerdings gegenüber den Vorjahren etwas gebremst. Der Steingletscher zog sich in den beiden Vorperioden um 122 respektive 155 Meter zurück. Seit 2001 verlor er rund 600 Meter Länge und seit Messbeginn im Jahre 1893 rund 800 von damals 4531 Meter.

Der Gauligletscher verlor in den letzten sechs Jahren zwischen 78 und 196 (2010) Metern. Seit 2001 zog er sich um 863 Meter zurück und seit Messbeginn im Jahre 1958 um rund 1240 von damals 6688 Metern. Rekordhalter beim totalen Längenverlust bleibt schweizweit der Triftgletscher: Er zog sich seit 2001 um 914 Meter zurück; total verlor er seit Messbeginn im Jahre 1861 rund 3000 von damals 7674 Metern.

Von den übrigen Gletschern in der Schweiz weist in der neusten Messperiode nur der Glacier de Corbassière VS (–146) einen ausserordentlich grossen Schwundwert auf.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...