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Skiweltcup: «Sie sind an ihre Grenzen gestossen»

Die 85. Lauberhornrennen sind Geschichte. Der mutige Schachzug mit der Verschiebung der Abfahrt war ein gewaltiger Kraftakt für alle Beteiligten. Der Geschäftsleiter zieht eine erste Bilanz.

Der Rückbau der 100 Tonnen schweren Zuschauertribüne im Zielraum ist einen Tag im Verzug. Doch die Verschiebung des Abfahrtsrennens auf den Sonntag erfordert nicht nur in der jetzigen Abbauphase längere Einsatzzeiten von Militär und Zivilschutz. Arg gefordert waren alle Beteiligten – und auch das Publikum. Die Organisatoren erfuhren aber sehr viel Verständnis.
Der Rückbau der 100 Tonnen schweren Zuschauertribüne im Zielraum ist einen Tag im Verzug. Doch die Verschiebung des Abfahrtsrennens auf den Sonntag erfordert nicht nur in der jetzigen Abbauphase längere Einsatzzeiten von Militär und Zivilschutz. Arg gefordert waren alle Beteiligten – und auch das Publikum. Die Organisatoren erfuhren aber sehr viel Verständnis.
Bruno Petroni
Büro im Ausnahmezustand: Auch bei Geschäftsleiter Markus Lehmann ging in den letzten Tagen einiges drunter und drüber.
Büro im Ausnahmezustand: Auch bei Geschäftsleiter Markus Lehmann ging in den letzten Tagen einiges drunter und drüber.
Bruno Petroni
Wie schon durch den Tag fiel auch während der Siegerehrung Schnee auf die Zuschauer.
Wie schon durch den Tag fiel auch während der Siegerehrung Schnee auf die Zuschauer.
Manuel Lopez
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Sie pokerten hoch – und gewannen: Die Organisatoren der Lauberhornrennen entschlossen sich letzten Mittwoch aufgrund der schlechten Wetterprognosen, die legendäre Lauberhornabfahrt vom Samstag auf den Sonntag zu verschieben. Dies nach 2008 zum zweiten Mal in der Lauberhorngeschichte. «Doch der Rattenschwanz, den diese Programmänderung nach sich zog, ist unendlich lang», sagt Markus Lehmann.

Suche nach einem Flugplatz

Der Geschäftsleiter der Lauberhornrennen versucht zu erklären, was mit dem Begriff «Mehraufwand» infolge der Verschiebung gemeint ist: «Wohl am grössten war die Belastung für die rund 400 mit der Pistenpräparierung betrauten Helfer», so Lehmann. Diese seien bei ihren Einsätzen selbst in den Nachtstunden «wirklich an ihre Grenzen gestossen». Für sie war der Samstag der schlimmste Tag, «denn sie hätten sowohl die Abfahrtspiste von Neuschnee räumen als auch den Slalomhang unterhalten sollen».

Dies hatte unter anderem grosse Auswirkungen auf die Verpflegung und Unterbringung dieser Helfer, was wiederum grosse Flexibilität der Zulieferer erforderte – und so weiter. «Hoch zu und her ging es auch beim Ticketing, wo mit diversen Drittverkaufsstellen Absprachen nötig waren. Sponsoren und über 50 Partnerfirmen mussten ihre Hospitality-Gäste für den Sonntag ‹umbuchen›, die Patrouille Suisse musste für die Verschiebung ihrer Flugshow einen der am Sonntag geschlossenen Militärflugplätze motivieren, eine Extraschicht zu schieben – was schliesslich in Sitten gelang.»

Flexible Jungfraubahnen

Herausstreichen möchte Markus Lehmann aber auch die «unglaublich grosse Leistung der Jungfraubahnen, die ihr ganzes Personal und Rollmaterial umdisponierten, die Sportpässe änderten und sich bei den durch die Verschiebung entstehenden Logistikproblemen extrem tolerant zeigten». Insgesamt dürften mehrere Zehntausend Personen in irgendeiner Form durch die Planänderung betroffen gewesen sein.

Lehmann: «Wenn wir nicht überzeugt gewesen wären, dass wir uns blind auf unseren Helferstab verlassen können, wären wir dieses Wagnis der Abfahrtsverschiebung niemals eingegangen. Einen grossen Kranz möchte ich übrigens auch dem Publikum widmen, das alle Auswirkungen der Programmänderung gelassen hinnahm und stets ruhig und friedlich blieb.»

Die Terminrochade wird das Lauberhorn-OK wohl geschätzte 300'000 Franken kosten. Der Geschäftsleiter geht deshalb davon aus, dass das veranschlagte 6,8-Millionen-Budget nicht eingehalten werden kann. «Mehr dazu wissen wir in gut einem Monat.»

«Übersicht verloren, aber...»

Nicht aus der Ruhe zu bringen war selbst letzte Woche der von Natur aus stoische Guido Meyer. Der Betreiber des Hotels Regina ist schon seit über 15 Jahren für die Organisation der Unterkünfte zuständig: «Klar haben wir die Übersicht aufgrund des Programmwechsels rasch mal verloren; am Mittwoch und Donnerstag hatten wir hier ein Megaghetto. Aber irgendwie klappte es schliesslich trotzdem. Reklamationen haben wir jedenfalls keine bekommen. Alle wollten ja eigentlich dasselbe, nämlich ein Abfahrtsrennen. So waren alle froh, dass wir die Abfahrt am Sonntag schliesslich durchführen konnten.»

Über 150 Soldaten und 40 Zivilschutzdienstleistende sind diese Woche noch mit dem Abbau der 1500 Tonnen Material beschäftigt. Alles muss ins Tal hinunter. Bis zum nächsten Jahr. Bis zum 86. Lauberhornrennen. Bis zum nächsten Chrampf.

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