Sagen Adelbodner Ja zu Millionenprojekten?

Adelboden

Drei Geschäfte stehen am 9. Februar in Adelboden zur Abstimmung. Zwei mit finanziellen Folgen: der Kauf eines Burn+Künzi-Areals für einen neuen Werkhof sowie der Ersatzbau für das alte Gemeindehaus.

Der heutige Werkhof der Burn+Künzi-Bauunternehmung: Die Liegenschaft ist von zwei Seiten erschlossen – links die Zu- und Wegfahrt zum Parkplatz der Sillerenbahn.

Der heutige Werkhof der Burn+Künzi-Bauunternehmung: Die Liegenschaft ist von zwei Seiten erschlossen – links die Zu- und Wegfahrt zum Parkplatz der Sillerenbahn.

(Bild: Corina Kobi)

Die Meinungen sind offensichtlich noch nicht gemacht: Sowohl zum Kauf des Burn+Künzi-Werkhofes durch die Gemeinde als auch zum Ersatzbau des alten Gemeindehauses wurden am Infoanlass am Freitag kritische Stimmen laut. Bei Letzterem soll das gemeindeeigene, baufällige Gebäude an der Dorfstrasse durch einen modernen Neubau ersetzt werden. Wie Gemeinderat René Müller ausführte, haben der Kanton und der Heimatschutz die Einwilligung gegeben, das eigentlich erhaltenswerte Haus zu ersetzen.

Geplant sind im Erd- und Untergeschoss Ladenflächen, in den oberen drei Etagen sind fünf 3-Zimmer-Alterswohnungen vorgesehen. Kostenpunkt für die Gemeinde: 3,55 Millionen Franken. Diskussionen gab es zu den Anlieferungsmöglichkeiten für das Ladenlokal und der Höhe der Mieten (inklusive Nebenkosten circa 1800 Franken, im Dachgeschoss circa 2300 Franken), die als zu hoch für Adelboden bezeichnet wurden. René Müller stellte klar, dass das Projekt kostendeckend betrieben werden müsse und es «keine subventionierten Sozialwohnungen an bester Lage» geben werde. Über die Gestaltung des Gebäudes und der Fassade werden wohl noch weitere Diskussionen vor der Abstimmung folgen...

Mehr Platz für Gemeinde

Keine klare Zustimmung oder Ablehnung war auch für das zweite Millionengeschäft zu bilanzieren. Die Adelbodner Baufirma Burn+Künzi legt ihre Werkhöfe in Oey-Diemtigen zusammen. Dies bestätigt VR-Präsident Erwin Burn auf Anfrage. «Dies macht wirtschaftlich Sinn, da der Grossteil des Umsatzes ausserhalb des Tales gemacht wird. Hauptsitz wird jedoch Adelboden bleiben.» So wird der bisherige Werkhof (4300 m2, davon 2300 m2 nutzbares Gewerbeland) an der Zufahrt zum Sillerenbahn-Parkplatz frei. Adelboden sucht seit langem einen Ersatz für den eigenen Werkhof und die Feuerwehr, die am Katharinenplatz mitten im Dorf platzmässig am Limit sind. Auch die dezentral verteilten Lagerräume der Wegequipe sind für eine effiziente Arbeit hinderlich. So kam die Burn+Künzi-Offerte vor rund einem Jahr gerade recht. Abgestimmt wird nur über den Kauf der Liegenschaft für 2,4 Millionen Franken, doch Gemeinderat Markus Gempeler zeigte auf, was später geplant ist: Der Gemeindewerkhof zieht in die bestehenden und baulich angepassten Räume. Für die Feuerwehr würde eine neue Halle angebaut. Kostenpunkt für das Gesamtpaket Liegenschaft/Neubau: rund 5 Millionen Franken.

Für den Gemeinderat hat die Liegenschaft sogar strategische Bedeutung: Man hätte für das geplante Trottoir in Richtung Boden bereits das Land erworben, könnte die Zufahrt Silleren-Parkplatz sichern (die Bahn hat ein Wegrecht), und zudem könnte diese Zufahrt eine wichtige Rolle im noch immer nicht abgeschlossenen Gesamtverkehrskonzept spielen. «Auch deshalb wollen wir das Grundstück eigentlich nicht aus den Händen geben.» Erwin Burn bestätigt, dass durchaus auch andere Interessenten vorhanden wären.

Die Diskussion drehte sich um den Kaufpreis, die möglichen Nutzungen und um fehlende Ideen, was nach einem Umzug mit dem Gebäude am Katharinenplatz passieren soll. Ein weiteres Angebot – der Werkhof der Bauunternehmung Schranz «I de Stude» – sei zu klein, begründete Gempeler die Konzentration auf das Schützenweidli-Gelände. Bedenken zum Standort äusserte ein Feuerwehrvertreter, der die Ausfahrtssituation bemängelte. «Man würde besser auf der nicht weit entfernten gemeindeeigenen Schützenmatte ein Blaulichtzentrum mit SAC, Ambulanz, Feuerwehr und Helikopterlandeplatz planen.» Dass die heutige Situation schlecht ist, wird allen klar, die das Gedränge während des Weltcups in der Dorfstrasse erleben. Ein Ausrücken ist so praktisch unmöglich.

Berner Oberländer

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