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Russische Schmuck-Räuber vor Gericht

In Interlaken hat am Donnerstag der Prozess gegen zwei Russen begonnen, die im März 2007 eine Bijouterie im Berner Oberländer Ferienort überfallen hatten. Die Angeklagten erbeuteten Uhren und Schmuck im Wert von über 1,6 Mio. Franken.

Ursprünglich waren drei Männer am Überfall auf das Uhren- und Schmuckgeschäft an der Interlakner Flaniermeile beteiligt. Da der dritte Komplize noch flüchtig ist, wurde sein Verfahren von demjenigen seiner Komplizen abgetrennt.

Den beiden nun vor Gericht stehenden Russen wird gemäss Überweisungsbeschluss unter anderem Raub unter Offenbarung besonderer Gefährlichkeit und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Kurz nach 10 Uhr am Vormittag hatten die drei Männer das Geschäft betreten. Sie bedrohten die anwesenden Angestellten mit einer täuschend echt aussehenden Pistole. Der Staatsanwalt sprach am Donnerstag bei der Befragung von einer Schreckschusspistole. Dann fesselten die mutmasslichen Täter die anwesenden Angestellten mit Klebeband und räumten das Geschäft aus.

«Für Auftraggeber gearbeitet»

Bei der Befragung vor dem Kreisgericht Interlaken-Oberhasli gaben beide Männer an, für einen Auftraggeber gearbeitet zu haben. Den Namen wollte keiner der beiden preisgeben, «zum Schutz unserer Familien in Russland», wie beide betonten.

Vor Ort sei man von einem Mann, den man mit «Master», also Meister, anzusprechen hatte, zum Schmuckgeschäft gefahren worden. Dann habe man den Raub ausgeführt. Mit der Beute sei man nach Paris gereist, wo man sie dem Meister übergeben habe.

Der jüngere der beiden Angeschuldigten muss sich ausserden wegen eines ähnlichen Raubüberfalls auf eine Bijouterie in Montreux VD verantworten. Er beging diese Tat zusammen mit einem anderen Komplizen. Dort erbeutete das Duo Uhren und Schmuck im Wert von rund 420 000 Franken.

Der jüngere Angeschuldigte gab vor Gericht in Interlaken an, mit den Überfällen rund 10 000 US-Dollar verdient zu haben. Das Geld habe er benötigt, um Spital- und Medikamentenkosten für seine kranke Tochter zu bezahlen.

Der ältere Angeschuldigte erzählte, er habe mit dem Verdienst aus dem Raub Spielschulden teilweise begleichen können. Er ist in Russland vorbestraft wegen Diebstahls und Hooliganismus, wie er zu Protokoll gab.

Bis zu fünfeinhalb Jahre gefordert

Der Staatsanwalt forderte für den jüngeren Angeschuldigten eine Freiheitsstrafe von 5,5 Jahren und für den anderen 4,5 Jahren. Kriminaltourismus in die Schweiz dürfe sich nicht lohnen, argumentierte er.

Die Verteidiger forderten für ihre Mandanten teilweise bedingte Freiheitsstrafen von 2,5 und 3 Jahren. Die Männer seien nur mit soviel Gewalt wie nötig vorgegangen, argumentierten sie.

Die beiden Angeschuldigten befinden sich in unterschiedlichen Vollzugsanstalten, wo sie ihre Strafe vorzeitig angetreten haben. Das Urteil wird für Freitag erwartet.

SDA/mus

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