Reaktionen: Genugtuung im Simmental, Frust im Saanenland

Berner Oberland

Die Vertretung aus dem Simmental zeigt sich mit dem Entscheid des Verwaltungsrats zufrieden. Im Saanenland siehts anders aus.

Anne Speiser, Hans-Jörg Pfister, Thomas Knutti, Aldo Kropf, Bethli Küng und Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (von links nach rechts).

Anne Speiser, Hans-Jörg Pfister, Thomas Knutti, Aldo Kropf, Bethli Küng und Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (von links nach rechts).

(Bild: Archiv BO)

Svend Peternell

Meistens lag der Verwaltungsrat der Spital STS die letzten Jahre mit seinen Spitalentscheidungen auf der Seite des Saanenlands. Diesmals frohlockte das Simmental. Anne Speiser, Gemeinderatspräsidentin von Zweisimmen, meinte, dass die vorliegende Lösung mit stationären Angeboten an beiden Standorten «für beide Talschaften Chancen und Risiken» enthalte. Vor allem aber hob sie die Sicherstellung der regionalen Spitalgrundversorgung hervor. Sie sah den vom Regierungsrat beeinflussten regionalpolitischen Entscheid vor dem Hintergrund «einer geladenen Vergangenheit des Simmentals», das in den letzten Jahren immer wieder etwas ans Saanenland abgeben musste. Sie hofft, für beide Talschaften eine Erfolgsstory schreiben zu können.

Grossrat Hans-Jörg Pfister (FDP, Zweisimmen) begrüsste die Lösung und gab zu, erstmals wieder mit Beat Straubhaar, CEO der Spital STS, gesprochen zu haben. Er fand den Entscheid des Regierungsrats im letzten Juni, den Spital-Neubau in Saanenmöser fallen zu lassen, in Ordnung. «Die Grundversorgung erlebt einen ständigen Umbruch und fast jede Region ist unzufrieden.» Er stellte die Frage, ob das Spitalversorgungsgesetz noch zeitgemäss sei. «Ich werde meine Leute im Tal dazu motivieren, vom Spital oder Gesundheitszentrum Zweisimmen Gebrauch zu machen.»

Dankbar über den «langersehnten Entscheid» zeigte sich auch Thomas Knutti, Grossrat (SVP, Weissenburg) und Präsident der IG Spitalversorgung Simmental-Saanenland. Vor allem habe er nicht verstehen können, dass die 20'000 m² Bauland beim Spital Zweisimmen dem Neubau auf Saanenmöser hätten weichen müssen. «Es darf nicht sein, dass das Simmental zu den ewigen Verlierern zählt. Für den Standort der stationären Versorgung muss neben der Qualität ebenso die Zugänglichkeit eine wichtige Rolle spielen. Das Spital Zweisimmen lässt sich als klein, aber fein vermarkten.»

Enttäuschung und Frust waren den Voten aus dem Saanenland zu entnehmen. «Wir haben den Entscheid geschluckt, billigen ihn aber nicht, da er jeder Grundlage entbehrt», sagte etwa Aldo Kropf, Gemeinderatspräsident von Saanen. «Es ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir setzen aber alles daran, damit es für unsere Bevölkerung das Beste hergibt.» Schwer zu schlucken ist für Kropf, «dass der Regierungsrat seine Kompetenzen überschritten und sich jetzt zurückgezogen hat. Die beste Lösung wäre der Spitalneubau in Saanenmöser gewesen. Jetzt hat der Regierungsrat von den drei Lösungen die schlechteste gewählt – und das in einer Zeit, in der die Kosten aus dem Ruder laufen!» Er erwartet aber auch, dass der Standort Saanen neu evaluiert wird, wenn der wirtschaftliche Erfolg des Standorts Zweisimmen ausbleiben sollte.

«Der arme Kanton Bern ist der einzige Kanton, der einen solchen Entscheid fällen kann», kritisierte auch Grossrätin Bethli Küng (SVP, Saanen) das Einmischen des Regierungsrats. Namentlich machte sie die SP-Vertreter Philippe Perrenoud und Barbara Egger sowie Jürg Käser (FDP) dafür verantwortlich. «Die rund 40'000 Gäste, die in der Hochsaion das Saanenland aufsuchen, orientieren sich westwärts und werden das Spital in Zweisimmen nicht befruchten», warnte sie schon einmal vor.

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