Ratlosigkeit nach dem Nein der Bergschaft

Grindelwald

Wie weiter mit dem V-Projekt? Nach dem Nein der Bergschaft ringen der CEO der Jungfraubahnen und die Bergschaftspräsidentin um Antworten. Dezidiert äussert sich hingegen der VR-Präsident der Männlichenbahn.

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Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen, gab sich nach dem Nein der Bergschaft Wärgistal wortkarg: «Wir bedauern den negativen Entscheid der Bergschaft Wärgistal insbesondere, weil sich über die Hälfte für das Projekt ausgesprochen hat. Mit 70 Ja- und 41 Nein-Stimmen haben wir die nötige Zweidrittelmehrheit knapp verfehlt.» Fragen nach der Zukunft des V-Projekts liess er unbeantwortet. Denn in ein paar Tagen steht die nächste grosse Versammlung an: Am 24. Oktober müssen die Stimmbürger von Grindelwald über das Projekt befinden.

Marianne Bomio-Rubi, Bergschaftspräsidentin, erklärte: «Man weiss jetzt nicht, wie es weitergeht, wir müssen jetzt erst einmal die Gemeindeversammlung von Grindelwald, aber auch jene von Lauterbrunnen abwarten.» Gründe für die Ablehnung wollte sie nicht nennen. Nur so viel: «Die Versammlung lief gesittet ab, es gab keine grosse Diskussionen zum Projekt.» Nun gelte es den Entscheid zu respektieren (siehe Kasten. «Wir haben in der Schweiz schliesslich noch Meinungsfreiheit.»

112 Bergteiler waren da

Die Bergschaft Wärgistal hatte im März dieses Jahres im Grundsatz die Rahmenbedingungen für den Baurechts- und Dienstbarkeitsvertrag zwischen der Wengernalpbahn AG und der Bergschaft im Grundsatz bejaht. Die zwischenzeitlichen Anpassungen wurden an der Versammlung den 112 Anwesenden nochmals erläutert, wie Bergschaftskassier Hans Martin Bleuer gestern erklärte.

Dennoch wurde das Projekt abgelehnt: Die für eine Zustimmung zum Vertrag erforderliche Zweidrittelmehrheit der Stimmen und der vertretenen Kuhrechte (gemäss Artikel 103 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches wurde mit 62 Prozent und 56 Prozent nicht erreicht.

Gemeindepräsident Emanuel Schläppi war ferienhalber abwesend und für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In einer Mitteilung der Verwaltung von gestern hiess es: «Eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent der Stimmberechtigten sprach sich dabei für die Annahme des für die Bergschaft Wärgistal wichtigen Vertrages aus. Die Gemeinde Grindelwald wertet dieses Ergebnis als positives Zeichen für die ausserordentliche Gemeindeversammlung vom 24. Oktober.»

In Lauterbrunnen wird die ordentliche Gemeindeversammlung am 27. Oktober planmässig durchgeführt: Gemeindeschreiber Anton Graf: «Wir haben unter den zwölf Traktanden noch andere Geschäfte.» Und die Abstimmung betreffe Pistenanlagen, die unabhängig vom V-Projekt realisiert werden könnten. «Da liegt der Ball dann bei den Jungfraubahnen.» Appell an die Stimmbürger

Der Verwaltungsratspräsident der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen, Andreas Kaufmann, erklärte gestern: «Das Projekt hat einen Dämpfer erlitten, gestorben ist es sicher noch nicht.» Nun gelte es zu mobilisieren, damit wirklich alle Bürger ihr Stimmrecht wahrnehmen würden. «Das Projekt scheiterte an der Zweidrittelmehrheit. Je nachdem, wie die Gemeindeversammlung ausfällt, werden wir mit den Bergschaftern sicher nochmals zusammensitzen, um herauszufinden, wo der Schuh noch drückt.»

Den Plan B der Männlichenbahn, deren Konzession 2016 ausläuft, umschreibt Kaufmann so: «Sicher können wir die Konzession für relativ viel Geld nochmals verlängern, das Problem der alten Bahn wäre damit aber nicht gelöst.»

Das sagen Tourismus und Politik

Peter Egger, Präsident von Grindelwald Tourismus, sagte gestern: «Wärgistal hat sich ausgesprochen und positioniert, das finden wir positiv.» Etwas stossend findet er die Tatsache, dass eine Minderheit der rund 2800 Stimmberechtigten über die Zukunft eines ganzen Tales befindet. «Dennoch muss der demokratische Entscheid respektiert werden.» Man blicke seitens Tourismus aber positiv auf die Versammlung von nächster Woche und sei überzeugt, dass gemeinsam im Dialog mit den Bergschaften doch noch eine Lösung gefunden werde.

Ins selbe Horn stiess auch Adolf Ogi, Alt-Bundesrat und Präsident der V-Projekt-Begleitgruppe, am letzten Samstag in dieser Zeitung: «Ich gehe davon aus, dass der Entscheid von Wärgistal nicht abschliessend bindend ist für die Gemeindeversammlung und für das weitere Vorgehen. Man müsste bei einem Ja der Gemeinde und einem Nein der Bergschaft eine Lösung finden.»

Berner Oberländer

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