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Protest: Wegen Kraftwerk soll Fluss trockengelegt werden

Im Rosenlauital will die BKW am Reichenbach ein weiteres Kraftwerk bauen und den Fluss auf 2,5 Kilometern praktisch trockenlegen. Touristiker, Alpinisten und Umweltschützer wehren sich dagegen und haben einen Verein gegründet.

Dieser Bach soll fürs Kraftwerkprojekt Schattenhalb 4 genutzt werden.
Dieser Bach soll fürs Kraftwerkprojekt Schattenhalb 4 genutzt werden.
Ulrich Krummenacher

Bereits vor 250 Jahren wurde das wildromantische Rosenlauital von zivilisationsmüden Menschen entdeckt, und seine Wasserfälle und tosenden Fluten wurden mit Bildern und Berichten weltberühmt. Seit den Jahren 1901 beziehungsweise 1926 wird der Reichenbach mit seinen gewaltigen Wasserfällen durch zwei neu erstellte Kraftwerke zur Stromproduktion genutzt, die beide zurzeit durch die moderne Zentrale Schattenhalb 3 ersetzt werden. Im Weiteren wurde dann aber der Fluss – ausser der Nutzung durch einige Kleinkraftwerke von einheimischen Kraftwerkbesitzern – in Ruhe gelassen, sodass der obere Reichenbach sich als wilder und unberührter Bachlauf mit hohem touristischem Wert erhalten konnte. Jetzt soll damit aber Schluss sein.

Idylle soll zu Ende gehen

Im Jahr 2000 hat die BKW FMB Energie AG die Elektrowerke Reichenbach (EWR) gekauft und plant, mit einer Investition von 40 Millionen Franken nun ein weiteres Kraftwerk – Schattenhalb 4 – zu erstellen. Sollte dieses Werk einmal ans Netz ge-hen, wäre es mit dem rauschenden Wildbach vorbei. Der Reichenbach würde auf einer Länge von 2,5 Kilometern zwischen Gschwandtenmaad und Zwirgi praktisch trockengelegt. Die BKW FMB Energie AG will das Konzessionsgesuch für dieses Projekt in Kürze auflegen.

Eine Gruppe Touristiker, Alpinisten und Umweltschützer aus dem Oberhasli hat nun beschlossen, den wildromantischen Bach und den Kraftort des touristischen Rosenlauitals vor diesem «Grossangriff», wie sie sagen, zu retten, und dazu einen Verein gegründet.

«Massive Eingriffe»

«Wir befürchten sowohl während der Bauzeit und nachher massive Eingriffe ins Tal und stark steigende Immissionen», erklärte am Sonntag Christine Kehrli, die zusammen mit ihrem Mann im Sommer das Hotel Rosenlaui betreibt. Für den Bau müsste die heute bescheidene Strasse ausgebaut werden, was wohl auch in den folgenden Jahren zu massivem Mehrverkehr führen würde. Das Ausbruchmaterial aus den Druckstollen müsste im Tal deponiert werden. Und der tosende Wildbach, das Markenzeichen des Tals und Magnet für Naturfreunde, verschwände praktisch unter dem Boden.

Dabei konnte sich das Tal in den letzten Jahren wohl gerade wegen seiner romantischen Wildheit über steigende Übernachtungen freuen. «Wir sind überzeugt, dass die regionale Wertschöpfung von Schattenhalb 4 den grossen landschaftlichen Verlust nicht aufwiegt.»

«Was uns bliebe, wäre wohl ein Allerweltstal, wie es sie zu Dutzenden gibt», meinen die Gegner des Projekts. «Materielles verzehrt sich mit der Zeit. Aber wertvolle Landschaften wie das Rosenlauital müssen wir erhalten», meint die gebürtige Haslerin Annika Holzer aus Bern überzeugt. Mit den Verantwortlichen der EWR fand gestern Montag eine Besprechung statt. Die BKW hingegen habe das Projekt in aller Stille ausgearbeitet und bis heute den Kontakt zur Bevölkerung nicht gesucht, werfen die Gegner dem Energiekonzern vor. Sobald das Projekt offiziell aufgelegt wird – Christine Kehrli schätzt etwa Mitte Jahr –, werde man gegebenenfalls mit Einsprachen reagieren.

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