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Oberhofner Schützen ohne Heimat

Die Oberhofner Schützen dürfen ihre Schiessanlage ab sofort nicht mehr benützen. Schuld ist ein Formfehler, der vor über 60 Jahren begangen wurde. Nun hoffen die Oberhofner auf Asyl bei den Thuner Schützen.

Bleiben die Fensterläden des Schützenhaus Rinderstall in Oberhofen für immer zu? Was mit dem 1947 erbauten Häuschen passiert, ist noch unklar. Sicher ist nur: Geschossen werden darf hier nicht mehr.
Bleiben die Fensterläden des Schützenhaus Rinderstall in Oberhofen für immer zu? Was mit dem 1947 erbauten Häuschen passiert, ist noch unklar. Sicher ist nur: Geschossen werden darf hier nicht mehr.
Patric Spahni

Eigentlich hätte in der Oberhofner Schiessanlage Rinderstall in wenigen Wochen die neue Saison eingeläutet respektive eingeschossen werden sollen. Doch daraus wird nun nichts: Die Schützengesellschaft (SG) Oberhofen darf ihre Anlage ab sofort nicht mehr benützen. Dies teilte gestern die Gemeinde mit. Bewirkt hat das plötzliche Aus ein Anwohner, der sich jahrelang gegen den Schiesslärm gewehrt hatte. Ein Aussöhnungsversuch zwischen ihm und den Schützen vor dem Gericht in Thun blieb ohne Erfolg. Die Schützengesellschaft Oberhofen hat sich nun dazu verpflichtet, den Schiessbetrieb in der 300-Meter-Anlage Rinderstall einzustellen.

Unentdeckter Fehler

Der eigentliche Grund, dass der Anwohner seine Forderung so leicht durchsetzen konnte, liegt skurrilerweise in einem Formfehler, der vor mehr als 60 Jahren begangen worden war. Bis vergangenes Jahr blieb dieser allerdings unentdeckt und entfaltete seine Wirkung somit jetzt erst.

Die Schiessanlage Rinderstall befindet sich oberhalb von der Burghalte. Zwischen Schützenhaus und Scheibenstand liegt ein Graben, in dem die Liegenschaft des lärmgeplagten Anwohners steht. «1947, als unser Schützenhaus gebaut wurde, trafen die Schützengesellschaft und die Gemeinde mit dem damaligen Eigentümer – dem Vater des heutigen Besitzers – eine Vereinbarung», erklärt Paul Christener, Schiesssekretär der SG Oberhofen. In dieser wurde festgehalten, dass Schüsse über besagtem Grundstück erlaubt sind. Diese sogenannte «Überschussdienstbarkeit» hätte allerdings, um rechtlich wirksam zu sein, durch den Liegenschaftsbesitzer im Grundbuch eingetragen werden müssen.

Es blieb allerdings beim Konjunktiv. Die Dienstbarkeit wurde nie im Grundbuch festgehalten, es blieb bei der vertraglichen Vereinbarung. «Warum, lässt sich heute, über 60 Jahre später, nicht mehr mit Sicherheit sagen», sagt der Schützenvertreter. Fest steht nur so viel: Sowohl die Schützengesellschaft wie auch die Gemeinde gingen in all den Jahren davon aus, dass rechtlich alles sauber geklärt sei. Besonders ärgerlich für beide: Bis 1957 hätten Gemeinde und Schützen die Möglichkeit gehabt, den Eintrag ins Grundbuch einzufordern.

30 Jahre lief alles gut

Trotz des Formfehlers: Das Nebeneinander der Schützengesellschaft mit ihrem vermeintlichen Vertragspartner lief während mehr als 30 Jahren problemlos. Dessen Sohn, der die Liegenschaft später übernahm, fühlte sich vom Lärm dann allerdings gestört und versuchte sich ab den 90er-Jahren dagegen zu wehren. «Wir liessen unsere Schiessanlage 1993 zwar lärmtechnisch sanieren», sagt Paul Christener.

Das Problem: Gegen das laute Geräusch, das ein Geschoss in der Luft verursacht, helfen keine baulichen Massnahmen. Und genau von diesem Geschossknall fühlte sich der Anwohner gestört. «Wir verstanden, dass er sich belästigt fühlte, konnten aber keine Massnahmen ergreifen», sagt Christener. Hinzu kam: Die Schützen gingen nach wie vor davon aus, dass die Überschussdienstbarkeit im Grundbuch eingetragen und sie somit im Recht waren.

Im Mai vergangenen Jahres dann der Schock: In einem Schreiben wurden die Schützen vom Anwalt des Anwohners auf den fatalen Formfehler hingewiesen. «Damit war klar, dass wir rechtlich keine Chance haben», sagt Paul Christener. Bis zum Aussöhnungsversuch vor Gericht hätten sie allerdings noch die Hoffnung gehabt, dass sich die endgültige Schliessung womöglich noch verhindern liesse. «Oder dass wir zumindest eine letzte Saison bleiben können.» Doch daraus wurde nichts; die beiden Parteien konnten sich nicht einigen. Das Resultat: Die Oberhofner Schützen müssen sich für die neue Saison, die im März beginnt, nach einem neuen Schiessplatz umsehen (siehe Kasten).

Gutes Einvernehmen

Nach 63 Jahren das Aus – «das ist für einige unserer Mitglieder, die hier jahrzehntelang geschossen haben, emotional eine schwierige Sache», sagt Paul Christener. Wütend sind die Schützen über den Anwohner aber nicht, wie der Sekretär der Schützengesellschaft betont. «Uns war klar, dass die Lärmbelastung für ihn sehr gross war.» Und: Die heutige Situation habe sich die Schützengesellschaft durch das Versäumnis bis zu einem gewissen Grad selber eingebrockt. «Nun müssen wir das Beste daraus machen.»

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