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Nationalratskandidat wegen Hitlergruss im Clinch mit der Justiz

Der Berner Nationalratskandidat Jonas Schneeberger machte den Hitlergruss in einer KZ-Gedenkstätte. Die deutsche Justiz ist alarmiert.

Bis vor kurzem noch Kontakte zur Neonaziszene gepflegt: Jonas Schneeberger (links) in eindeutiger Pose vor dem KZ Buchenwald. (Screenshot der «SonntagsZeitung».)
Bis vor kurzem noch Kontakte zur Neonaziszene gepflegt: Jonas Schneeberger (links) in eindeutiger Pose vor dem KZ Buchenwald. (Screenshot der «SonntagsZeitung».)

Jonas Schneeberger wird es wohl bald mit der deutschen Justiz zu tun bekommen: Vom jungen Schweizer Demokraten und Berner Nationalratskandidat ist ein Foto aufgetaucht – das der «SonntagsZeitung» vorliegt – die ihn im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald in der Nähe des Krematoriums mit Hitlergruss zeigen – vor einem Bild von Opfern des Nationalsozialismus.

Die Gedenkstätte Buchenwald hat Kenntnis vom Vorfall. Ein Mitarbeiter übergab das Material vor zwei Wochen der Polizei in Weimar. «Die Behörden haben mir versichert, dass sie die nötigen Schritte einleiten werden», sagt er zur «SonntagsZeitung». In Deutschland ist das Präsentieren von Nazisymbolik ein Offizialdelikt und kann mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe gebüsst werden.

«Ich bereue das»

Schneeberger selber beteuert, mit seiner braunen Vergangenheit abgeschlossen zu haben: «Ich bereue das.» Er habe sich damals von seinen Kameraden «mitreissen lassen». Recherchen zeigen aber, dass der Jungpolitiker noch bis vor kurzem Kontakte mit dem Neonazi-Milieu pflegte. So fiel der Jungpolitiker im Jahr 2006 dadurch auf, dass er ein Neonazi-Konzert im Raum Grenchen organisierte. Den Anlass schenkte er sich damals selbst zum Geburtstag, wie Recherchen des Journalisten und Rechtsextremismus-Experten Hans Stutz zeigen.

Andreas Beyeler, Chef der Berner Sektion der Schweizer Demokraten, hat von der «SonntagsZeitung» erfahren, dass sich sein Schützling so in Pose warf. «Das ist abstossend», sagt er. Mit Nazis habe seine Partei nichts zu tun. «Wir haben ein patriotisch-schweizerisches Gedankengut.» Er werde nächste Woche mit Schneeberger das Gespräch suchen.

Für diese Zeitung war der Kandidat der Schweizer Demokraten gestern bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. Andreas Beyeler, bernischer Kantonalpräsident der SD, ging ebenfalls trotz mehreren Versuchen nicht ans Telefon. Gegenüber der «SonntagsZeitung» erklärte er, man werde das Gespräch mit Schneeberger suchen.

«Man muss mit ihm reden»

Ebenfalls auf der Liste der SD ist Jakob Jäggi aus Kandersteg. «Mit Neonazis haben wir nichts zu tun», sagte er. Die Sonntagspresse suche stets, bis sie etwas Schlagzeilenträchtiges gefunden habe. Der Vorfall sei sicher nicht so schlimm, wie darüber berichtet werde. Er selber habe noch vor dem Mauerfall die KZ-Gedenkstätte besucht. «Es war sehr beeindruckend», sagte Jäggi. Jonas Schneeberger müsse seine Kandidatur nun nicht sofort zurückziehen. «Man muss mit ihm reden und dann weiterschauen», sagte der Kandersteger.

BO/mrs, sum

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