Nach Rassismus-Vorwurf: Holländischer Sinterklaas in Interlaken

Interlaken

Trotz der UNO-Kritik: Am Donnerstag wird der holländische Sinterklaas zusammen mit seinen schwarzen Helferinnen in Interlaken wieder viele Kinder – und wohl auch Erwachsene – erfreuen.

Der Interlakner Sinterklaas mit einem «zwarte Pieten».

Der Interlakner Sinterklaas mit einem «zwarte Pieten».

(Bild: Mirjam Mettler)

Der Sinterklaas, die holländische Version des Samichlaus, ist seit neunzehn Jahren auch in Interlaken heimisch. Wie jedes Jahr kommt er am morgigen 5.Dezember um 16.23 Uhr mit dem Zug am Bahnhof-West an – traditionsgemäss in Begleitung von drei «zwarte Pieten». Und eben diese schwarzen Helfer sind nun in die Kritik der Vereinten Nationen UNO geraten.

Die Vorsitzende einer UNO-Expertenkommission bezeichnete die Konstellation des Sinterklaas mit seinen an Sklaven erinnernden schwarzen Pieten als rassistisch und stellte das Fest an sich infrage. «Das hat in Holland für einen Aufschrei gesorgt, und auch meinem Anlass hier in Interlaken einen leicht bitteren Vorgeschmack vermittelt. Dieser Rassismusvorwurf ist doch grotesk», erklärt Bart Stapel, der das Fest in der Brasserie 17 organisiert.

Und er glaubt auch nicht, dass das mediale Echo auf den UNO-Vorwurf seinem morgigen Anlass gross schadet. «Er wird durchgeführt wie eh und je: In den letzten Jahren haben jeweils 200 und 300 Personen das Fest besucht.»

Für die EKR kein Thema

Für Martine Brunschwig Graf, Präsidentin der eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), ist die Aufregung um die schwarzen Gehilfen des Sinterklaas kein Thema. Sie habe von der Diskussion in Holland gehört, sehe aber nicht ein, warum das in der Schweiz debattiert werden sollte. «Die Idee dieser Tradition ist nicht rassistisch. Ich hatte am Samstag ein Treffen mit afrikanischen Leuten, da wurde dieses Thema jedenfalls nie angesprochen», meinte die Genferin gestern am Telefon gegenüber dieser Zeitung.

Die Legende des Sinterklaas mit seinen Helfern aus Afrika sei in Holland tief verwurzelt, betont der von dort stammende Bart Stapels. Demnach bringen die «zwarte Pieten» den Kindern die Geschenke, indem sie vom Dach durch den Kamin in die Wohnungen hinuntersteigen.

«In den Niederlanden wird das Fest in den Familien, den Schulen und Vereinen sowie auch mit prominenten Fernsehshows richtiggehend zelebriert. Und es ist entsprechend ein Riesengeschäft.» Er finde es richtig, wenn die kolonialistische Vergangenheit Hollands aufgearbeitet werde. «Aber damit hat der Sinterklaas nichts zu tun.»

Auf einem weissen Pferd

Kinder bis acht Jahre würden an den auf einem Schimmel daherreitenden Sinterklaas und seine Helfer glauben, dabei aber sicher keine rassistischen Gedanken entwickeln, ist Stapel überzeugt. «Ich selber habe etwa als Zehnjähriger einen Korken angebrannt, um dann damit mein Gesicht zu schwärzen.»

Morgen nun wird er also am Bahnhof von vielen Kindern erwartet werden und dann auf dem weissen Pferd zum Restaurant Brasserie 17 an der Rosenstrasse reiten. Unterwegs verteilen die «zwarte Pieten» – es sind in diesem Falle schwarz geschminkte Frauen – holländische Süssigkeiten.

Um 17.30 Uhr geht das Fest für die kleineren Kinder zu Ende. Den grossen Kindern und Erwachsenen wird der Sinterklaas am Abend mit der Dutchman Blues Band ein original holländisches 5.-Dezember-Fest bescheren.

Berner Oberländer

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