Mountainbiker kämpfen für legale Strecken

Region Thun

Seit Jahren versucht der Verein Bikepark Thunersee offizielle Downhillstrecken für Mountainbiker zu erstellen. Doch bisher ohne Erfolg. Und jetzt droht mit dem neuen, verschärften Waldgesetz weiteres Ungemach.

Wilder Ritt auf dem Mountainbike während dem Homberg Race: Die Realisierung eines Bikeparks in der Region Thun steht in den Sternen,

Wilder Ritt auf dem Mountainbike während dem Homberg Race: Die Realisierung eines Bikeparks in der Region Thun steht in den Sternen,

(Bild: Christoph Kummer)

Samuel Hunziker ist enttäuscht. Er sitzt in seinem Velogeschäft Acefactory in Thun an einem Tisch. Vor ihm liegen verschiedene Dokumente, unter anderem Streckenpläne. Drei Projekte von Bikeparks wollte Hunziker realisieren. Wollte. Denn daraus wird vorderhand nichts. Die Behörden haben ihm und seinen Mitstreitern vom Verein Bikepark Thunersee einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Es ist frustrierend. Alle sprechen davon, etwas für die Jungen zu machen. Wenn es dann aber konkret wird, geht nichts mehr.»

«Die Fakten fehlten»

Die erste Absage erteilte die Burgergemeinde Thun. Sie ist Eigentümerin des Waldes zwischen Goldiwil und Thun, in welchem die Bikestrecken hätten durchführen sollen. «Das Hauptproblem ist, dass der Wald in Stadtnähe bereits jetzt intensiv genutzt wird. Wenn noch Biker dazukämen, wären Konflikte vorprogrammiert», sagte Burgergemeindeverwalter Christoph Spichiger letzten Sommer, als die Anfrage von Seiten der Biker kam. «Das Argument ist für mich nicht schlüssig», sagt Samuel Hunziker. «Wenn es klar definierte Downhillstrecken gibt, dann fahren die Biker dort und nicht irgendwo anders. Wir könnten sie konzentrieren.»

Einen Schritt weiter kamen die Initianten bei einem zweiten Vorhaben zwischen Heiligenschwendi und Hilterfingen. Es gab Gespräche zwischen der Burgergemeinde Hilterfingen und den Leuten um Hunziker. «Wir möchten gerne mithelfen, etwas für junge Menschen zu realisieren», sagte Burgergemeindepräsident Konrad Berger zu Beginn der Verhandlungen. An der letzten Versammlung entschieden sich aber die Burger, die ausgestreckte Hand zurückzuziehen. «Vieles blieb an der Oberfläche, uns fehlten die konkreten Fakten», sagt Berger. So sei nie ein genauer Streckenplan präsentiert worden, auch vermisste er einen Nachweis für die Gelder, die von Seiten des Vereins hätten bereitgestellt werden müssen. «Die Idee ist sympathisch, aber die Idee alleine reicht einfach nicht», sagt Berger.

Etwas anders beurteilt Samuel Hunziker die Lage. «Wir haben ein 13-seitiges Dossier eingereicht.» Er gibt aber zu, dass der Wunsch nach einem genauen Streckenplan nicht erfüllt wurde. «Eine exakte Planung kostet 4000 Franken. Wir wollten nicht so viel Geld investieren, wenn die Gefahr besteht, dass das Projekt dann doch nicht realisiert werden kann.» Der ungefähre Streckenplan hätte aus seiner Sicht gereicht, um einen Grundsatzentscheid zu fällen. Weiter habe der Verein in schriftlicher Form bestätigt, ein Sperrkonto mit 10'000 Franken für den allfälligen Rückbau der Strecke zu hinterlegen. «Die Burgergemeinde Hilterfingen hat eine grosse Chance vertan», sagt auch Steve Klopfenstein, Vizepräsident des Vereins Bikepark Thunersee. «Der Wildwuchs an illegalen Downhillstrecken wird unkontrollierbar.» Wenn ein Unfall passiere, hafte die Burgergemeinde als Eigentümerin. «Mit einer legalen Bikestrecke würde der Verein haften», sagt Klopfenstein.

Finanzierung in der Schwebe

Der Verein hätte die Finanzierung des Baus und Unterhalts einer Downhillstrecke für drei Jahre übernommen – rund 250'000 Franken. «Es gab keine Sicherheiten, dass das Geld hätte aufgetrieben werden können», sagt Burgergemeindepräsident Berger. «Es macht keinen Sinn, mit Sponsoren Verträge in dieser Höhe für ein Projekt zu machen, das noch nicht bewilligt ist. Wir hätten sowieso erst mit dem Bau begonnen, wenn die Finanzierung steht», hält Hunziker entgegen. «Wieso das ein Grund zur Ablehnung sein soll, ist absolut unklar.» Und er setzt noch einen drauf: «Der Verein ist eine Non-Profit-Organisation und verdient damit keinen roten Heller.»

So oder so: Die Downhillstrecke zwischen Heiligenschwendi und Hilterfingen bleibt vorläufig auf dem Status Idee. Die Türe ganz zuschlagen mag Konrad Berger aber nicht. «Wenn der Verein konkrete Abklärungen mit dem Kanton macht und das Einverständnis einholt sowie eine Finanzierung garantieren kann, sind wir bereit, wieder über das Projekt zu diskutieren.»

Viele Landbesitzer

Ob der Verein in dieser Angelegenheit noch einmal vorstössig wird, bleibt offen. «Im Augenblick beschäftigt uns vor allem, dass nur im Kanton Bern das Waldgesetz verschärft werden soll und die Biker damit noch mehr eingeschränkt werden», sagt Hunziker. «Dagegen wollen wir uns wehren.»

Ziemlich klar ist dagegen, dass das dritte Projekt des Vereins, einen Bikepark in der Region Goldiwil–Schwendibach–Steffisburg zu errichten, eine Kopfgeburt bleibt. «Es gibt sehr viele Landbesitzer, das macht eine Umsetzung fast unmöglich», gibt sich Hunziker pessimistisch.

Thuner Tagblatt

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