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Licht und Wasserwerk AG erhöht Preise massiv

Strom und Wasser in Kandersteg werden massiv teurer. Die Öffnung des Elektrizitätsmarkts und Investitionen in die Trinkwasserversorgung werden als Gründe genannt. Aber: Viele sind hässig, weil die Information nicht klappte.

Die Strom- und Wasserbezüger in Kandersteg werden sich kaum über die Post vom 23.September 2008 gefreut haben: Die Licht- und Wasserwerk AG Kandersteg (LWK) kündigte im damaligen Kundenbrief an, die Strom- und Wasserpreise per 1.Oktober massiv zu erhöhen. Mit den bisherigen Einnahmen könne nicht einmal die Hälfte der zukünftig anfallenden Gesamtkosten gedeckt werden, so die LWK. Am Stammtisch sorgen die kurzfristigen schlechten Neuigkeiten zurzeit für rote Köpfe und hitzige Debatten.

Neue Marktbedingungen...

Das neue Bundesgesetz über die Stromversorgung (StromVG) und die Stromversorgungsverordnung (StromVV) schufen neue Regeln im Strommarkt: Die Versorgungsbetriebe müssen die Strompreise aktuell nach diversen Positionen wie Netznutzung, Energielieferung oder Abgaben an die Gemeinde aufteilen. Diese Aufteilung soll die Preisgestaltung der Anbieter transparenter machen, bedeutet für Letztere aber einen erheblichen Mehraufwand mit Kostenfolgen. Kosten, die auf den Stromkonsumenten abgewälzt werden. Die LWK erwähnt auch die weltweit steigenden Energie- und Rohstoffpreise als Mitgrund für ihren Preisaufschlag.

...und neues Tarifmodell

Neuerungen gibts zudem bei der Wasserabrechnung. Nach sogenannten Belastungswerten (BW) wird nun bestimmt, wie viel das Trinkwasser einen Haushalt kostet. Die Belastungswerte berechnen sich nach der Anzahl an Wasserinstallationen eines Hauses – wie Waschbecken, WCs oder Brunnen.

Der Haken daran: «Die frühere Berechnungsart nach der Anzahl Zimmer kam für Einfamilienhäuser günstiger», so Hans-Rudolf Grossen, Leiter Finanzen der LWK. Denn: Aussenhahnen, Brunnen oder eigene Waschmaschine bedeuten jetzt deutliche Mehrkosten für den Hausbesitzer. Auch nötige Neuinvestitionen führen zu höheren Wasserpreisen: Die generelle Wasserversorgungsplanung 2006 sieht Arbeiten am Weissenbach und an der Grundwasserfassung im Holzspicher vor. Die Wasserrechnung der LWK ist seit Jahren defizitär, wurde aber bis anhin aus dem Energiegeschäft quersubventioniert. Das ist mit der Liberalisierung im Strommarkt nicht mehr länger möglich.

Unmut in der Bevölkerung

Wieso also der Unmut in Kandersteg, wenn die Fakten unausweichlich scheinen? Das neue Tarifmodell beim Wasser kann zu absurden Situationen führen: So kostet das Wasser für ein leeres Ferienhaus mehr als jenes einer Eigentumswohnung, deren Besitzer dreimal am Tag badet und ständig die Waschmaschine laufen lässt. Die Lösung dafür wären Wasserzähler. Dazu Grossen: «Diese hätten jedoch weitere Investitionen von mehreren hunderttausend Franken erfordert, die auf den Kunden abgewälzt werden müssten. Der Verwaltungsrat hat sich deshalb vorläufig dagegen entschieden.»

Reichlich später Infobrief

Unzufrieden sind die Kandersteger auch mit der Informationspolitik der LWK: Der Kundenbrief vom September fasst Fakten zusammen, die schon seit Ende Juli bekannt sind. Hans-Rudolf Grossen gibt zu, «dass wir da einen Bock geschossen haben». Die LWK wird künftig finanzielle Rückstellungen tätigen müssen, um das teilweise hundertjährige Hauptleitungsnetz zu sanieren und die Werterhaltung der Trinkwasserversorgung zu garantieren. Als Fazit gilt für den Strom und das Wasser in Kandersteg in jedem Fall: In Zukunft werden die Endnutzer deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen, um das nötige Licht im Wohnzimmer und das warme Wasser in der Badewanne zu haben.

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