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Lang ersehnte Kinderarztpraxis öffnet

Eltern aus der Region Spiez können aufatmen: Anfang März eröffnet im Zentrum Terminus die lang ersehnte Kinderarztpraxis – als Filiale des Thuner Praxiszentrums Familienmedizin. Die Suche war lang – und der gewählte Weg ein spezieller.

Das Zentrum Terminus in Spiez: Ab März wird Kinderärztin Juliane Meng-Hentschel im rechten Gebäude-Hauptteil praktizieren.
Das Zentrum Terminus in Spiez: Ab März wird Kinderärztin Juliane Meng-Hentschel im rechten Gebäude-Hauptteil praktizieren.
Jürg Spielmann

«Seid ihr bei einen Kinderarzt untergekommen?» Solches und Ähnliches fragten sich viele junger Eltern aus Spiez und den angrenzenden Tälern. Grund: Seit März 2008 und der Pensionierung des Spiezer Kinderarztes Jürg Schild herrschte in diesem Bereich der ärztlichen Grundversorgung ein akuter Notstand. Dr. Schild musste seine Praxis letztlich nach 31-jähriger Tätigkeit schliessen, weil sich keine Nachfolge finden liess. Zahlreiche Eltern aus Spiez wie dem Kander- und Simmental suchten fortan ihr Glück bei Pädiatern in Interlaken und Thun – nicht immer mit Erfolg. Wegen voller Auslastung der Ärzte fanden nicht alle Jungpatienten Aufnahme. Vornehmlich in ländlicheren Regionen können Eltern für die medizinische Versorgung des Nachwuchses auch auf die bewährte Hilfe von Allgemeinpraktikern zählen.

Patienten ab Mitte März

Die Situation dürfte sich nun – zumindest in der Region Spiez – entspannen. Am 1. März öffnet im bahnhofsnahen Zentrum Terminus eine Kinderarztpraxis ihre Türen. Wie Dr. med. Richard Rordorf vom «Praxiszentrum Familienmedizin» in Thun auf Anfrage sagt, wird Kinderärztin Juliane Meng-Hentschel – nach einer kurzen Vorbereitungsphase – ab Mitte März Patienten empfangen. «In Spiez entsteht eine kleine Filiale unseres Thuner Praxiszentrums.» In Letzterem an der Aarefeldstrasse 19 wirken sechs Mediziner unter einem Dach. Mit Dr. Fatimah Saehrendt ist nebst Hausärzten auch eine Kinderärztin mit an Bord. «Unser Konzept sieht vor, dass sich die Ärzte um die medizinischen Belange kümmern können und das Operative und Strategische in Thun gemacht wird.» Rordorf sagt, dass so «unternehmerisch optimiert» praktiziert werden könne. Das Modell, an dem er viele Jahre gearbeitet habe, sei gelebte Familienmedizin in zweierlei Hinsicht. «Es ist medizinische Grundversorgung für Familien zu breiten Öffnungszeiten übers ganze Jahr – und es ist eine taugliche Familienmedizin für die Familien der Ärzte.» Das Praktizieren sei dadurch auch Teilzeit arbeitenden Müttern möglich. Denn: «60 Prozent der jungen Ärzte sind heute Frauen.» Richard Rordorf glaubt, dass sich dank Teilzeitmodellen dieser Art künftig auch ausreichend Hausärzte für die Grundversorgung finden lassen.

Spital und Spiez sei Dank

Beat Straubhaar, CEO der Spital STS AG, sieht es ähnlich: «Gemeinschaftspraxen sind die Zukunft.» Dass es in Spiez in Kürze wieder ein pädiatrisches Angebot gibt, daran ist er nicht «unschuldig». Ebenso die Gemeinde Spiez. Der Spitalgruppen-Leiter klärt auf: «Jürg Schild hatte mich gefragt, ob wir nicht einen Nachfolger für ihn hätten.» Man hatte nicht. Zusammen mit dem Gemeinderat Spiez suchte die Spital STS AG fortan nach Lösungen. «Das war sehr schwierig», gesteht Beat Straubhaar. Franz Arnold, Spiezer Gemeindepräsident, sagt, das sei ein Thema gewesen, welches den Gemeinderat schon längere Zeit beschäftigt habe. «Und nun bis zur Praxiseröffnung einige Zeit in Anspruch genommen hat.»

Dabei haben die Partner STS und Gemeinde einen nicht alltäglichen Weg gewählt. Zur Sicherung des Standortes, wie Arnold sagt, erwarb man gemeinsam die frei werdenden Praxisräume des Gynäkologen Dr. Joseph A. Balmer im «Terminus». Man habe dokumentieren wollen, wie wichtig eine Kinderarztpraxis am Standort Spiez sei. «Die Gemeinde hat dafür ein Darlehen von 150'000 Franken geleistet», sagt Franz Arnold. Rund die Hälfte des Kaufbetrags. Weil Ärzte für eine Praxis-Eröffnung oft von hohen Investitionen abgeschreckt würden, wäre laut dem Gemeindepräsidenten auch denkbar gewesen, die Räumlichkeiten an einen Kinderarzt zu vermieten. Doch es sollte anders kommen. «Wir waren der Türöffner. Die Ärzteschaft hat die Praxisräume käuflich erworben – und wir haben die Beteiligungen damit wieder abgegeben», erklärt Beat Straubhaar. Wie der STS-CEO sagt, sei mit der Praxisgemeinschaft vertraglich vereinbart worden, dass in den Räumen eine Kinderarztpraxis betrieben werde. Signiert haben den Kontrakt die Spital STS AG, die Gemeinde Spiez und die Ärzteschaft.

Ab sofort melden

Dr. Richard Rordorf beantwortet jene Frage, die viele Eltern unter den Nägeln brennen dürfte. «Termine für die Kinderarztpraxis in Spiez kann man ab sofort bei uns in Thun vereinbaren.» Die Nummer: 033 224 00 80. Die Spiezer Rufnummer soll später publiziert werden. Auch später sieht Dr. Rordorf vor, das Pädiator-Angebot weiter auszubauen. «Ziel wäre es, in Spiez und Thun dereinst je 150 Kinderarzt-Stellenprozente zu haben – aufgeteilt auf vier Ärzte.» Obwohl nun in Spiez eine Angebotslücke geschlossen wird, rechnet der Allgemeinmediziner nicht mit einem Grossansturm. «Die Grundversorger auf dem Land machen eine gute Kinder- und Familienmedizin. Ohne die Hausärzte nach alter Schule, die sich Tag und Nacht engagieren, funktioniert die Grundversorgung schlicht nicht. Wir leisten nun eine Ergänzung und sorgen für eine Entlastung.»

Die wurde in Spiez herbeigesehnt. «Wir sind sehr, sehr froh. Der Gemeinderat nimmt die Eröffnung mit viel Genugtuung und Freude zur Kenntnis.» Franz Arnold spricht vielen Eltern aus dem Herzen.

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