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Keine Patentlösung im Nachtlärm-Streit

Junge Nachtschwärmer, Wirte, Anwohner und Politiker diskutierten an einem Podium über Möglichkeiten, um dem zunehmenden Nachtlärm entgegen zu wirken. Eines wurde klar: Eine Patentlösung hat niemand auf Lager.

Sie diskutierten Lösungen: (v.l.) Anwohner Ralph Gluch, «Krone»-Direktor Bruno Carrizoni, Gemeinderat Peter Siegenthaler, Gewerbeinspektor Reto Keller, Moderator Patrick Minder, FDP-Stadträtin Franziska Gyger sowie Tim Stauffer, Nora Läng und Lukas Lanzrein von Thun rockt!
Sie diskutierten Lösungen: (v.l.) Anwohner Ralph Gluch, «Krone»-Direktor Bruno Carrizoni, Gemeinderat Peter Siegenthaler, Gewerbeinspektor Reto Keller, Moderator Patrick Minder, FDP-Stadträtin Franziska Gyger sowie Tim Stauffer, Nora Läng und Lukas Lanzrein von Thun rockt!
Patric Spahni

«Zukunft Nachtleben Thun – nur noch Lärm, Dreck und Vandalismus?» Unter diesem Titel wurde eine Podiumsdiskussion mit den Konfliktparteien angekündigt. Hätte es eines Beweises bedurft, dass das Thema Nachtleben und dessen Begleiterscheinungen unter den Nägeln brennt, dann wäre er durch den grossen Aufmarsch erbracht worden. Rund 200 Personen – darunter viele Junge – folgten der Einladung. Dementsprechend platzte der Aaresaal im Restaurant Krone am Montagabend aus allen Nähten.

Phase 1: Feld abgesteckt

Zu Beginn der Veranstaltung machten die verschiedenen Lager ihre bereits bekannten Positionen klar. «Es dürfen nicht alle, die nach 2 Uhr unterwegs sind, verdächtigt werden, Unruhestifter zu sein», sagte Lukas Lanzrein vom überparteilichen Komitee Thun rockt!. Bisher seien von der Stadt nur Vorschläge gemacht worden, die alle Nachtschwärmer bestrafen würden. «Repression ist der falsche Weg», ergänzte Nora Läng von Thun rockt!. Es brauche mehr Ausgehbetriebe in der Innenstadt, insbesondere für 16- bis 18-Jährige, forderte FDP-Stadträtin Franziska Gyger.

Die Gegenseite stellte den Bedarf grundsätzlich nicht in Abrede. «Die Probleme spielen sich nicht in den Lokalen ab, sondern im Freien», sagte Gemeinderat Peter Siegenthaler (SP). «Es ist eine Tatsache, dass gar nicht alle Nachtschwärmer in ein Lokal wollen.» An lauen Sommerabenden sei der Mühleplatz ein beliebtes Ziel. «Die Leute ziehen dann nicht in jedem Fall weiter», so Siegenthaler.

Als Vertreter der Anwohnerschaft reihte Ralph Gluch Ärgernis an Ärgernis, mit denen sich die Innenstadt-Bewohner konfrontiert sehen. «Der Lärm hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Doch damit nicht genug: Am Morgen müssen oft ausgerissene Pflanzen, zerbrochene Kübel oder Erbrochenes beseitigt werden.» Ebenfalls eine Unsitte sei, dass immer öfter an Hauswände uriniert werden. «Krone»-Direktor Bruno Carrizoni berichtete, dass vermehrt Gäste wegen der Lärmbelästigung früher abreisen. «Wir haben jedes Wochenende Reklamationen.»

Phase 2: Analyse

«Thun unterscheidet sich nicht von anderen Städten oder Tourismusorten», sagte Gemeinderat Siegenthaler. «Wir haben hier die gleichen Probleme mit Lärm und Vandalismus, welche lediglich von fünf Prozent der Nachtschwärmer verursacht werden.» Der Rest wisse sich zu verhalten. «Unser vordringliches Ziel ist es, die Fehlbaren aus der Anonymität zu befördern.» Dazu sei auch Zivilcourage gefordert. Einfach mehr Polizisten einzusetzen, sei keine Lösung. «Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, an einem lauen Sommerabend die einzelnen Unruhestifter aus einer Menge von mehreren hundert Personen herauszupicken.» Ausser man würde neben jede Person einen Polizisten stellen.

«Mit Verboten erreicht man nichts», sagte Tim Stauffer von Thun rockt!, «viele Junge fühlen sich dadurch animiert, diese zu übertreten.»

Phase 3: Lösungssuche

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die Podiumsteilnehmer mit den Anwesenden über mögliche Ansätze. Einig waren sich alle darin, dass es die Patentlösung nicht gibt. «Es braucht einen Strauss von Massnahmen», sagte beispielsweise Lukas Lanzrein. Mehr Polizeipräsenz und ein Polizeiposten in der Altstadt waren zwei oft geäusserte Vorschläge. Auch sollen mehr private Sicherheitsleute für Ruhe und Ordnung sorgen.

«Wir brauchen mehr Abfalleimer und Toilettenanlagen», forderte Nora Läng. «Damit ist es leider nicht getan», entgegnete Gemeinderat Siegenthaler, so würden sich auch in unmittelbarer Nähe zu WCs unbelehrbare Nachtschwärmer erleichtern und der Abfall werde dort liegen gelassen, wo er anfalle. Mit einem Littering-Verbot und einer rigorosen Durchsetzung durch die Polizei glaubt Lukas Lanzrein, der Abfallproblematik wirksam entgegentreten zu können.

Schliesslich brachte es einer auf den Punkt, der nicht Teil des Podiums war: Architekt und Raumplaner Kasimir Lohner, der seit wenigen Monaten – nach über dreissig Jahren Absenz – wieder im Zentrum Thuns wohnt. «In der Innenstadt zu wohnen, ist ungemein anregend. Damit das so bleibt, müssen alle Nutzer Toleranz und Respekt an den Tag legen.»

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