Jungfraubahn will erfolgreich bleiben

Interlaken

Einen stimmungsvollen Rückblick auf das Jubiläumsjahr und ein Rekordergebnis: Die Generalversammlung der Jungfraubahnen Holding AG bot alles, um die Aktionäre von Zukunftsprojekten wie der V-Bahn zu überzeugen.

Blick in die Zukunft im Angesicht vergangener Glanztage: Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler bei der Generalversammlung im Kongresssaal Interlaken. Im Hintergrund eine Aufnahme der Lichtinstallation auf der Jungfrau zum 100-Jahr-Jubiläum der Bahn im Januar 2012.

Blick in die Zukunft im Angesicht vergangener Glanztage: Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler bei der Generalversammlung im Kongresssaal Interlaken. Im Hintergrund eine Aufnahme der Lichtinstallation auf der Jungfrau zum 100-Jahr-Jubiläum der Bahn im Januar 2012.

(Bild: Markus Hubacher)

«Die grösste Gefahr für morgen ist der Erfolg von heute.» Das ist eines der geflügelten Worte, die Urs Kessler gern gebraucht. Es spiegelt zum einen die eigene innere Haltung des CEO der Jungfraubahnen wider. Zum andern liegt aber auch eine nicht zu leugnende Wahrheit darin. Denn Kessler weiss, dass auch seine zukünftige Leistung an der aktuellen Erfolgsbilanz gemessen werden wird. Und die ist beachtlich: 26 Millionen Franken Gewinn, 157,9 Millionen Franken Umsatz. Im Jahr des 100-jährigen Bestehens reihte das Bahnunternehmen wiederum Rekord an Rekord.

Aber, und das wollte Kessler den Aktionären bei der gestrigen Generalversammlung verdeutlichen, der Erfolg ist kein Selbstläufer. 90 Prozent der 833000 Besucher, die im Jubiläumsjahr 2012 auf das Jungfraujoch gefahren sind – auch das übrigens ein neues Rekordergebnis –, waren zum ersten Mal auf dem Top of Europe. Kessler lobte in diesem Zusammenhang die Leistung aller Mitarbeiter und die Marketingstrategie, die wegbrechenden traditionellen Märkte wie Deutschland und Grossbritannien mit einem verstärkten Engagement in Asien aufzufangen. Mittlerweile kommen fast zwei Drittel der Gäste auf dem Jungfraujoch aus Asien. In schönen Bildern liess das Unternehmen in einem 15-minütigen Film zudem noch einmal das Jubiläumsjahr Revue passieren.

Investitionen als Basis

Der Erfolg basiert laut Kessler aber auch auf den Investitionen der vergangenen Jahre. Allein in den letzten zehn Jahren habe die Jungfraubahn-Gruppe nach den Angaben ihres Geschäftsführers 271 Millionen Franken investiert. Und während sich die 130 Millionen für die Zahnradbahnen der Wengernalp- und der Jungfraubahn augenscheinlich auszahlen, haben die 89 Millionen, die in das Geschäftsfeld Wintersport geflossen sind, nicht die erwünschten Ergebnisse generiert. So musste ein Rückgang der Wintersportgäste um 10 Prozent verzeichnet werden. «Die aktuellen Zahlen im Wintersport machen uns grosse Sorgen», meinte Kessler. Und: «Warten auf bessere Zeiten, insbesondere im Wintersport, ist keine Strategie. Genau deshalb wollen und müssen wir gemeinsam mit der Männlichenbahn Perspektiven für die nächsten Generationen schaffen.»

Mit der V-Bahn in die Zukunft

Damit schlug Kessler die Brücke zu weiteren Investitionen in Gestalt des V-Bahn-Projekts von Grindelwald Grund zum Männlichen und zum Eigergletscher. «Die V-Bahn ermöglicht die langfristige Konkurrenzfähigkeit der gesamten Jungfrauregion als Wintersportdestination», ist Urs Kessler überzeugt. «Nur so können wir von unter einer Million Skier-Visits auf gegen 1,3 Millionen zurückkehren.» Dies sei, stellte der CEO klar, kein Wachstum, sondern nur der Anschluss an die Zahlen der Jahre 2007/ 2008 und 2008/2009. Mit der Verkürzung der Reisezeit ins Skigebiet, die durch das Projekt erreicht wird, hofft Kessler zum einen, die Wurzeln des Wintersports, die in Märkten wie Grossbritannien und Deutschland liegen, wiederzubeleben. Zum anderen soll der Betrieb der Wengernalpbahn sichergestellt werden. Und nicht zuletzt soll die Vision von zehn Monaten Hochsaison und langfristig bis ins Jahr 2020 einer Million Jungfraujoch-Besuchern so Realität werden.

Wie ein Pharmaunternehmen

Mit einem anderen Sprachbild wollte Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger die Aktionäre auf Kurs bringen: «Wie eine Pharmafirma muss auch ein Tourismusunternehmen die Innovationspipeline aufrechterhalten, um zu überleben.» Und so warb auch Bieger für das 200 Millionen schwere V-Bahn-Projekt, in das allein die Jungfraubahn-Gruppe 160 Millionen Franken investieren will. Offensichtlich konnte die Konzernspitze die Aktionäre von ihrem Kurs überzeugen. Einstimmig genehmigten diese den Vorschlag des Verwaltungsrats, angesichts der grossen Investitionen 45,2 Millionen aus dem Bilanzgewinn von 55,7 Millionen Franken als Vortrag auf die neue Rechnung zu übernehmen. Die übrigen 10,5 Millionen werden als Dividende von 1.80 Franken pro Aktie auf die 5,835 Millionen Aktien ausgeschüttet.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt