Jungfraubahn feiert sich und die Schweiz auf 3454 Metern über Meer

«Die ersten Besucher wurden durch die Schönheit des Panoramas zu grosser Begeisterung entflammt»: So schilderte der Berichterstatter der NZZ die Stimmung auf dem Jungfraujoch am 1. August 1912.

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Das mässige Wetter tat der Euphorie offenbar keinen Abbruch. Exakt hundert Jahre später reiste am Mittwoch erneut eine Festgesellschaft via Kleine Scheidegg aufs Joch. Und diesmal stimmte auch das Wetter: Sonnenstrahlen kämpften sich ihren Weg durch die Wolken, als die über 160 geladenen Gäste nach dem Festakt zum Apero auf der Sphinx-Terrasse schritten.

Das von einigen Ortskundigen befürchtete Gewitter blieb am frühen Abend aus - obwohl das irgendwie zum traditionell knalligen Schweizer Nationalfeiertag gepasst hätte und auch zu den vielen Sprengungen, die einst zur Bezwingung des Bergs nötig waren.

Mehrere Rednerinnen und Redner nutzten die Gelegenheit, das Jubiläum der Bahn auf dem «Dach Europas» mit einigen Betrachtungen zur Lage der Nation zu verknüpfen - allen voran Bundesrätin Doris Leuthard und der bernische Regierungspräsident Andreas Rickenbacher.

Leuthard beschwört den Pioniergeist

Käme heute jemand auf die Idee, ein Loch in die Eigernordwand zu bohren, wären die Bedenkenträger rasch zur Stelle, mutmasste Verkehrsministerin Leuthard. «Einsprachen und langjährige Verfahren wären programmiert.»

Seinerzeit habe Adolf Guyer-Zeller nur gerade drei Jahre für die politische Umsetzung seiner Vision gebraucht. Seit 1912 gelte das «phänomenale Bauwerk» als Synonym für die bahntechnischen Pionierleistungen der Schweiz - und sie sei heute noch das Markenzeichen einer offenen, technisch-innovativen Schweiz.

«Verschiedene Kraftzentren»

Der bernische Volkswirtschaftsdirektor Rickenbacher erinnerte an die «Zusammenarbeit verschiedener Kraftzentren», welche den Bau der Jungfraubahn ermöglicht hätten: «Die Vision eines Zürchers, die Beharrlichkeit der Berner und der Einsatzwille ausländischer Arbeitskräfte.»

Die Jungfraubahnen scheuten keinen Aufwand, vor ihren Aktionären und den Gästen aus Politik und Wirtschaft ihre berühmteste Destination gebührend in Szene zu setzen. Die meisten Besucher dürften das spektakuläre Panorama schon öfters gesehen haben; neu war für viele wohl der erst kürzlich eröffnete Erlebnisrundgang «Alpine Sensation».

Keine zweite Röhre

Den Weg aufs Jungfraujoch finden jährlich weit über 700'000 Menschen. Zwei Drittel der Gäste stammen aus Asien; die Tendenz ist steigend.

Auch nach hundert Jahren sei die Bahn also eine Erfolgsgeschichte, stellte Thomas Bieger als Verwaltungsratspräsident der Holding fest. Das liege auch daran, dass man den Tugenden des Pioniers Guyer-Zeller bis heute nachlebe. Zu den zeitlosen Grundsätzen der Unternehmung gehörten insbesondere eine solide Finanzierung und der Respekt vor der Natur.

Dem Wachstum sei gerade deshalb aber auch Grenzen gesetzt, machte Bieger deutlich. So sieht es auch Bundesrätin Leuthard - der scherzhaft aufgeworfenen Idee einer zweiten Jungfrau-Röhre erteilte sie umgehend eine Absage.

chh/sda

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