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Jäger sollen Tiere erlösen dürfen

Jäger dürfen ein verletztes Tier, auch wenn die Polizei anwesend ist, nicht mit einem Gnadenschuss erlösen. Diese Situation sei unbefriedigend, meinen zwei Oberländer Grossräte.

Walter Kunz ist der Einsatzleiter der Wildhut in der Region Oberland. Hier setzt er gerade seinen Hund auf die Spur eines verletzten Wildtieres an.
Walter Kunz ist der Einsatzleiter der Wildhut in der Region Oberland. Hier setzt er gerade seinen Hund auf die Spur eines verletzten Wildtieres an.
zvg

Der Fall einer angefahrenen Hirschkuh sorgte Anfang Februar schweizweit für Aufsehen. Nun muss sich auch der Regierungsrat mit der Frage auseinandersetzen, ob es Jägern erlaubt sein soll, verletzte Wildtiere mit einem Gnadenschuss zu erlösen. Die Grossräte Christoph Berger (SVP, Aeschi) und Hans Rösti (SVP, Kandersteg) reichten eine entsprechende Interpellation ein.

Am 9. Februar wurde auf der Hauptstrasse zwischen Interlaken und Beatenberg eine Hirschkuh angefahren und erlitt einen Beckenbruch. Die Kantonspolizei Bern wurde vorschriftsgemäss informiert. Gleichzeitig informierte eine Autofahrerin, die am Unfallort vorbeikam, einen ihr bekannten Jäger. Als dieser eintraf, war auch schon die Kantonspolizei vor Ort. Die Beamten gestatteten dem Jäger aber nicht, das Tier, das sich von der Unfallstelle entfernt hatte, mit einem Gnadenschuss zu erlösen. Dies entspricht der aktuellen Gesetzgebung. Schliesslich war es der zuständige Wildhüter, der das Tier erlöste. Dies rund 45 Minuten nach der Alarmierung. Oberstes Ziel sei es, das Leiden des Tieres so kurz wie möglich zu halten, erklärte damals Walter Kunz, Einsatzleiter Wildhut Region Oberland, gegenüber dieser Zeitung. «Einsätze, die in unter einer Stunde erledigt werden können, sind daher als sehr gut zu bewerten.»

«Unbefriedigende Situation»

«Seit 2013 muss sich die Kantonspolizei um Unfälle mit Wildtieren kümmern und verletzten Tieren den Gnadenschuss geben», schreiben Berger und Rösti in ihrem Vorstoss. Dies geschehe nur in Ausnahmefällen, grundsätzlich sei der Fangschuss Aufgabe der Wildhut. Für die Polizisten käme erschwerend dazu, dass sie ein Tier mit einer Pistole und nicht mit einem Gewehr erlegen müssten. Falls sich ein verletztes Tier vom Unfallort entferne, müsse es vom zuständigen Wildhüter gesucht und erlegt werden. «Bis der Wildhüter aufgeboten ist und am Unfallort eintrifft, kann viel Zeit vergehen.» Das Tier leide unnötig, schliesslich gebe es im ländlichen Gebiet in praktisch jedem Ort routinierte und erfahrene Jäger. Berger und Rösti wollen wissen, ob sich der Regierungsrat dieser «unbefriedigenden Situation» bewusst sei und was dagegen spreche, dass Jäger verunfallten Wildtieren den Gnadenschuss geben können. Schliesslich fragen sie: «Ist man bereit, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass Jäger künftig verletzte Wildtiere erlegen können?» Falls der Interpellation keine Dringlichkeit gewährt wird, hat der Regierungsrat sechs Monate Zeit, die Fragen zu beantworten.

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