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«Ich bin die Brücke schon gesprungen»

Die neue Hängebrücke in Sigriswil wird seit der Eröffnung regelrecht von Besuchern überrannt. Die 180 Meter hohe Brücke ist jedoch nicht nur bei Wanderern beliebt, sondern auch bei Basejumpern. Das freut nicht alle.

Die Hängebrücke in Sigriswil erhält den Prix Acier 2014.
Die Hängebrücke in Sigriswil erhält den Prix Acier 2014.
Blick aus der Luft auf die 340 Meter und 180 Meter hohe Brücke.
Blick aus der Luft auf die 340 Meter und 180 Meter hohe Brücke.
zvg
Die «Bärgburetrychler» aus Sigriswil schritten über die 344 Meter lange Hängebrücke über die Gumischlucht. Ihre Schwungbewegungen brachten die Brücke arg ins Wanken, was einigen den Angstschweiss auf die Stirn trieb.
Die «Bärgburetrychler» aus Sigriswil schritten über die 344 Meter lange Hängebrücke über die Gumischlucht. Ihre Schwungbewegungen brachten die Brücke arg ins Wanken, was einigen den Angstschweiss auf die Stirn trieb.
Markus Hubacher
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Seit dem 14. Oktober diesen Jahres ist die Gemeinde Sigriswil am Thunersee um eine Attraktion reicher. An diesem Tag wurde die 340 Meter lange Panoramabrücke, die über die Guntenbachschlucht Sigriswil und Aeschlen verbindet, eröffnet. Seither reisst der Besucherstrom nicht mehr ab. Am Wochenende wird teilweise gar an der Höchstlast der Brücke gekratzt. Wo viele Besucher nicht einmal einen Blick in die Tiefe wagen und sich krampfhaft am Geländer festhalten, steigen andere darüber hinweg, um in genau diese scheinbar endlose Tiefe zu springen: Die Basejumper.

Einer davon ist Martin Schürmann. Er war bereits beim Bau der Brücke involviert. Der aktive Bergführer ist ein ausgewiesener Experte für Arbeiten am Seil in luftiger Höhe. Privat ist der 37-Jährige eben Basejumper. «Die Brücke bin ich schon gesprungen. Weil ich geholfen habe, sie zu bauen, wollte ich der erste sein», sagte Schürmann nicht ohne Stolz. Das Springen von der filigranen Hängebrücke ist verboten. Keiner weiss das besser als er. «Ich will keine anderen Basejumper auf die Idee bringen zu springen, deshalb hänge ich den Sprung nicht an die grosse Glocke», sagte Schürmann. Das heisst, er stellt keine Videos vom Sprung ins Netz, was sonst die Regel in der Szene ist, wenn etwas erstmals gesprungen wird. «Jeder muss den Sprung selber für sich entdecken», sagt Schürmann.

Ein schwieriger Sprung

Peter Dütschler, der Präsident des Vereins Panoramarundweg Thunersee, der für den Bau und die Bewirtschaftung der Brücke verantwortlich ist, freut sich sichtlich über den enormen Besucherandrang. Weniger freut ihn das Interesse der Basejumper. Er weiss, dass die Brücke gesprungen wird. «Die wissen, dass es verboten ist, aber das gibt ihnen den Kick», ist er überzeugt. Doch die Brücke habe zu wenig Anziehungskraft für die Basejumper und werde darum nie zu einem Mekka. Dabei denkt er wohl ans Lauterbrunnental, wo jedes Jahr zwischen 15`000 und 20`000 Sprünge absolviert werden. «Der Sprung hier ist zu schwierig», sagte Dütschler.

Dem stimmt Schürmann nur teilweise zu: «Es ist ein heikler Sprung, die 180 Meter reichen gut, aber die Bäume links und rechts, die Landung und der Wind machen ihn schwierig». Er sei sicher nicht für jedermann geeignet: «Wenn wir in rot/blau/schwarz einteilen, ist das sicher ein schwarzer Sprung», sagte Schürmann. Doch sobald die Brücke von Basejumpern gesehen werde, werde sie auch gesprungen, ist er überzeugt.

Obwohl der Verein Panorama Rundweg Thunersee nicht will, dass von der Brücke gesprungen wird, soll kein Schild das Springen explizit verbieten. «Wir werden das Springen sowieso nicht verhindern können», sagt Dütschler. Ein weiterer Faktor erschwert den Basejumpern das Springen: Die zahlreichen Besucher auf der Brücke. «Im schlimmsten Fall denken die, dass sich jemand das Leben nimmt», sagt Schürmann.

Den Sprung von diesem einzigartigen Bauwerk wird Schürmann bestimmt wiederholen. Doch nicht heute und morgen: «Die tolle Aussicht auf den See und dass ich mitgeholfen habe, die Brücke zu bauen, macht ihn zu etwas besonderem. Doch zuerst sollen die Besucher die Brücke geniessen dürfen».

Der Telebärn-Beitrag zum Thema

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