«Hopphopp, ihr faulen Enten!»

Thun

Der Fulehung als Quietschente, ein voller Mühleplatz und die Hoffnung auf den grossen Gewinn – Die Kadetten feierten ihr Jubiläum mit einem Wettrennen.

  • loading indicator

Am Mittwochabend war in Thun der Fulehung los. Aber nicht in üblicher Form als kostümierter Mensch, der eine Söiblaatere schwingt, sondern als kleines Plastikobjekt mit Entenschnabel und kleinen Hörnchen, das quietscht, wenn man es zusammendrückt. Die Kadetten feiern ihr 175 Jahre alte Kadettenkorps und haben sich dafür etwas Besonderes einfallen lassen. «Es ist ein Entenrennen», erklärt die in Blau gekleidete Verkäuferin bei der Mühlebrücke. «Sie können eine Rennlizenz für die Enten kaufen. Jede hat eine Nummer, die ersten 20, die dort im Trichter landen, gewinnen», wirbt sie mit gewinnendem Lächeln. «Der Gewinner erhält 1500 Franken.»

Klingt gut, denkt sich der TT-Journalist und ist schon überredet. Er reicht ihr eine Zehnernote und wählt aus den Bögen aus: 3396 soll es sein. 3 ist seine Glückszahl, und in dieser Kombination kanns nur gut gehen, denkt er sich. Dass noch 4999 andere Nummern im Rennen sind, blendet er aus. Er stapft voller Selbstvertrauen zum Göttibachsteg, wo die Vorbereitungen zum Start im vollen Gang sind.

Dort siehts aus, als sei ganz Entenhausen in Thun zu Gast. Manfred Schoder schleift einen Ikea-Sack voller Enten in die Mitte des Stegs und entleert ihn auf einer Blache. Es ist bereits der achte. Korpsleiter Urs Balmer hilft mit. «Es soll ein besonderer Event sein, den alle mitverfolgen können», erklärt er. Am Wasser stehen viele Schaulustige. «Ich frage mich, ob die Strömung ausreicht» sagt Zuschauer Peter Witmer mit kritischem Blick. «Und wie sollen die Enten durch die Schleuse?» Um Punkt 17.30 Uhr gehts los: Zehn Männer hieven die Blache übers Geländer.

5000 stumme Plastikteile schaukeln vorwärts, es ist ein gelber Teppich. Am Ufer hats mittlerweile keinen freien Platz mehr: Das Entenrennen ist ein Publikumsmagnet. «Hopphopp, ihr faulen Enten!», ruft ein Mann, als könne er ihren Gang beeinflussen. Doch mit dem Mitfiebern ist so eine Sache, denn die Nummer ist vom Ufer aus nicht erkennbar.

Dann kommt das Hindernis:Die Schleuse. Die Plastikviecher wirbeln herum und werden an eine Stelle gesogen, wo ein kleiner Durchlass ist. Ente für Ente passiert den Bereich. Eine setzt sich im Gewusel durch, als bestünde sie aus Hartholz. Sie schwimmt allen davon Richtung Trichter hinter der Mühlebrücke. Doch was ist das?! Die Strömung treibt die vermeintliche Siegerente an den Rand, vorbei am Auffangseil, an dem der Trichter befestigt ist.

Es dauert über eine Stunde, bis schliesslich 20 Plastikenten im Trichter stecken. Die meisten treiben daran vorbei und werden weiter vorne im Schwäbis von einem Netz aufgefangen. Der TT-Journalist ist noch immer hoffnungsvoll, dass seine Ente unter den 20 Gewinnern ist. Endlich werden die Siegernummern heruntergelesen. 4351, lautet die erste, danach folgen weitere, doch die eigene bleibt aus. «Und die nächste lautet 3393», sagt der Sprecher. Der Journalist wird hellhörig und setzt bereits zum Jubeln an. Dann wirft er einen Blick auf seine Lizenz, um sicherzugehen. «Nein!», entfährt er ihm. Er hat die 3396. «Es war aber 1393, Sie haben sich wohl verhört», sagt ihm ein Mädchen, das neben ihm steht. Also wars nicht einmal knapp. Der TT-Journalist stapft enttäuscht davon.

Die Nummern der Siegerenten werden auf der Website der Thuner Kadetten, www.kadetten-thun.ch, publiziert.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt