Hochspannung am Gesslerschiessen

Thun

Das Gesslerschiessen stellt den Höhepunkt des sportlichen Teils des Ausschiessets dar. Mit der Parade auf den Rathausplatz gingen am Dienstag die für viele «die drei schönsten Tage» von Thun zu Ende.

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Plonk – mindestens zum zehnten Mal schon kassiert der ältere Herr einen Hieb mit den Söiblaateren. An seinem Standort unmittelbar hinter der Abschrankung hält er aber fest, selbst wenn er sich dort im Aktionsradius des Fulehung, der innerhalb der Abschrankungen hin- und herrennt und unermüdlich Schläge austeilt, befindet. Zu gespannt erwartet der Senior den Ausgang des Gesslerschiessens. Die Schläge nimmt er der guten Aussicht zuliebe in Kauf.

In unregelmässigen Abständen schwirren Armbrustgeschosse über die Köpfe des Publikums hinweg und schlagen mehr oder minder präzise ins Gesslerbild am Täntsch, dem Scheibenstand, ein. Bereits der fünfte Pfeil reisst die Medaille auf Gesslers Brust an — ein Trommelwirbel verkündet den guten Schuss.

Sportlicher Fulehung

«Fu-le-hung, Fu-le-hung», rufen Kinder immer wieder und versuchen, den rabiaten Zeitgenossen aus dem eingezäunten Bereich herauszulocken, was auch hin und wieder gelingt. Kreischend machen sich die Kinder aus dem Staub und entkommen den Schlägen des Fulehung zumeist. Nur einmal setzt der Narr zu einem Spurt an, um ein besonders freches Kerlchen einzuholen und ihm eins überzuziehen. Dann kehrt er zum Täntsch zurück und verpasst dem Senioren auf einer Runde den Abschrankungen entlang den elften Hieb.

Neun Pfeile in der Brust

Wieder erklingt ein Trommelwirbel, die Menge applaudiert. Zwar bleibt die Medaille vom eben abgegebenen Schuss unversehrt, aber Gessler ist empfindlich am Hals getroffen.

Neun Pfeile kommen Gesslers Herz letztlich gefährlich nahe, zwei davon reissen die Medaille an. Neun Mal trommeln die vier Tambourinnen, um die guten Schüsse zu ehren. Mit den neun Pfeilen begibt sich der Leiter der Armbrustschützen, Markus Wind, nach Abgabe des letzten Schusses ins Schützenhaus. «Das war echt spannend heute», sagt er zu den versammelten Schützen. Sichtlich stolz kann Rouven Oliver Tschanz seinen Pfeil wieder entgegennehmen und sich als Sieger des Gesslerschiessens feiern lassen.

Die Hiebe gehören dazu

Als sich das Kadettenkorps zum Umzug auf den Rathausplatz, wo der Ausschiesset zu Ende geht, formiert, rennt der Fulehung erneut prügelnd den Abschrankungen entlang. Plonk — zwölf. Der ältere Mann schmunzelt und streicht sich die Haare zurecht. «Das war das spannendste Gesslerschiessen seit Langem», sagt er, als sich der Umzug in Bewegung setzt.

Thuner Tagblatt

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