Hin und Her um Oberländer Spitäler

Die Spital Thun Simmental AG (STS) erwägt die Schliessung der beiden Spitäler in Zweisimmen und Saanen. Für ein Akutspital zeichne sich keine finanziell tragbare und medizinisch sinnvolle Lösung ab.

Das Spitäler in Zweisimmen und in Saanen: Würden sie geschlossen, käme es zu rund 50 Kündigungen.

Das Spitäler in Zweisimmen und in Saanen: Würden sie geschlossen, käme es zu rund 50 Kündigungen.

(Bild: Fritz Leuzinger/Luzia Kunz)

Die Weiterführung der stationären Versorgung sei mittelfristig für die STS als einzige Finanziererin nicht mehr möglich. Längerfristig würde gar die Existenz des Gesamtunternehmens gefährdet, schreibt die STS.

Der STS-Verwaltungsrat erwägt deshalb, eines der beiden Spitäler im Raum Obersimmental-Saanenland im Herbst dieses Jahres zu schliessen. Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, würde die STS den anderen Standort 2014 aufgeben.

Sollte es zur Schliessung der beiden Standorte kommen, würden künftig alle bisherigen Leistungen von Saanen und Zweisimmen im Spital Thun angeboten. Von den insgesamt 155 betroffenen Arbeitsplätzen käme es etwa bei 50 zu Kündigungen.

Vertreter der STS-Führung informierten am Freitagvormittag die Angestellten in Saanen und Zweisimmen sowie die Gemeinden über diesen «unerfreulichen, aber vorbehaltenen Entscheid».

Aufbau eines Gesundheitsnetzes

Die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) startet mit der STS ein Pilotprojekt für die zukünftige Versorgung der Region, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Es umfasst drei Aspekte: die Stärkung des Rettungswesens, den Aufbau eines Gesundheitsnetzes und die Prüfung der Versorgungsnotwendigkeit.

Ein Gesundheitsnetz stellt die ambulante medizinische Grundversorgung sicher. Es umfasst im Minimum ein Notfall- Ambulatorium sowie ein Praxislabor und Röntgeneinrichtungen.

Idealerweise befinden sich auch Hausarztpraxen in den Gebäuden. Ausserdem werden Spezialsprechstunden angeboten. Grundsätzlich tragen private Leistungserbringer ein Gesundheitsnetz, wie die STS schreibt. Sie will sich aber an der Trägerschaft beteiligen.

Der STS-Verwaltungsrat leitet im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der GEF die entsprechenden Konzeptarbeiten ein. Geplant ist, dass das Gesundheitsnetz im Sommer 2013 in Betrieb geht.

Gemäss der Versorgungsplanung 2011-2014 des Kantons kann die STS ihren Versorgungsauftrag auch ohne ein stationäres Angebot in der Region erfüllen, wie weiter heisst. Im Pilotprojekt werde die GEF während des Betriebs des verbleibenden Akutspitals die Möglichkeiten und die praktische Notwendigkeit einer stationären Versorgung im Raum Simmental-Saanenland im Detail evaluieren.

Falls die Evaluation zeige, dass die Ziele der Versorgungsplanung nur mit einer stationären Versorgung vor Ort zu erreichen sei, werde die GEF die Übernahme allfälliger ungedeckter Kosten prüfen.

Definitiver Entscheid im Mai

Der STS-Verwaltungsrat hat nach seinem provisorischen Entscheid nun das Konsultationsverfahren bei den Arbeitnehmenden eröffnet, das bis zum 17. April dauert. Im Mai will der Verwaltungsrat einen definitiven Entscheid fällen, damit das Pilotprojekt unverzüglich starten könne.

Die STS AG versucht seit fünf Jahren mit den Behördenvertretern der Standortgemeinden, den Hausärzten und dem Kanton als Eigentümer sowie der GEF, eine «verantwortbare und sinnvolle» Versorgungslösung für die Region zu finden.

Zuletzt platzte eine Kompromisslösung der STS mit zwei Gesundheitszentren in Saanen und Zweisimmen. Die Kantonsregierung war nicht bereit, für diese Variante einen Sonderbeitrag zu bewilligen.

Zuvor hatte die STS AG die beiden heutigen Spitäler in Saanen und Zweisimmen aufheben und durch einen Neubau in Saanenmöser ersetzen wollen.

cls/sda

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